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Full text: 71, 1943

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1943, 
Die größten Negativabweichungen der Lustrenmitteln traten in Prag — wie 
wohl allgemein in Mitteleuropa — um 1840 und 1940 auf, und auch der Wärme- 
abfall zu diesen ungewöhnlich tiefen Mitteln war um. diese Zeit am stärksten. 
Mömerys 100jährige Periode fand somit erneut eindrucksvollste Bewährung, 
Greifen wir um weitere 100 Jahre zurück, so finden wir das ob seiner grimmigen 
Winterkälte, Frühjahrsverzögerung, des kühlen Sommers und seiner Mißernte 
berühmt gewordene Jahr 1740. Herr Professor Dr. W, Naegler hatte mir auf 
meine Bitte in liebenswürdigster Weise die Temperaturmonatsmittel dieses denk- 
würdigen Jahres von Berlin mitgeteilt (Tab, 8). 
Tabelle 8, Temperaturmittel von Berlin 1740, 
1 u 11 IV V VI VIE VA IX X XI XI Jahre 
—85 —713 —08 38 89 139 163 156 158 43 10 13 5.4 
Das Jahresmittel 1740 lag tiefer als der Normalwert von Oslo! Das Früh- 
jahr hatte eine Verzögerung von einem ganzen Monat! Bemerkenswert sind in 
diesem thermisch so schwer gestörten Jahre die beiden Temperaturverwerfungen: 
Vom November zum Dezember und die noch viel seltenere vom August zum 
September. Dezember und September waren auch die beiden Monate positiver 
Temperaturanomalie; der Temperaturabfall vom September zum Oktober betrug 
nicht weniger als 11.5°! 
Die Winter 1940/1942 in Skandinavien und im Ostseeraume., 
Wie aus Tab. 2 zu entnehmen ist, folgten in Upsala auf eine ununterbrochene 
Folge von 10 fast durchweg besonders milden Wintern (1930 bis 1939) drei 
sehr kalte (1940/42) gemäß der Definition von Hellmann mit einer Abweichung 
von mindestens — 4°. Hellmanns Kriterium sehr kalter Winter gilt allerdings 
streng genommen nur für Berlin, immerhin können wir diesen Grenzwert auch 
noch für Upsala gelten lassen, dessen Jahresschwankung (im Durchschnitt) sich 
zu Berlin verhält wie 21.4°:20.0%°, — Die kältesten Januarmonate entfielen auf 
1941, 1917 und 1893, mithin im zeitlichen Abstande von genau 24 Jahren, Geht 
man noch weitere Jahrzehnte zurück, so sind allerdings die Januare 1875, 1867 
und 1861 noch kälter gewesen als 1893, Upsala hatte 1942 den kältesten Winter 
seit 1871, Haparanda seit 1893, Upsala hatte seit Beginn der Beobachtungen im 
Jahre 1855 niemals 2 sehr kalte aufeinanderfolgende Winter bis 1940; 1940/1942 
folgten nun 3 Winter mit 4t > — 4°, In Mitteleuropa waren weder 1941 und, 
jedoch nicht überall, 1942 Jahre mit sehr kalten Wintern (4t XII—II 1941: 
S —2.0° bis — 3.5°; 1942: —3.5° bis — 5.0). In einer sehr beachtenswerten Ver- 
öffentlichung hat v, Myrbach-Rheinfeld den Erfahrungssatz aufgestellt: „Nach 
Jahren, deren mittlere Sonnenfleckenrelativzahl > 21 war, kamen sehr kalte 
Winter nur dann vor, wenn das Fleckenmittel des Winters um mindestens 14 
niedriger war, als das des vorangegangenen Sommers“. Diese nach dem strengen 
Winter 1940 aufgefundene Tatsache habe ich an Hand der in der Meteorologischen 
Zeitschrift laufend alle drei Monate veröffentlichten „Provisorischen Züricher 
Sonnenfleckenrelativzahlen“ auch für die beiden kalten bis sehr kalten Winter 
1941 und 1942 — mithin nach Myrbachs Veröffentlichung seiner Theorie — 
nachgeprüft, Das Ergebnis ist verblüffend (Tab, 9). 
Tabelle 9. Sonnenfleckenrelativzahlen (Mittelwerte). 
Sommer 1940 85.6; Winter 1941 52.1; * 8S.W. = 338,5; 
1911 62,3; 1942 39,5; S, —W., = 22.8. 
Bedauerlicherweise ist es angesichts der Zeitläufe ganz unmöglich, die 80 
ungemein strenge Wintergruppe 1940 bis 1942 näher zu erfassen und früher auf- 
gestellte Beziehungen mit der vorausgegangenen Weltwetterlage nachzuprüfen, 
ebenso wie es zur Zeit unmöglich ist, das Maximalgebiet negativer 
Anomalie der drei letzten Winter festzulegen, 
Dem Entgegenkommen von Professor Birkeland in Oslo verdanke ich 
u, a. die Wintertemperaturmittel von Sietnes (im Raume Mehavn, Gjesvaer) im 
Nordkapgebiete bis 1942; wohl waren auch noch dort die Winter 1941 und 1942
	        
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