106 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/Juni 1943,
an der Universität Berlin und promovierte am 31. Mai 1933 mit einer Arbeit
über „Astronomische Ortsbestimmung und Kimmtiefenmessung auf See“ zum
Dr. phil., eine Leistung des fast 50jährigen, die seiner Energie und geistigen
Frische das beste Zeugnis ausstellt. 1939 zum Konteradmiral z. V. ernannt,
begeht er heute als Chef der Nautisch-Wissenschaftlichen Abteilung und als Chef
des Marine=Wetterdienstes in der Amtsgruppe Nautik des Oberkommandos der
Kriegsmarine seinen 60. Geburtstag.
An dieser Stelle sind vor allem die Leistungen zu würdigen, die Dr. Conrad
in den 10 Jahren seiner führenden Betätigung auf wissenschaftlichem Gebiet zu
danken sind. Hier steht voran der Neuaufbau der beiden wissenschaftlichen
Dienststellen der Kriegsmarine, der HMauptabteilung Nautik und Hydrographie
der Deutschen Seewarte sowie des Marine-Observatoriums, die beide durch die
Nachwirkungen des ersten Weltkrieges beengt gewesen waren und nun durch
Vermehrung ihres Personals, durch Zuwendung erheblicher Mittel und vor
allem durch Stellung bedeutender Aufgaben einen außerordentlichen Aufs
schwung erhielten. Es verbietet sich zur Zeit, über Einzelheiten zu berichten;
es sei jedoch hingewiesen auf die Errichtung einer erdmagnetischen Abteilung
bei der Deutschen Seewarte, die Gründung des Erdmagnetischen Observar
toriums Wingst, die Modernisierung des Zeitdienstes, den Ausbau des Eise
dienstes, die Errichtung eines Pegelnetzes längs der deutschen Küsten, beim
MarinesObservatorium auf die grundlegende Erneuerung der Gezeitenforschung
und ihre praktischen Anwendungen sowie auf die Schaffung eines Marine «Wetter
dienstes. Bei beiden Instituten entstanden ferner bedeutende technisch-wissens
schaftliche Abteilungen, denen einerseits die Entwicklung und Erprobung des
nautischen Gerätes im weitesten Sinne, andererseits der meteorologischen Instrus
mente und Meßmethoden obliegen. Beide Institute wurden in den Dienst zahls
reicher wissenschaftlicher Expeditionen auf den Gebieten der Ozeanographie und
nautischen Meteorologie, des Erdmagnetismus auf See und der Meeresgeologie
gestellt. Die Beziehungen zur deutschen und internationalen Wissenschaft wurden
nachhaltig gepflegt; mehrfach wurden die von anderen wissenschaftlichen In=
stituten geplanten Unternehmungen in engster Zusammenarbeit mit der Forschungs»
gemeinschaft großzügig unterstützt. Eine weitere erfolgreich durchgeführte wissen»
schaftliche Aufgabe ist die Reorganisation des nautischen Unterrichts an den
Schulen der Kriegsmarine und seine Angleichung an die Seefahrtschulen der
Handelsmarine. Das soeben erschienene, für beide Marinen verbindliche neue
Lehrbuch der Navigation ist der sichtbare Ausdruck dieser Bestrebungen. Hierher
gehört auch die Entwicklung und Erprobung neuer Geräte: und Tafelwerke zur
astronomischen Ortsbestimmung, eine Aufgabe, welche das lebhafte Interesse
weiter Kreise der Schiffahrt gefunden hat und welche der Admiral häufig durch
persönliche Beiträge gefördert hat.
Seiner starken Persönlichkeit, seinem zähen Verfolgen einmal als richtig
erkannter Ziele und seiner beneidenswerten Vitalität verdankt der nautischswissen»
schaftliche Dienst der Kriegsmarine einen Aufschwung und eine Geschlossenheit,
um die uns andere Nationen beneiden. Mit ihrem Dank verbindet daher die
Wissenschaft den Wunsch, daß der Jubilar ihr noch lange und in voller Arbeitss
kraft erhalten bleiben möge. O. v. Schubert.