116 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/Juni 1943,
Westküste der Iberischen Halbinsel liegt. Auch hier zeigt sich (Tab. 1), wenn auch
nur auf einem sehr schmalen Streifen entlang der spanischen und portugie-
sischen Küste, daß die Temperatur in dem küstennahen Eingradfeld bis zu 2.3° C
(September) niedriger ist als in dem westlich davon befindlichen. In den übrigen,
Tabelle 1.
Oberflächen-Wassertemperatur zwischen den Eingradfelderm 41—42° N, 8—9° W und 9—10° W,
1 MN MM IV V vi
420 N 10C_W_90__8P [20°__9P__ S°J10°__9° _ 8°[10°__ 99 _ 89]10°__89° _8°[10°_ 9° __ 8° W
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nördlich und südlich von diesen als Beispiel gegebenen Feldern werden analoge
Verhältnisse angetroffen, Obwohl dieses Gebiet sich auf der Karte der Temperatur-
Anomalie nicht durch negative Werte besonders hervorhebt, ist im Zusammen-
hang mit dem Stromverlauf auch hier mit einem, wenn auch örtlich begrenzten
Vorkommen von Auftriebwasser zu rechnen. Ob diese Erscheinung mit der von
Schumacher erwähnten Divergenz oder nur mit den ablandigen Stromkompo-
nenten zusammenhängt, kann zur Zeit noch nicht geklärt werden. Das heterogene,
durch eine sehr ungleiche Anzahl der Beobachtungen von Ort zu Ort und Monat
zu Monat gekennzeichnete Oberflächenmaterial, das häufig in dem für das hier
behandelte Thema wichtigen küstennahen Streifen fast ganz fehlt, erlaubt zur Zeit
auch für die anderen Gebiete kaum eine eingehendere Behandlung,
Auf der Westseite des Ozeans kommt es, wie schon angedeutet, ‚an der Nord-
küste Südamerikas etwa zwischen 60° bis 75° W zur Bildung von Auftriebwasser,
Hier setzt der Nordäquatorialstrom mit beträchtlichen Geschwindigkeiten unge-
fähr parallel der Küste und bewirkt unter Land das Aufquellen kühleren Tiefen-
wassers. Die Temperaturdifferenz (Abb, 5) entlang einer Linie in 63° W zwischen
dem küstennahen Eingradfeld und der Achse des Stromes in 12° bis 13° N.Br.
beträgt im Mittel 1.8°C; im Maximum werden während des August 4.1°C, als
Minimum 0°C im März erreicht. Ein regelmäßiger, jährlicher Gang läßt sich nicht
herauslesen. Doch scheint die Verstärkung des Auftriebeffektes in den Sommer-
monaten parallel zu gehen mit einer mehr ablandigen, also nordwestlich gerich-
teten Komponente der Strömung, wie sie bei Schumacher (e) in den Monaten
Mai bis September gut erkannt werden kann. Einige der Vertikalschnitte der
„Atlantis“ aus dem Jahre 1933 bestätigen durch ihre in den „Bulletins hydrogr.
du Cons. Perm.“ veröffentlichten Beobachtungen aus den tieferen Schichten diese
Erscheinung,
Von ähnlicher Größenordnung, wenn auch regional nicht so ausgedehnt, ist
die Temperaturerniedrigung vor der Ostküste Südamerikas bei Rio de Janeiro,
Obwohl der Brasilstrom warmes Wasser in höhere Südbreiten bringt, kommt es
auch hier infolge der Küstengestaltung im Verein mit der Wirkung der Erd-
rotation zu einem Aufquellen kalten Tiefenwassers. Entlang einer Linie (Abb. 6),
die sich, ausgehend von Rio, in südöstlicher Richtung erstreckt, beträgt der
Temperaturanstieg bis zum Kern des Brasilstromes in 25° S’ und 39° W im
Mittel 1.9° C. Die größten Differenzen erscheinen mit 3.1° C im Februar und
August, die kleinsten Werte mit 1.2° C im März und Juli, Ein Jahresgang tritt
in dem vorliegenden Material nicht in Erscheinung, ebenso wie sich klare Be-
ziehungen zum Verlauf der Meeresströmungen noch nicht aufstellen lassen. Nach
den bekannten niederländischen Atlanten setzt der Brasilstrom zeitweilig mit
einer Stärke bis 15 sm im Etmal in südwestlicher Richtung am Kap Frio vorbei,
in anderen Monaten (Februar, April, August, Oktober) scheint aber in der Bucht,
die durch die weit nach Westen zurückspringende Küste gebildet wird, Neer-
strom vorhanden zu sein. Gerade in einigen dieser Monate ist jedoch die