Büdel, J.: Das Eis im Kaspisee,
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von 1927 bis 1932 nur zweimal (für 2 bzw. 11 Tage) Eis auftrat. Nach der
Lufttemperatur müßte man hier an der Ostküste eine etwas stärkere Vereisung
erwarten, Dies ist aber nicht der Fall. Die Ursache liegt hier offenbar in den
Strömungsverhältnissen (Abb. 2). An der Ostküste setzt ein z T. warmes Wasser
aus dem Südbecken mitführender Strom nach Norden; die Vereisung ist daher
im wesentlichen auf die tieferen Küstenbuchten — insbesondere die Kinderli-
Bucht — beschränkt und entsteht hier an Ort und Stelle. Sie hat wie alle
Lokalvereisungen an den Küsten sonst eisfreier Meeresgebiete einen frühen
Hochstand, der sich gegenüber dem Jahresminimum der Lufttemperatur nur
wenig verspätet. Die Vereisung der Westküste wird dagegen in der Haupt-
sache nicht am Ort gebildet, sie ist vielmehr einer starken Südströmung zu ver-
danken, die hier in der zweiten Hälfte des Winters häufig Treibeis längs der
Küste nach Süden verdriftet, Im Februar 1928 wurde hier ein dichter Treibeis-
streifen von 20 sm-Breite beobachtet, der sich bis in den März hinein er’ elt und am
22, und 23. Februar sogar um die Halbinsel Apscheron herum etwas T,eibeis bis in
die Bucht von Baku führte. Da dieses Treibeis von den großen Eisman,en des Nord-
teils gespeist wird, zeigt es ein stark verspätetes Auftreten und Verschwinden. Es
bildet ein kleines Seitenstück zu den großen Treibeiszungen im Bereich der kalten
Meeresströmungen an den Westküsten der Ozeane (Ostgrönland-, Labrador- und
Oya-Shio-Strom, Aus der großen Kara-Bugas-Bucht an der Ostküste liegen Eis-
meldungen nicht vor, Sie dürfte in der Tat bei ihrem abnorm hohen Salzgehalt von
205% 0 fast völlig eisfrei sein, wiewohl die mittleren Minima dieses Gebietes mit
rund — 25° den zu etwa —17.5° anzunehmenden Gefrierpunkt dieser Salzlösung
noch merklich unterschreiten. Auch ist hier der aus dem Faulen Meer bekannte
Fall denkbar, daß sich winterliches Niederschlagswasser mit der unterkühlten Salz-
lösung unter besonderen Umständen nicht vermischt und dann über dieser gefriert.
Im Bereich des Südbeckens zeigt endlich nur noch die große flache Bucht
von Krassnowodsk mit ihrer östlichen Fortsetzung, der schmalen Balchan-
Bucht, eine regelmäßige Vereisung, die jedoch auch in strengen Wintern der
Schiffahrt keine ernstlichen Schwierigkeiten bietet. Bei einer mittleren Januar-
Temperatur von +2.4° ist hier eine solche Vereisung nur bei den starken Nacht-
frösten und den kurzen aber harten Frostperioden im reinen Festlandsklima
möglich, die in einer Anzahl von 37 Frost- und 4 Eistagen im Jahr sowie einer
sehr hohen interdiurnen Veränderlichkeit der Temperatur (ı) ihren Ausdruck
finden. Von der Westküste ist im Berichtszeitraum nur das schon erwähnte zwei-
tägige Treibeisvorkommen bei Baku bekannt geworden; ältere Nachrichten er-
wähnen eine ganz seltene leichte Eisbildung auf der Kura und in der inneren
Kisil-Agatsch-Bucht an ihrer Mündung. Die Westküste südlich dieser Bucht
sowie die gesamte Südküste des Kaspisees ist jedenfalls stets völlig eisfrei. Da-
gegen kann an der Ostseite mit gelegentlichen Kaltluftvorstößen auch in den
südlichsten Buchten von Hassan-Kuli (in der Berichtszeit dreimal) und Astrabad-
Aschur Ade (in der Berichtszeit einmal) in strengen Wintern eine kurze ver-
gängliche Neueisbildung auftreten. Sie fällt hier ausnahmslos noch in den
Januar, während die stärkere Vereisung der Bucht von Krassnowodsk ihren
Hochstand erst im Februar erreicht. Dank ihrer einzigartigen geographischen
Lage stellt dabei die Bucht von Astrabad mit 36.8° N-Br. (das entspricht etwa
der Breite von Tunis, San Franzisko und Tsingtau) den äquatornächsten Punkt
einer Meeres- bzw. einer Salzseevereisung in Meereshöhe auf der Erde dar.
Schrifttum,
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Ann. d. Hydr. usw. 1943. Heit IV/VL