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Full text: 71, 1943

Ann, d. Hydr, usw., LXXI, Jahrg. (1943), Heft IV/VI. 
105 
Konteradmiral Dr. Fritz Conrad zum 60. Geburtstag. 
Mit dem vorliegenden Sonderheft wird einem Soldaten eine Ehrung erwiesen, 
wie sie sonst nur namhaften Vertretern der Wissenschaft zuteil wird. Es mag 
daher die Frage nach der Berechtigung eines solchen, bisher ungewöhnlichen 
Unternehmens aufgeworfen werden. 
Seit der Machtübernahme hat durch staatliche Förderung und Lenkung die 
Wissenschaft einen neuen starken Antrieb erfahren. So war es auch der Kriegs- 
marine möglich, in Wiederaufnahme alter Pläne die Wissenschaften, inbesondere 
alle Zweige der Naturwissenschaft, in ständig wachsendem Maße “ - ihre Aufs 
gaben einzusetzen. Diese anfangs von mancher Seite mit Mißtrau. . betrachtete 
Einschränkung der Forschungsfreiheit hat sich als sehr vorteilhaft nicht nur für die 
genannten Zwecke, sondern auch für die Wissenschaft selbst erwiesen. Einmal 
haben wohl zu keiner früheren Zeit dem Forscher so reiche Geldmittel und so 
nachhaltige Unterstützung anderer Art zu Gebote gestanden. Ferner aber hat 
die aus praktischen Bedürfnissen erwachsene Problemstellung oft zu lohnender 
Bearbeitung von Fragen geführt, die entweder ganz außerhalb des Gesichtskreises 
der Wissenschaft lagen oder den einzelnen wegen ihrer scheinbaren Aussichtss 
losigkeit abschreckten. So betrachtet ist die Leistung des für die Aufträge an 
die Wissenschaft verantwortlichen Vertreters einer Wehrmachtbehörde durchaus 
geeignet, fehlende wissenschaftliche Eigenproduktion zu ersetzen. Wenn der in 
Frage stehende Offizier außerdem Verständnis für die ganz andere Wesensart 
des Wissenschafters besitzt und nicht vergißt, daß das fertige Ergebnis diesem 
letzterem, seinem Wissen, seiner Fähigkeit und seiner hingebenden Arbeit zu 
danken ist, dann hat die Wissenschaft alle Ursache, einem solchen Manne ihren 
Dank abzustatten, und es erscheint auch berechtigt, wenn sie das in derselben 
Weise tut, wie sie ihre eigenen führenden Köpfe ehrt. 
Konteradmiral Dr. Conrad wurde am 18, April 1883 zu Schwedt als Sohn 
des Gymnasialprofessors Friedrich Conrad geboren. Nach Absolvierung des 
Gymnasiums trat er 1901 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein, aus welcher 
er 1931 mit dem Charakter als Konteradmiral verabschiedet wurde. In diesen 
30 Jahren hat er auf vielen Schiffen im Ins und Ausland Dienst getan, darunter 
vielfach auf Fahrzeugen des Vermessungsdienstes, den er — besonders auf dem 
Gebiet der Hochseevermessung — durch Einführung neuer Methoden förderte. 
Im Weltkrieg kämpfte er hauptsächlich beim Marinekorps in Flandern und erwarb 
sich die beiden Eisernen Kreuze sowie den Hausorden von Hohenzollern und 
das Verwundetens Abzeichen. Sodann stand er als Kommandant der Schiffe 
„Hyäne“, „Triton“, „Panther“ und „Nymphe“ wieder in enger Beziehung zum 
Hydrographischen Dienst der Kriegsmarine. Von 1924 bis 1926 war er Referent 
in der damaligen Nautischen Abteilung der Marineleitung und kehrte im Jahre 1933 
erneut dorthin zurück. In den Jahren 1918 bis 1924 fand er neben seiner dienst» 
lichen Tätigkeit die Zeit, um an der Universität Kiel und der Technischen Hochs 
schule Charlottenburg Vorlesungen über Astronomie, Geodäsie, Mathematik und 
Physik zu hören. Die Zwischenzeit von der Verabschiedung bis zur Rückkehr 
in die Nautische Abteilung verwendete er sodann zum Studium der Geophysik 
Ann. d. Hrydr. usw. 1943, Heft IY/YL
	        
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