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Full text: 71, 1943

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1943. 
Gelegenheit vorhanden, Die Bewölkungs- und Strahlungsverhältnisse können 
also nicht der Grund, jedenfalls nicht der alleinige für den Temperaturanstieg 
sein, wenn auch die starke Bewölkung Dezember—Januar einen Beitrag liefern mag. 
Nun haben die Polarexpeditionen der vergangenen 40 Jahre gezeigt, daß das 
Südpolargebiet ein Ferrelsches Hochdruckgebiet ist. Eine ausgezeichnete Zu- 
sammenfassung der Ergebnisse gibt Meinardus 1938 im Handbuch der Klima- 
tologie von Köppen-Geiger, Bd. IV, Teil U. Über die Einzelergebnisse der 
Expeditionen berichten zahlreiche Referate in der Meteorologischen Zeitschrift. 
Eine kalte Bodenschicht fließt nach außen ab, in der Höhe aber, durch den 
Rauch des Erebus, Wolkenbeobachtungen und Pilotaufstiege angezeigt, fließt, 
jedenfalls von 3000 m an, Luft langsam als Ersatz ins innere Polargebiet hinein. 
Der horizontale Luftdruckgradient kehrt sich in dieser Höhe um; er weist unter- 
halb 3000 m nach außen, oberhalb nach innen, Die Mächtigkeit des „Schwere- 
windes“ oder der nach außen abfließenden Schicht wird am Rand der Antarktis 
auf 1500 m geschätzt, 
Auch für Grönland konnte ich, unabhängig von diesem Resultat, a. a. O. nur 
auf ein Ferrelsches Hochdruckgebiet schließen, habe aber auch die Bedingung 
für das Ferrelsche Hochdruckgebiet gezeigt, nämlich die Abkühlung der in 
der Höhe zufließenden Luft durch den Strahlungsaustausch mit dem Firnschild, 
der seinerseits durch Strahlungsaustausch mit dem Planetenraum viel kälter ist 
als die umgebenden Meeresflächen. Ohne diese Abkühlung würden: die einströ- 
menden. Luftmassen, wenn sie zum Ersatz für die unten abfließende Bodenschicht, 
den Schwerewind, adiabatisch absteigen, beim Abstieg erwärmt werden, und ein 
Ferrelsches Hochdruckgebiet wäre unmöglich, weil in der Höhe dann kein 
Gradient nach innen bestünde, Die Bedingung ist also notwendig. 
Die Abkühlungsgeschwindigkeit der einströmenden Luft ist begrenzt, weil 
die Strahlung nur langsam wirkt. Nach einer Überschlagsrechnung wird über 
Grönland die Luft um täglich 1 bis 2° abgekühlt. Anderseits fließt der Schwere- 
wind, die Luft, die von der Firnoberfläche durch Wärmeleitung abgekühlt wird, 
um so schneller ab, je kälter sie ist, im .Winter also schneller als im Sommer. 
Dies zeigen die Beobachtungen in beiden Polargebieten. Im Herbst, mit dem 
Sinken der Firntemperatur, verstärkt sich also zugleich die Windgeschwindigkeit 
und die Inversion über dem Inlandeis. Das muß irgendwann zu Unstabilität 
und zu Mischungsvorgängen führen. An den in extenso a. a. O., Bd. IV, 1 ver- 
öffentlichten Aufzeichnungen von Eismitte und Weststation in Grönland zeigt 
sich nun in der Tat deutlich, daß hohe Wintertemperaturen an starken Wind 
gebunden sind, also doch wohl, mindestens zum großen Teil, auf einer Durch- 
mischung der Inversionsschicht beruhen. Dies entspricht auch den Erfahrungen 
im Südpolargebiet. In der graphischen Darstellung am Schluß des erwähnten 
Bandes ist der Zusammenhang zwischen Wind und Temperatur besonders deutlich, 
beruht allerdings zum Teil auf der Herkunft der Luftmassen, Dreht in Eismitte 
der Wind von Ost bis Ostsüdost auf Süd, so verstärkt er sich, und zugleich 
steigt die Temperatur. 
Der kernlose Winter beruht hiernach darauf, daß die Abflußgeschwindigkeit 
des Schwerewindes sich nicht beliebig mit der Abkühlung vom Boden her, also 
der Inversion, steigern kann, ohne daß die Inversion selbst wenigstens teilweise 
durch Turbulenz zerstört wird, zumal ja die Ersatzluftmassen nun beschleunigt 
(!/amal schneller, wenn der Schwerewind von 4 auf 6 m/sec wächst) absteigen 
und dabei die Temperatur an der Oberfläche der Inversion trotz der Ausstrahlung 
des Firns wohl noch etwas erhöhen. 
Diejenige Stärke von Inversion und Windgeschwindigkeit, bei der das System 
unstabil wird, ist uns einstweilen nicht bekannt, Die Reynoldssche Zahl wird 
zur Bestimmung wohl ebensowenig brauchbar sein wie die physikalische Wärme- 
leitung zur Bestimmung der nächtlichen Inversionsschicht in unserem Klima. 
Im Flachland, wie z. B. Rußland, ist der Temperaturverlauf im Winter über 
der Schneedecke normal. Entscheidend für den kernlosen Winter ist demnach 
das Höhengefälle des polaren Firnschildes, In Rußland müssen wir hunderte 
Kilometer zurücklegen, um. Temperaturen zu finden, die um 10 oder 20° höher
	        
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