Böhnecke, QG,: Auftriebwassergebiete im Atlantischen Ozean.
115
Gebieten des Labradorstromes bzw. des Kalten Walles und des Falklandstromes,
bei denen der Anteil reinen Auftriebwassers noch umstritten ist, nur zwei kleine
Gebiete mit negativen Anomalien vor der Küste Venezuelas und Kolumbiens
(Schott (1) 1931 und 1932) und vor der Brasilianischen Küste bei Rio de Janeiro,
Obwohl der Betrag der negativen Anomalie an diesen Stellen nur —1,5°C bzw.
—0.7° C erreicht, ist nach Lage der Dinge, insbesondere was Wind und Strom
anbelangt, auch hier mit Auftriebwasser zu rechnen. Von diesen genannten
fünf küstengebundenen Auftriebszonen hat Schott (s) übrigens auf der Tafel XX
seiner neuen Auflage der Geographie des Atlantischen Ozeans die Gebiete vor
der Guineaküste und der Nordküste Südamerikas nicht eingezeichnet, während
sie auf der Strömungskarte (Tafel XXIII) mit Signaturen versehen sind.
Eine Wiedergabe der Temperaturverhältnisse entlang einiger Oberflächen-
profile möge die flächenhafte Darstellung der Karten (:) erläutern,
Abb. 2 gibt den Verlauf der Oberflächentemperatur entlang des Parallel-
kreises von 22!/,” S.Br. bis zur Länge von 5° Ost vor Südwestafrika wieder‘).
Obwohl der Kern des Auftriebgebietes zeitweilig etwas südlicher liegt, ist diese
Breite gewählt worden, da hier an der Küste die gegenüber den Schiffsbeobach-
tungen zuverlässigere Reihe von Swakopmund vorhanden ist, Der Temperatur-
anstieg von der Küste bis zur Länge von 5° Ost, d.h. der Stelle, wo die Er-
scheinung ausklingt, beträgt im Jahresmittel 5.5° C; er erreicht seinen höchsten
Wert mit 7°C im Mai und den niedrigsten mit 3.5” C im Dezember bzw. Januar.
Dieser Gang hängt ohne Zweifel zusammen mit der jahreszeitlichen Wanderung
der Auftriebzonen entlang der Küste nach Norden bzw. Süden, entsprechend der
Verschiebung der gesamten ozeanischen und atmosphärischen Zirkulation. Mit ihr
wandert auch die von Defant (2) angegebene Divergenz des Benguelastromes, die
vom Verfasser schon früher festgestellt, jedoch nicht veröffentlicht, sondern nur
den Mitarbeitern des Meteorwerkes mitgeteilt werden konnte, Auf diese Er-
scheinung soll an anderer Stelle eingegangen werden.
Vor der Küste Nordwestafrikas bei Kap Blanco in 21° Nord bis zur Länge
von 25° West (Abb. 3) beträgt der Temperaturanstieg nach See im Jahresmittel
nur 3.2° C; das Maximum tritt im November mit 4.7° C, das Minimum im August
mit 1,3° C ein. Ein jahreszeitlicher Gang ist in diesen Werten nicht erkennbar.
Es heben sich wohl die Monate März bis Juni, in denen die Strömungskarten
von A. Schumacher (6) in diesem Gebiet „beständige“ bis „sehr beständige“
Strömungen verzeichnen, mit Temperaturdifferenzen von 3.2°C bis 4.0°C zwischen
Küste und 25° W heraus und deuten auf die hierdurch veranlaßte Möglichkeit
verstärkten Auftriebes hin. Andererseits ergibt sich aber für Januar und
November mit Werten von 3.9°C und 4,7° C, daß gerade in diesen Monaten nur
„ziemlich unbeständige“ und relativ schwache Strömungen an der Küste entlang
bzw. von ihr ab setzen, somit hierdurch kein Anlaß zur Verstärkung der Bildung
von Auftriebwasser gegeben zu sein scheint. \
Etwas deutlicher werden diese Zusammenhänge zwischen Oberflächen-
strömung und Temperatur bei der Betrachtung des Temperaturverlaufes längs
1° W von der (joldküste bei Akkra bis zum ÄAquator (Abb. 4). Bildet man wieder
die Temperaturdifferenz zwischen den Werten der Küstenzone und dem Kern-
gebiet des Guineastromes in etwa 2° N, so ergibt sich, daß das Küstenwasser
im Mittel um 1.3°C kälter ist. Die tiefste Temperatur gegenüber dem Haupt-
stromstrich wird im September mit einem Unterschied von 2.4° C erreicht, Nach
den oben angeführten Karten von Schumacher besitzt der Guineastrom in
dieser Jahreszeit über große Gebiete hohe Beständigkeit zusammen mit einem
Maximum an Stromstärke, womit offenbar die Verstärkung des Auftriebwassers
verbunden ist. Ein zweites Maximum der Temperaturdifferenz von 1.4° C im März
geht ebenfalls parallel mit einem Höchstwert der Stromstärke im gleichen Monat.
Schließlich sei auf der Nordhalbkugel und der Ostseite des Ozeans noch
ein weiteres Gebiet mit kälterem Wasser vor der Küste erwähnt, das vor der
1. Zur Zeichnung dieses und der folgenden Diagranıme wurden jeweils die Temperaturwerte der
Eingradfelder herangezogen, die nördlich und südlich bzw, Östlich und westlich der in die Karte
(Abb. 1) eingetragenen Linien liegen.