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Reisebericht der Dentschen Brägg „Albert Reimann“.
peilte die Nordspitze von Celebes mw. SSW1!/,W und die Südspitze der Insel
Ganga SOz0. Der Wind war jetzt WSW mit Regen. Am Nachmittage lagen
wir bei leichtem Winde von NW bis WNW südwestwärts und gelangten zogen
3" p. m. in die Peilung: Nordspitze von Celebes SzO, etwa 3 Sm entfernt. Der
Strom setzte ‚Jedoch so stark nach Osten in die Banka-Strafse hinein, dafs das
Schiff gegen 5'/eh p, m. in die unmittelbare Nähe des Strandes an der Nordwest-
seite der Insel Ganga getrieben war, und da infolge einer eingetretenen Wind-
stille der Eingang zur Banka-Strafse nicht wieder erreicht werden konnte, mufste
schleunigst geankert werden. Die Wassertiefe betrug vorne beim Schiff 54 m
“30 Fad.), mittschiffe 36 m (20 Fad.) und hinten 18m (10 Fad.), Der Strom
verursachte an beiden Seiten des Schiffes Wirbel. Ungefähr '/4 Kabllg. vom
Heck des Schiffes entfernt, liefen ab und zu Roller, und war daselbst die
Wassertiefe nur einige Fuß. Zum Glück war die See im Uebrigen rubig.
Während am Heck auf dem Moeresboden Steine zu sehen waren, schien gleich
hinter dem Schiffe, nach der hellblauen Farbe des Wassers zu urtheilen, der
Grund heller Sand zu sein, Die Insel Tindita peilte von hier aus mw. NNO
und die westlichste Spitze der Ganga-Insel SSW'4W. Um 7% p.m. kam
SSE-Wind, Stärke 3, durch; wir setzten Segel, lichteten den Anker und segelten
vom Lande ab.
Nach der Specialkarte der Englischen Admiralität „Plans of anchorages
between Borneo and New Guinea“ No. 930 befindet sich zwischen den Inseln
Tindita und Ganga ein offenes Fahrwasser. Dieses ist indefß unrichtig, deun
wie sich deutlich beobachten liefs, sind diese beiden Inseln durch eine Sand-
bank untereinander verbunden, auf welcher sich nur eine Wassertiefe befindet,
die zum Passiren von Booten hinreicht.
Am Vormittag des 15. Februar segelten wir mit dem Wind NE 3—4
längs der Küste von Celebes südwärts und nahmen dabei die Route zwischen
der Küste und den Inseln Sieandien und Bowunakin, Am Nachmittag trieben wir
bei Windstille und Mallung aus Südost bis Süd vor der Menado-Bai. Während
der Nacht suchten wir, mit der Landbriese kreuzend, unsere Position vor der
Bai zu halten, Am Morgen fanden wir jedoch, dafs der Strom das Schiff stark
nach SSW versetzt hatte, so dafs wir genöthigt waren, am Vormittag wieder
gegen NNE-Wind aufzukreuzen. Man sollte dieses Stromes wegen in der Nacht
aördlich oder nordwestlich der Bai von Menado gehen halten, Um 42 p. m.
den 16. Februar 1886 erreichte „Albert Reimann“ seinen Ankerplatz auf der
Rhede von Menado nach einer Reise, deren Dauer von Banda 38 Tage betrug.
Einige Tage vor meiner Ankunft in Menado war der Blankeneser Drei-
mastschoner „Heinrich Lohmann“, Kapt. E. Bohn, auf Kap Pisw (North Point
der Karte No. 930) gestrandet und wrack geworden, Dieses Schiff, von Batavia
nach Menado segelnd, hatte den Weg durch die Makassar-Straße genommen,
In der Segelanweisung, die ich von der Seowarte für diese Reise er-
halten hatte, war mir der Rath ertheilt worden, auf der Strecke von der Nord-
spitze von Gülolo nach Celebes mit Rücksicht auf den zu erwartenden starken
südlichen Strom und den oft schralen Wind eine gut nördliche Route zu nehmen,
um die Nordspitze von Celebes anholen zu können. Demgemäfs hielt ich mich
auch, mit raumem Winde westwärts steuernd, bis nach 126° 30‘ O-Lg noch
nördlich von 3° N-Br und hatte die Absicht, von dieser Position nach der
Siao-Passage zu segeln, welche noch 60 Sm nördlich von Celebes ist. Ich hatte
jedoch nicht erwartet, in der genannten Position vom 11. bis 12. Februar einen
Strom von 73 Sm nach 855° O0 vorzufinden. Durch diesen wurde es mir selbst
von der eingeschlagenen Route noch schwierig, die Nordspitze von Celebee
freizusegeln. Ich war schliefslich genöthigt, durch die Banka-Straßse zu segeln,
wobei uns die Strömung nicht sonderlich hinderlich war. Nur im westlichen
Ausgange der Straße hatten wir einen Strom von 0,5 bis 1,0 Sm die Stunde
2ach 0S0O; such mufsten wir, wie schon bemerkt, in der Nähe der Ganga-Insel
während der Nacht auf einer sehr gefährlichen Stelle ankern. Es scheint mir
zur Zeit des NW. Monsuns deshalb angebracht, ganz bis zur Länge der
Sangir- oder Talautse-Inselu nicht südlich von 3° N-Br zu gehen. In Anbetracht
des grofsen Umweges, den wir gemacht haben, der dadurch mit verursachten
langen Reisedauer und der Hindernisse in der D/jüolo-Passage glaube ich ferner