Groissmayr, F. B.: Die große säkulare Klimawende seit 1940.
%)
Der Sommer 1941 in Mitteleuropa,
Meiner Theorie der 24jährigen Witterungsperiode sowie den bekannten
Perioden von 6 bzw. 7!/, Jahren (Groissmayr- bzw. Hellmann- bzw. Besson-
Periode) zufolge (se) erwartete ich 1941 einen heißen, trockenen Sommer, — Die
tatsächlichen Verhältnisse traten jedoch nicht in dem von mir vermuteten Aus-
maße ein, denn 1. war der Sommer nur sehr kurz und nur der Juli heiß, 2. war
die positiv hohe Temperaturanomalie im Juli 1941 nur im nordwestlichen
Mitteleuropa eindrucksvoll aufgetreten, aber der kühle, regnerische August hatte
den Gesamtsommer im wesentlichen kompensiert.
Tabelle 16, Die 6jährige Periode warmer Julimonate: At VII Utrecht, Zürich
(U. = 183 +; Z. = 18.0 +).
1905 | 1911 | 1917 | 1923 1929 | 1985 | 1941
U. | 16 24 02 | 24 09 | 13 | 3.0
Zu 2,5 2,8 —06 | 18 0.8 1.8 15
2.3032 ke‘. A — 7 _
[Die Julimittel 1928 liegen u. a. aber noch höher wie 1929.] Durch Festlegung
dieser Reihe soll nur gezeigt werden, daß in ihr die Julimittel der Temperatur
fast ausnahmslos positiv gestört sind; in Zürich war der Juni 1917 sehr warm,
ebenso in Utrecht, wenngleich dort auch noch der Juli eine freilich nur geringe
positive Anomalie zeigte. In Holland war der Juli 1941 der wärmste seit
1872, somit seit 69. Jahren!
Nach der 24jährigen Periode mußte der Sommer 1941 denen von 1917 und
1893 entsprechen; diese waren ja auch tatsächlich warm, wie man aus den
Tabellen in „World Weather Records“ ersehen kann. — Gemäß der Besson-
Periode von 7*/, Jahren folgt auf einen warmen April ein heißer Juli 7!/, Jahre
später, Der April 1934 war sehr warm, der Juli 1941 (= 7 Jahre 3 Monate)
desgleichen. Ebenso war der Juli 1941 in Utrecht De Bilt mit nur 38.4 mm
Niederschlag (durchschnittlich 76.4 mm), d. i. etwa 50%, ausgeprägt trocken,
ein Ergebnis, das sich ebenfalls mit der Besson-Periode deckt, denn warme
Julimonate sind in Mitteleuropa zumeist trocken, während kühle meist mit
Regenreichtum zusammenfallen.
Zusammenfassung,
Der von mehreren Seiten erwartete säkulare Temperaturabfall ist seit 1940
mit außerordentlicher Intensität eingetroffen. Die 24jährige Periode der Winter-
temperatur in Skandinavien hat sich auch in den sehr strengen Wintern von
1940 bis 1942 bewährt. Die außergewöhnliche Kälte der drei letzten Winter
übertraf sämtliche strengen Winter nach Easton bis zum 183. Jahrhundert zurück
bedeutend. Die‘ Mömery-Periode sehr kalter Jahre erzielte mit der ohne
jegliche zeitliche Streuung eingetretenen 40er Gruppe 1740, 1840, 1940 erneuten
Erfolg.
Quellenangabe, Schriftennach weis,
Die verwendeten Daten entstammen bis zum Jahre 1930 den beiden „World Weather Records“
Vol. 79 und 90, von 1931 bis 1939 dem vom Staatlichen Institut für langfristige Witterungsvorher-
sage in Bad Homburg herausgegebenen „Mitteleuropäischen Witterungsbericht“. — 1940 bis 1942:
Diese Daten verdanke ich dem Entgegenkommen der betreffenden Meteorologischen Institute, für die
an dieser Stelle verbindlichst gedankt sei. — Die Temperaturwerte der ungarischen Stationen sind
dem „Witterungsbericht von Ungarn“ entnommen. —
1. Ann, d. Hydr. 1941, S. 149.
2. Besprechung und Auszug der „Eastons Temperaturkoffizienten“ in Meteorol, Ztschr, 1928, H. 11, S. 452.
3. F, B. Groissmayr: „Fine 24jährige Witterungsperiode und ihre erneute Bestätigung usw,“, Ann. d.
Hydr. 1937 S. 123: „Während Mitteleuropa nur im Sommer eine ausgeprägte 24jährige Tempe-
raturperiode aufweist . , .“ .
4. O0. Meißner: „Der Sommer 1940 in Potsdam“ in „Das Wetter“, 58, Jg., H. 8, S, 259.
5. W. Naegler: „Der extrem kalte, nasse Sommer 1940 in Dresden“, „Das Wetter“. 58, Jg. (1941),
H,. 5, S. 154.
6, F. B. Groissmayr: „Die Bedeutung der Witterungsperioden für die langfristige Witterungs-
vorhersage“. „Das Wetter“ 1939, H. 1.
Ann. dg. Hydr. 1aw. 1943. Haft
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