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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1926.
2. Betriebsdienst.
Auch in diesem Jahre wurde der Betriebsdienst (laufende Wetterdienst) Tag
und Nacht ununterbrochen durchgeführt. Sämtliche Meteorologen mit Ausnahme
von M beteiligten sich daran mit dem größeren Teil ihrer Dienstzeit. Die Be
sprechung über die tägliche Wetterlage fand regelmäßig statt, außerdem wurde
in besonderen Sitzungen mit anderen Abteilungen über neuere Literaturerschei
nungen berichtet.
3. Normalbeobachtungsstationen und Sturinwarnungsstellen.
Eine wesentliche Änderung trat hier nicht ein. Die im Jahr 1925 gedruckte
„Dienstanweisung für die Sturmwarnungsstellen, die Windsemaphorstellen und die
Windmeldestellen (Sechste Ausgabe“) gelangte zur allgemeinen Anwendung.
4. Instrumentarium.
Die Ergänzung und Erneuerung des meteorologischen Instrumentariums der
Seewarte und ihrer Normalbeobachtungsstationen ist nahezu beendet.
Neu zur Aufstellung gelangten ein Hygrograph und ein Sonnenscheinschreiber —
Campbell-Stockes — in Cuxhaven-Altenwalde. Alle Normalbeobachtungsstationen
erhielten die neuen Wolkentafeln.
Gegen Ende d. Js. wurde damit angefangen, die instrumenteile Ausrüstung
der Sturmwarnungsstellen nachzuprüfen.
Zunächst erhielten mit Ausnahme von acht die Stationen des Sturmwarnungs
bezirks Königsberg Hellmannsche Regenmesser an Stelle der bisher verwandten
älteren Typen. Zur Anstellung der Terminbeobachtungen für die täglichen
Wetterberichte und der stündlichen Meldungen für den Flugdienst wurde als neue
Station (für Löningen) Nordhorn mit Instrumenten ausgerüstet.
Für den Seeobsdienst wurden 21 Dampfer mit Hütten und Thermometern
versehen. An Stelle der bisher verwandten kleinen Hütte wurde eine fast doppelt
so große verwandt, einmal zu Versuchszwecken, zum anderen in Hinblick auf
spätere weitergehende meteorologische Ausrüstung der Schiffe.
Mehrfach wurden schriftlich und mündlich Ratschläge bezüglich Eignung von
Instrumenten zur Ausrüstung von Stationen erteilt.
5. Auskünfte.
Die Anzahl der Auskünfte über das Wetter bei Unfällen, Schiffszusammen
stößen, Gerichtssachen usw. an Private und Behörden ist im Berichtsjahre weiter
erheblich gestiegen und zeigt, wie sehr Handel und Verkehr in immer stärkerem
Maße den Dienst der Seewarte in Anspruch nehmen.
e. Öffentliche Wetterdienststelle und Wirtschaftswetterdienst (Referat L).
Die Belieferung der Zeitungen mit Witterungsnachrichten litt erheblich
unter der schlechten Wirtschaftslage. Mehrere Zeitungen mußten die Berichte
abbestellen, während anderen Zeitungen wesentliche Gebührenermäßigung gewährt
werden mußte. Die Abgabe von Witterungsnachrichten an das übrige Wirtschafts
leben hat sich weiter bewährt. Die Rundfunkberichte wurden um zwei Küsten
wetterberichte für die Nordsee und für die Ostsee erweitert, die zweimal täglich
gegeben werden. Der öffentliche Aushang der Wetterkarten konnte in Hamburg
und einer Anzahl von Badeorten und Provinzstädten erweitert und verbessert werden.
Um eine bessere Fühlungnahme mit allen Teilen des Wirtschaftslebens
zu gewinnen, fand unter der Leitung des Präsidenten der Deutschen Seewarte
am 30. November eine Aussprache mit diesen Kreisen auf der Seewarte statt.
Neben den Vertretern des Senats von Hamburg und den Oberbürgermeistern
bzw. ihren Vertretern der umliegenden Städte waren die Landwirtschaftskammern
der Provinz Hannover und Schleswig-Holstein, der landwirtschaftliche Haupt
verein des Staates Hamburg, die Handelskammer und die Gewerbekammer in
Hamburg, größere Vereinigungen, wie die der Südfruchthändler, sowie ein großer
Teil der Presse vertreten. Die Aussprache mit diesen Kreisen ergab den dringenden
Wunsch einer weiteren Ausgestaltung des Wetterdienstes für die einzelnen Wirt
schaftszweige.