Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1926.
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f. Flugwetterwarte Hamburg—Fuhlsbüttel, Luftfahrt und Flugberatung. (Referat Lu).
Die Zunahme des Flugverkehrs stellte erhöhte Anforderungen an die
wetterkundliche Beratung der Flüge. Im April wurden daher drei Hilfs
kräfte neu eingestellt und für das bisherige eine Zimmer erhielt die Flugwetter
warte im ersten Stock der Flughalle A zwei andere, die sich gegen Ende der
Sommerflugperiode bereits wieder als unzureichend erwiesen. In dem neu zu
errichtenden Verwaltungsgebäude auf dem Flugplatz sind daher fünf Räume
vorgesehen. Die instrumenteile Ausrüstung entspricht gegenwärtig der einer
Beobachtungsstation I. Ordnung. Eine neue englische Hütte und ein Böen
schreiber Steffens-Hedde wurden aufgestellt.
Zu beraten waren die Strecken: von Hamburg nach Bremen—Amsterdam,
Köln, Bremen—Dortmund—Essen—Köln, Hannover—Frankfurt a.M., Magdeburg—
Halle—Leipzig—Dresden, Berlin, Schwerin—Stettin, Kopenhagen—Malmö und
Kiel—Flensburg. Eine Verfügung des Reichs-Verkehrsministeriums überwies der
Seewarte im Juli 1926 die wetterkundliche Flugberatung der gesamten deutschen
Küste und der Landstrecken innerhalb ihrer Dienstbereiche. So hatte Fuhls
büttel auch alle sommerlichen Bäderflüge nach den Inseln Borkum, Norderney,
Wangeroog, Helgoland und Sylt wetterkundlich zu beraten, teils mündlich, teils
fernmündlich nach den Startplätzen Emden, Bremerhaven-Wesermünde und den
genannten Inseln. Dadurch stieg die Zahl der täglich zwischen 6 Uhr früh und
7 Uhr abends zu beratenden Starte bis auf 34. Als Nachtstrecke wurde zeitweise
von der deutschen Verkehrsfliegerschule die Strecke Berlin—Hamburg beflogen,
wofür eine Wetterbeobachtung nach Berlin gegeben wurde. Seit Mitte Oktober
wird auch der Flugplatz Lübeck-Travemünde (Strecke Kopenhagen—Lübeck—
Berlin) von Hamburg aus fernmündlich beraten. Zum ersten Mal für Hamburg
wurde im Winter 1926/27 der Winterluftverkehr nebst wetterkundlicher Flug
beratung auf einigen Strecken voll aufrecht erhalten.
Im Wetternachrichtendienst wurde das System der stündlichen Samm
lung und Ausstrahlung von Wettermeldungen beibehalten. Die Anzahl der
meldenden Streckenpostämter wurde nicht vermehrt. Im Mai wurden zur Ent
lastung des Funkverkehrs eigene Kabel zwischen Hamburg—Bremen und —Han
nover in Betrieb genommen. Im Winterluftverkehr war nur noch alle 3 Stunden
die Ausstrahlung synoptischer Meldungen durch Lindenberg vorgesehen, da
gegen wurde vermehrte Möglichkeit geschaffen, telephonische Auskünfte von
Meldestellen auf den Flugstrecken einzuholen. Seit dem 15. Oktober ist nicht
mehr Hamburg, sondern Hannover Funkübermittlungsstelle der Wetternachrichten
an die Lindenberger Zentrale.
Vom 24. bis 28. Juli fand zum ersten Mal seit 1914 wieder ein deutscher
Seeflugwettbewerb mit viertägigem Küstenstreckenflug statt. Seine wetter
kundliche Beratung versah die Deutsche Seewarte, die hierfür Meteorologen,
Hilfspersonal und funkentelegraphisches Aufnahmegerät nach Warnemünde als
dem Ausgangspunkt des Wettfluges und nach Norderney als dem ersten Über
nachtungshafen entsandte. Außerdem wurde während dieser Tage ein Meteoro
loge zur Hilfeleistung an das Marineobservatorium Wilhelmshaven kommandiert.
Auch für den Zwischenlandungsplatz Außenalster versah die Seewarte die Be
ratung. Die außergewöhnlich ungünstige Wetterlage zeigte eindringlich die Not
wendigkeit einer zuverlässigen Wetterberatung.
Meteorologischer Unterricht mit praktischen Übungen wurde auf dem
Flugplatz erteilt an die Funker der Flughafenfunkstelle sowie an mehrere Kurse
von Flugschülern. Die Flugwetterwarte erhielt den Besuch mehrerer ausländischer
Kommissionen, des dänischen und des schwedischen Verkehrsministers, des Di
rektors des Meteorologischen Observatoriums in Tokio, einer Abordnung des
Pariser Stadtparlaments und vieler in- und ausländischer Flugmeteorologen.
g. Meteorologische Versuchsanstalt Groß-Borstel (Referat M).
Im Berichtsjahr wurden 438 Pilotwindmessungen mit einer mittleren Höhe
von 2373 m ausgeführt. Die Verteilung auf die Monate war ungleich und richtete
sich nach der Witterung und den Anforderungen des Luftverkehrs. Der geringe