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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 71 (1943)

Spangenberg, W. W.: Bemerkungen zur Bestimmung der Himmelsfarbe usw. 97 
unerheblichen Betrag zu hoch einschätzt. H. Loßnitzer (10) gibt an, daß die ersten 
Reihen bei unerfahrenen Beobachtern (wenigstens in Gebirgslagen!) um 2 bis 
3 Skalenteile zu hoch ausfallen, Es wird also der Himmel blauer geschätzt als 
er es in Wirklichkeit ist. Der Verfasser stellte hierzu einige orientierende Ver- 
suche an und fand aus acht Beobachtungsreihen, die am Meeresstrande aus- 
geführt. wurden, von drei verschiedenen, unvoreingenommenen Versuchspersonen 
E., M. und K, das in Tab. 1 gezeigte Bild, wobei die gleichzeitig erhaltenen 
Werte des Verfassers als Bezugswerte mit 1.00 eingesetzt sind (s. Anmerkung 4!). 
Die Versuchspersonen machten derartige Beobachtungen zum ersten Male und 
waren über den Zweck und das Ziel nicht in Tabelle 1. Überbewe lung Ger Himmels- 
Kenntnis gesetzt, bläue durch ungeübte Beobachter, 
Es ergibt sich da zunächst die Tatsache, 
daß alle drei Versuchspersonen größere Blau- 
grade geschätzt haben als der Verfasser (An- 
merkung 4!). Die Überschätzung ist durchaus 
beachtlich und besonders bei Frl. K. häufig 
größer als drei Skalenteile. Weiterhin schien 
sich bei den Versuchen anzudeuten, daß die 
Übereinstimmung bei mittleren Blaugraden um 6 herum wesentlich besser ist 
als bei extrem großer (tiefer) Himmelsbläue, um 10 etwa. Es betrug das Ver- 
hältnis zwischen den gemittelten Werten aller Versuchspersonen und denen des 
Verfassers bei Blaugraden um 6 etwa 1.20, bei Blaugraden um 9 aber schon 
1.45. Ein derartiges Verhalten ist allerdings auch durchaus verständlich und 
erklärlich,. Zweckmäßig wäre es sicher gewesen, wenn diese Versuche bis zur 
völligen Einübung, die in etwa 10 Wochen erreicht worden wäre, ausgedehnt 
worden wären, um zu sehen, wie weit eine Angleichung überhaupt möglich ist, 
Bei zwei früheren Versuchspersonen, die sich bis jetzt des öfteren durch einige 
Jahre (aber keineswegs systematisch !!) an solchen Beobachtungen beteiligt haben, 
ergab sich eine recht gute Übereinstimmung. — Es muß hier aber dringend 
daran erinnert werden, daß diesen Versuchen vorerst nur einige wenige Beob- 
achtungen zugrunde liegen, die lediglich einer oberflächlichen. allgemeineren 
Orientierung dienen sollen. 
Eine anfängliche Überschätzung der Himmelsbläue scheint aber keineswegs 
bei allen Beobachtern vorhanden zu sein. So konnte u. a. G. Schindler (16) 
bei seinen Beobachtungen etwas Ähnliches nicht feststellen. 
Die anfängliche Überwertung der Himmelsfarbe im Vergleich zur Skala bei 
ungeübten Beobachtern dürfte zum größten Teil wohl daher kommen, daß der 
scheinbaren Helligkeit der Skalenblätter auf Kosten der eigentlichen Farb- 
beurteilung erheblich zu viel Wert beigelegt wird. Man hört von einem unge- 
übten Beobachter in solchen Fällen sehr oft, daß ihm die Skala wesentlich 
„heller“ erschiene als der Himmel oder umgekehrt, auch dann, wenn tatsächlich 
gine gute Farbengleichheit von Himmelsblau und Skalenblau besteht. Die unter- 
schiedliche Beurteilung muß man wohl auf die zu hell empfundene Skalen- 
beleuchtung zurückführen oder umgekehrt auf eine nicht ausreichende Beleuch- 
tungsstärke. Merkwürdigerweise kommen in diesem Falle sehr häufig ungerade 
Skalengrade vor, also solche Blauwerte, die interpoliert wurden und in der 
Farbenfolge tatsächlich nicht vorhanden sind, 
Aber auch geübte und sehr erfahrene Beobachter wählen des öfteren gerne 
ungerade oder gar halbierte Skalenwerte. Man findet 80 z, B. im Beobachtungs- 
material von Potsdam für 1934 bis 1936 in rund einem Viertel aller Mittags- 
schätzungen Werte wie 5 bis 6, 6 bis 8, 7 bis 8 u. ä, bei Hoch-Serfaus (oberes 
Inntal) sogar in der Hälfte aller Fälle (s. Anmerkung 5!). H, Lettau (17) 
spricht sogar von einer gewissen Abneigung gegen gerade Stufen, wie es auch von 
Anmerkung 4: Die Einsetzung der Daten des Verfassers als Bezugswerte erschien statthaft, 
weil der Verfasser solche Beobachtungen systematisch über lange Jahre hin gemacht hat. Ob dieser 
Schritt tatsächlich berechtigt ist, kann natürlich nicht so ohne weiteres behauptet werden, 
Anmerkung 5: Es handelt sich um die Mittagswerte zwischen 11 und 13 Uhr wahrer Zeit, 
entnommen den „Tabellen der Intensität der Sonnenstrahlung in Nord- und Mitteleuropa‘. 
Beobachtungswert
	        
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