36
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1943.
regelmäßig das Himmelsblau bestimmen, geben allerdings teilweise noch geringere
Sonnenhöhen an, bei denen noch geschätzt werden konnte; es dürfte sich dabei
aber wohl nur um einige vereinzelte Ausnahmefälle handeln. So wurde z.B.
noch beobachtet in Potsdam bei einer Sonnenhöhe von 3.2°, in Aachen bei 4,6°,
in Gmunden bei 7.4°, in Hoch-Serfaus bei 3.5°% auf dem Taunusobservatorium
sogar noch bei 2.2°%° Anders wird die Sache natürlich sofort dann, wenn man
sich in größere Höhenlagen begibt, wo schon bei verhältnismäßig kleinen Sonnen-
höhen ausreichende Beleuchtungsverhältnisse zu finden sind. So teilt z.B.
E. Stenz für das Jungfraujoch bei Sonnenhöhen um 8° eine Gesamtstrahlungs-
menge von 1.17 cal/cm? min und einen Rotgehalt von rund 60% mit (1s). Hier
wäre also schon bei einer Sonnenhöhe weit unter 5° eine Schätzung möglich
gewesen. H. Berg bemerkte bei seinen Messungen vom Flugzeug aus, daß man
in der freien Atmosphäre schon bald nach Sonnenaufgang genügende Hellig-
keiten hätte (13). Ähnliche Umstände ergaben sich ja auch bei Messungen der
Sonnenstrahlungsintensitäten in der freien Atmosphäre vom Ballon aus..
Im allgemeinen muß man aber bei Beobachtungen der Himmelsfarbe nach
der Linkeschen Skala mit geringen Sonnenhöhen vorsichtig sein und vor allen
Dingen darauf achten, daß das Sonnenlicht nicht durch Bodennebel oder tief-
liegenden Dunst, wie er im Winter ja oft vorkommt, zu sehr geschwächt wird.
Man wird eben nur dann messen, wenn die Sonne und ihre nähere Umgebung
frei von Dunst oder Wolken ist und ihr Licht nicht zu rot erscheint.
3. Weiter ist von Wichtigkeit, wie die Skala bei der Beobachtung ge-
halten wird. Der zu schätzende Punkt maximaler Bläue (s. weiter unten!) ist
ungefähr 90° von der Sonne entfernt. Der Beobachter hält nun seine Skala so
in dieser Richtung gegen den Himmel, daß er die Sonne im Rücken hat. Um
nun das Streulicht der nicht glatten Oberfläche der Skalenblätter möglichst
gering zu halten, muß die Sehachse (Verbindungslinie zwischen Auge und Skala)
so senkrecht wie möglich auf der Skalenehbene stehen, Andererseits darf aber
auch das Sonnenlicht nicht allzu schräge auf die Skalenblätter fallen, um einen
ausreichenden Beleuchtungseffekt zu erzielen. Man wird daher, um beides zu
vereinen, die Skala zweckmäßig um eine gedachte horizontale Achse relativ zur
Sehachse hin- und herdrehen, solange, bis die günstigste Stellung und damit die
geeigneteste Beleuchtung gefunden ist. Ein starres Festhalten der Skala in
einer bestimmten Stellung, wie es gelegentlich empfohlen wird, erscheint aus
diesen Gründen als durchaus unvorteilhaft, Auch über diese Schwierigkeit hilft
eine längere Einübung hinweg. Im übrigen sei auch hierbei wieder auf die
bereits erwähnte Arbeit Kramers (23) verwiesen,
4. Ein wichtiger Punkt ist die sorgfältige Behandlung der sehr empfind-
lichen Skala. Verstaubung, Verschmutzungen jeder Art oder Beschädigungen
der Oberfläche durch mechanische oder chemische Einwirkungen. müssen unter
allen Umständen vermieden werden. Auf die Bedeutung der Verstaubung hat
Jensen beim prinzipiell ähnlichen Zyanometer von Saussure hingewiesen (6).
Aufbewahrung und Transport der Skala in festverschlossener Schachtel erscheint
daher angezeigt. Neuerdings wird anscheinend zur Skala eine Schutzhülle aus
Zelluloid geliefert, die aber kaum den erforderlichen Schutz bieten dürfte, Ein
Schutzüberzug aus Zellophan hat sich nach den Versuchen von H, Berg (18)
durchaus nicht bewährt, weil eben die stumpfe, rauhe Oberfläche erhalten
bleiben muß.
5, Das Auge des Beobachters soll sich in möglichst gut ausgeruhtem Zu-
stande befinden. Eine stärkere Blendung vor der Schätzung, etwa durch Be-
trachten des Himmels oder einer sonnenbeschienenen Schnee- und Sandfläche,
darf wegen‘. der Gefahr störender Nachbilder, die bekanntlich auch farbig sein
können, nicht erfolgt sein. Andererseits soll sich das Auge auch nicht im Zu-
stande völliger Dunkeladaptation befinden, wie es u. a. durch das Tragen einer
roten Adaptationsbrille bewirkt wird.
6. Wesentlich für eine erfolgreiche Benutzung der Linkeschen Skala ist
die Einübung. Die Erfahrung hat uns nämlich gezeigt, daß ein ungeübter
Beobachter die tatsächliche Himmelsfarbe zuerst um einen bestimmten, nicht