Böhnecke, G.: Auftriebwassergebiete im Atlantischen Ozean.
117
Temperaturdifferenz sehr groß, Die Unvollkommenheit des Materials gestattet
ebenfalls noch nicht die Ableitung einer Gesetzmäßigkeit,
Bei Bahia schließlich entwickeln sich, wenngleich auch in zeitlich und
örtlich beschränktem Umfange, ähnliche Verhältnisse. Jedenfalls zeigen die
Oberflächentemperaturen in den Monaten Januar, Februar, April, Oktober und
November, in denen der Strom klar aus der Bucht heraussetzt, dicht unter der
Küste um rund 1° niedrigere Werte als im südöstlich davon gelegenen, also ent-
fernteren Eingradfeld an. In anderen Monaten, z. B. März, Mai, Juni, Juli, mit
auflandigem Strom (ebenfalls aus den niederländischen Atlanten entnommen), ist
entweder kein Temperaturabfall oder sogar ein Anstieg von etwa 0,5° C zum
Lande hin festzustellen. Auch dieses Gebiet tritt auf der Karte der Anomalien
wegen seiner Kleinheit und jahreszeitlichen Beschränkung nicht hervor.
Neben diesen vorwiegend an die Küsten gebundenen Zonen mit Aufquellen
kälteren Tiefenwassers gibt es einige weitere auf Offener See, in denen ähnliche
Vorgänge, verquickt mit Strömungsfaktoren, zum mindesten wahrscheinlich sind.
Hierher gehören zunächst die seewärtigen, nordwestlich bzw. südwestlich gerich-
teten Ausläufer der Kaltwassergebiete an der Südwest- und Nordwestafrikanischen
Küste, deren Verknüpfung mit Divergenzen im Benguela- und in den südlichen
Ausläufern des Kanaren-Stromes (Kap Verden-Divergenz) vom Verfasser, wie
schon erwähnt, im Jahre 1935 gefunden wurde. Ohne auf Einzelheiten einzu-
gehen, kann man aus dem Verlauf der Isanomalen jedenfalls schließen, daß die
großen Gebiete, die sich in rd. 15° N- und S-Breite bis über die Mitte des Ozeans
erstrecken, ihre negative Anomalie nicht allein auf die Zufuhr kalten Wassers aus
den Auftriebsgebieten an den Küsten oder aus höheren Breiten zurückführen
können. Dieses niedrig temperierte Wasser kommt augenscheinlich größtenteils
auch aus tieferen Schichten entlang der Divergenz. Die Ursprungstiefe scheint
jedoch nicht so groß zu sein wie an der Küste,
Abschließend sei noch auf die schmale Zone negativer Anomalie hinge-
wiesen, die mit Werten von —1° C bis etwa 27° W unter dem Äquator
liegt. Sie findet ihre Erklärung durch Defants Untersuchung (7), der oberen
ozeanischen Troposphäre im Äquatorialgebiet, der hier aus dynamischen Gründen
eine Vertikalzirkulation forderte. Durch sie wird in etwa 50 m Tiefe je
einer am Äquator und in 10° N gelegenen schmalen Zone von Norden und
Süden her Wasser zugeführt, das aufsteigt und an der Oberfläche mit pol-
wärts gerichteter Komponente abfließt, In der Tat enthalten die Strömungs-
karten von Schumacher auch vor allem in dem von der —32°-Isanomale um-
schlossenen Gebiet (Abb. 1) zwischen 5° und 15° W unter dem Äquator, an der
Grenze zwischen Südäquatorial- und Gegenstrom, in neun Monaten des Jahres
eine ausgesprochene Divergenz der Oberflächenströmung. Nördlich des Gegen-
stromes, also in 10° N, kommt es dagegen wegen der bekannten Asymmetrie des
Zirkulationssystems und der stark ausgeprägten jahreszeitlichen Verschiebungen
nicht zu einer merkbaren Ausbildung des entsprechenden Divergenzgebietes an
der Oberfläche im Jahresdurchschnitt, Dieses müßte ebenso Ost-West gerichtet
sein wie das Äquatoriale, wird jedoch während mehrerer Monate überlagert
von dem vorwiegend meridional gelagerten Divergenz-System bei den Kap-
verdischen Inseln,
Schrifttum,
1. G. Böhnecke, Temperatur, Salzgehalt und Dichte an der Oberfläche des Atlantischen Ozeans.
Wiss, Ergeb. d. Deutsch. Atlant. Expedition, Bd, V, Berlin 1936,
2. A. De fant, Da Sail wasserAnitrin bat vor der Küste Südwestafrikas, Länderkundl, Forschung.
tu .
3. HM. U. Drerürup. On the Process of Upwelling. Journal of Marine Res. Vol. X. No. 2. New
Haven U.S. A. 1938,
4. Die ältere Literatur kann aus Raumgründen hier nicht ausführl. angegeben werden. Die Arbeiten
sind meist in den unter 1—3 u. 5 gegebenen Quellen zu finden.
5, G. Schott, Geograpbie des Atlantischen Ozeans, Hamburg 1942,
6. A. Schumacher, Monatskarten der Oberflächenströmungen im Nord-Atlantischen Ozean. Annalen
der Hydrographie, Berlin 1940,
7. A. Defant, Der Aquatoriale Gegenstrom. Preuß. Akad. d. Wies. Berlin 1935.