accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 71, 1943

120 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/Juni 1943, 
auch in seinem Salzgehalt (12.85°% 0) mit dem Südteil völlig übereinstimmenden 
Mittelbecken des Kaspisees noch ausschließlich auf die Küstenzonen im Westen 
und Osten beschränkt. Demgegenüber stellt der Nordteil des Sees (nördl. der 
zweiten deutlichen Einschnürung zwischen der Insel Tschetschen vor dem Terek- 
delta im W und der Halbinsel Mangyschlak im O) lediglich eine ganz flache 
Überflutung der Steppe dar, die nirgends über 20 m und größtenteils sogar 
weniger als 10 m tief ist. Hinzu kommt, daß sich hier der Salzgehalt gerade 
im westlichen Teil vor dem Wolgadelta örtlich bis auf 0,3%) erniedrigt. Nörd- 
lich der Grenze zwischen Mittel- und Nordteil dehnt sich daher die regelmäßige 
Eisbedeckung schlagartig über die ganze Seefläche aus, Da innerhalb des Nord: 
teils die Geschlossenheit und Andauer der Vereisung von Westen nach Osten 
noch bedeutend zunimmt (vgl. das Vorherrschen winterlicher Ostwinde, Abb, 2), 
können wi. im Gesamtbereich des Kaspisees von Süden nach Norden (fort. 
schreitena ler deutlich getrennte Abschnitte mit jeweils ganz anders- 
artigem vYreisungtypus unterscheiden, Diese Abschnitte entsprechen zu- 
gleich den ‘er allgemeinen Vereisungstypen der Nebenmeere, wie sie in allen 
Teilen der winterkalten gemäßigten Zone wiederkehren?). 
Der Nordostteil des Kaspisees (westwärts durch die Linie: NW-Kap der 
Halbinsel Busatschi — Wolgadelta begrenzt) trägt alljährlich (auch in milden 
Wintern) eine mehrmonatige geschlossene Eisdecke, die zwar im Inneren nicht 
unbeweglich ist, aber doch eine Wasserfläche von der Größe Bayerns völlig be- 
deckt. Nach Art und Stärke der Vereisung kommt dieser Teil damit der um 
18 Breitengrade weiter nordwärts gelegenen südlichen Bottenwieck bzw. dem 
inneren Finnischen Meerbusen gleich, wobei er allerdings diese Seegebiete an Um- 
fang um ein Vielfaches übertrifft, Wie in Wasa, Wiborg und Petersburg erreicht 
die mittlere Dauer der Vereisung im äußersten Nordosten des Kaspisees 160 bis 
170 Tage, nur liegt diese Periode wegen des extremen Festlandsklimas hier im 
ganzen früher (Mitte Nov.— Mitte April) als in den entsprechenden Teilen des 
Bottnischen und Finnischen Meerbusens (Anf. Dez.— Anf. Mai)?), 
Der zweite nordwestliche Abschnitt (zwischen den Linien: Halbinsel 
Busatschi — Wolgadelta und; Halbinsel Mangyschlak — Terekdelta gelegen) ist 
für die Schiffahrt besonders wichtig. Die Vereisung entspricht hier etwa der- 
jenigen der nördlichen Bottensee, des westlichen Finnischen Meerbusens oder 
des Asowschen Meeres, d.h. im Hochwinter an den Küsten regelmäßig. starke, 
langausdauernde Festeiskanten und im freien Seegebiet Treibeis, das sich nach 
Süden allmählich auflöst. Im offenen Seegebiet wird hier gegen das warme 
und tiefe, im Salzgehalt bereits normale Mittelbecken (in scharfem Gegensatz 
zu den allmählichen Übergängen im Ostseegebiet!) sehr rasch die äußerste Eis- 
grenze erreicht: sie folgt hier ziemlich genau der 20 m-Tiefenlinie und bleibt 
daher in den meisten Wintern auch auf dem Höhepunkt der Eisausdehnung im 
Februar fast stets nördlich des 44, Breitengrades, Die äußerste Eisausdehnung 
im offenen Seegebiet während der Berichtszeit wurde hier am 25, 2. 1928 von 
einem russischen Beobachtungsschiff in 43° 49’ N-Br. gemeldet. Das ebenfalls in 
diesem Abschnitt gelegene, in viele kleine Arme gespaltene Wolgadelta gefriert 
meist etwas früher und geht vor allem häufig etwas später auf als der Unter- 
lauf des Stromes selbst, 
Im Bereich des Mittelbeckens ist die Vereisung schon ganz auf die 
flachen Küstengebiete beschränkt und nimmt auch hier nach Süden sehr rasch 
ab: an der Westküste beträgt die mittlere Vereisungsdauer im Norden bei der 
Tschetschen-Insel noch 90, im Seegebiet von Machatsch-Kala 60, bei Derbent 
noch 20 Tage im Jahr, während im äußersten Süden an der Halbinsel Apscheron 
1) Ein System der geographischen Vereisungstypen des Meeres wird der Verfasser demnächst an 
anderer Stelle veröffentlichen, — *%) Trotz des früheren Datums schmilzt aber hier (wie in den innersten 
Teilen der Ostsee) das letzte Eis erst zu einem Zeitpunkt, an dem das Festland schon wieder das 
Wärmeübergewicht gegenüber dem See erlangt hat, Während in Gebieten mit geringerer Vereisung 
(z. B. der Nordsee) das Eis stets schon lange vor diesem Zeitpunkt (und zwar von See aus) ver- 
schwindet und sich zuletzt an der Küste und in Buchten erhält, schmilzt hier das letzte Eis auch 
von der Küste aus ab, so daß wir es zuletzt vor dieser im benachbarten Seegebiet antreffen 
(vgl. Tafel 8, 15. April).
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.