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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1926.
für die Zeitdienstuhren der Seewarte, über deren günstiges Ergebnis Abtei
lung II/1V berichtet. 564 Untersuchungen oder Eichungen wurden an folgenden
Instrumenten vorgenommen: 50 Meteorographen, 6 Aneroid-, 2 Höhenbarographen,
13 Höhenmessern, 2 Thermographen, 23 Schalenkreuzanemometern, 1 Anemo
graphen, 278 Aneroidbarometern mit Millimeterskala, 88 Aneroidbarometern mit
Zolleinteilung.
Die Meteorologische Versuchsanstalt wurde von zahlreichen Fachgelehrten
des In- und Auslandes, Vertretern von Behörden, Instituten und Firmen, Schulen
und Vereinen besucht.
h. Wetterwarte Königsberg.
Infolge Eröffnung der Fluglinie Danzig—Allenstein wurde die neue Flug
wetterwarte Elbing durch einen Meteorologen und einen Funker eingerichtet.
Die rege Flugtätigkeit in Königsberg machte die Einstellung von Hilfskräften
notwendig. Für die Funkstation stand nur ein Empfänger E 266 zur Verfügung,
der bei weitem nicht den notwendigen Anforderungen genügte. Die Erweiterung
des funkentelegraphischen Materials erfordert die Besetzung von drei Empfangs
apparaten.
Bis Ende Oktober konnten neben der täglichen Wetterkarte auch die
einzelnen Nebenkarten und die Circumpolarkarte entworfen werden; nach den
Abkommandierungen mußte Neben- und Circumpolarkarte fortfallen. Das Hafen
telegramm wurde den Hafenstationen Memel und Pillau zugestellt und außerdem
von der Funkstelle Pillau verbreitet. Der Dienst bei der Wetterwarte wurde
mit Rücksicht auf den Flugberatungs-, Rundfunk- und Sturmwarnungsdienst von
5 Uhr morgens bis 9 Uhr abends angesetzt. Auch wurden die Besprechungen
der Wetterlagen zur Vereinheitlichung der modernen Anschauungen im Wetter
dienst weiter eingehalten. Zu den bisherigen Beobachtungsstationen, die an die
Wetterwarte berichteten, traten Heilsberg und Elbing hinzu. Die beiden Signal
stationen auf der Stadtseite und dem Russendamm in Pillau sind zusammen
gelegt; die Sturmsignale werden hinfort auf dem Lotsenwachtturm gesetzt, der
noch ein Anemometer Steffens-Hedde erhält. Für Neu-Terranowa ist zum Zeigen
von Nachtsignalen eine rote Laterne beschafft worden. Jede Signalstelle soll
Fernsprechanschluß erhalten, so daß die Sturmwarnungstelegramme auch zur
Nachtzeit in kürzester Frist an die Signalisten gelangen. Die Versuche, die
Sichtbarkeit der Signale durch weißen Anstrich der Körper zu erhöhen, sind
noch nicht beendet. Die engen persönlichen Beziehungen der Wetterwarte mit
den Wasser- bzw. Hafenbauämtern erleichtern die Beseitigung von Mängeln an
den einzelnen Signalstationen.
An Instrumenten wurden beschafft: ein selbstregistrierender Hahn-Görz-Theo-
dolit, ein Theodolit-System Bunge, eine Schneewippe, ein 'Schneeausstecher und
verschiedene neue englische Hütten.
Wetterkundlich beraten wurden die Flugstrecken Königsberg—Berlin,
Königsberg—Moskau, Königsberg—Tilsit—Memel und Allenstein—Danzig, ferner
die Nachtflugstrecke Berlin—Königsberg während des Sommers und Winters.
Dazu traten Sonder- und Überführungsflüge. Besonders schwierig war die Be
ratung der Flugstrecke Königsberg—Moskau, da hierfür fast keine Meldungen
Vorlagen und kein Meteorologe die Strecke geflogen war. Die deutschen Strecken
meldungen, die bis dahin sämtlich von Postanstalten abgegeben wurden, konnten
vielfach infolge der ungünstigen Lage der Ämter nur gering bewertet werden.
Auf Veranlassung der Wetterwarte wurde deshalb der größte Teil der Strecken
orte mit Luftpolizeibeamten besetzt, ein Versuch, der sich hinsichtlich der Abgabe
von Gefahrenobsen gut bewährt hat.
Als Sonderaufgabe fiel der Wetterwarte noch die Flugberatung bei dem
Seeflugwettbewerb in Pillau zu, wohin ein Meteorologe, ein Funker und eine
Hilfskraft abkommandiert wurden. Auch der Segelflugbetrieb in Rossitten
stellte große Ansprüche an die Wetterwarte, da wiederholt Dienstreisen zur Ab
haltung von Lehrkursen erforderlich waren.
Seit Jahren ist starke Nachfrage aus Schiffahrtskreisen nach Eisnach
richten. Die Wetterwarte hatte daher bisher die Eismeldungen aufgenommen