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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 71 (1943)

Wegener, K.: Der „kernlose“ Winter der Polar-Region, 
21 
Diese Stationen sind die bisher einzigen im Südpolargebiet, die genügend 
ungestört gelegen sind, um allgemeinere Gesetze erkennen zu lassen. In Grönland 
liegen die Eismitte- und Weststation 1930/31 auf dem Inlandeis ideal frei. Auf 
die Weststation können wir verzichten, weil sie in bezug auf den kernlosen 
Winter nichts anderes zeigt als Eismitte. Bei allen drei Stationen, die wir 
schließlich als typisch ver- : Eismitt 
wenden, „Framheim“, „Eis- ramheim ismifte Gauss 
mitte“ und „Gauß‘“% zeigt sich 190 DS wen 902/08 
der Wiederanstieg der Maxi- 
malwerte, aber ebenso der 
Monatsmittelwerte der Tem- 
peratur zu einer Zeit, zu der 
die Ausstrahlung der Schnee- 
oberfläche in der Abküh- 
lung der Luft sich gerade 
am stärksten geltend machen 
sollte. Ich denke, daß die 
Kurven dies genügend deut- 
lich zeigen. 
Man kann, sobald das 
allgemeine Ergebnis klarge- 
stellt ist, dieses auch an den 
Daten der gestörten Statio- 
nen mehr oder weniger deut- 
lich wiedererkennen, aber 
zur Beweisführung sind die 
gestörten Stationen weniger 
geeignet. „Kap Adare“ (1899 
bis 1900) zeigt die Er- 
scheinung gut, „Mac-Murdo“ 
(1911/12), die Station Scotts, zeigt in den Maximalwerten Konstanz im Winter 
und bei den Mittelwerten Verlangsamung des Abstiegs, Am sonderbarsten sind 
wohl die Beobachtungen von „Snow hill“ am Graham-Land, wo die höchste Tempe- 
ratur des Jahres, -}-8° bis 10°C, am Ende des Winters, im August—September 
beobachtet wurde. Die Kurve der Mittel- und Minimaltemperaturen dagegen ähnelt 
der des „Gauß“. Wenn hier von Ausstrahlung die Reede ist, so ist damit der 
Strahlungsunterschied zwischen der von der Firnoberfläche an die Luft und den 
interplanetaren Raum durch Strahlung abgegebenen, der 4. Potenz der absoluten 
Temperatur der Firnoberfläche proportionalen Wärmemenge/Flächeneinheit und 
der entsprechenden auf diese Fläche von außen durch Strahlung einfallenden 
Wärmemenge gemeint, 
Nun könnte man vielleicht glauben, daß der Temperaturanstieg von einer 
VYerdämmung der Ausstrahlung des Inlandeises durch Wolken herrühre, Für 
Grönland sei dies in Tab, 1 nachgeprüft, die für Eismitte (3000 m) und West- 
station (950 m Höhe auf dem Rand des Inlandeises gelegen) die Beobachtungen 
wolkenlosen und ganz bewölkten Wetters in Prozenten der Gesamtzahl der Beob- 
achtungen angibt. 
Tabelle 1. Bewölkung 0 und 10 in Prozenten der Gesamtzahl der Beobachtungen in Eismitte 
‚und an der Weststation, 
aA * 
vr) IX | x xx! a | ar adv | vo va var ven) ax 
10 19 23/26 | 18 |22 20 .161.3| 412 5 % Eismitte 
16 20 |14 14 10 19 [10114 31 Ss) 19 2141| 4 3% Weststation 
23 26 20 21.30 |38 2535 3120 23/4 | _% Eismitte 
21 118127123! 36 11713114124 27119 | 19 | 43 133% Weststation 
Wenn in Eismitte und Weststation 10 bis 20% der Beobachtungen im Winter 
wolkenloses Wetter aufweisen, so ist doch wohl zur Ausstrahlung genügend
	        
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