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Full text: Jahresbericht 1991

Der Betrieb eines Dauermeßnetzes im Meer 
ist eine schwierige meßtechnische Aufgabe, die 
zwar als Herausforderung dem Meßnetzpersonal 
die nötige Motivation gibt, in ihrem fachlichen Tä 
tigkeitsfeld die Probleme zu lösen, aber dennoch 
nicht befriedigend gelöst werden kann, wenn die 
logistischen Voraussetzungen nicht konsequent 
geschaffen werden. 
Allgemein gelten für Meßnetze die gleichen 
Anforderungen wie bei anderen ozeanographi- 
schen Meßsystemen hinsichtlich Druck- und Kor 
rosionsbeständigkeit, Unempfindlichkeit gegen 
marinen Bewuchs und mechanische Belastung 
unterschiedlichster Art. Die Einwirkungen werden 
jedoch potenziert durch die Umstände, daß 
Dauereinsatz der Komponenten erforderlich ist, 
Wartungseinsätze aus logistischen Gründen im 
Falle des BSH-Meßnetzes bestenfalls zweimo 
natlich möglich sind und auch extreme Wettersi 
tuationen überstanden werden müssen. Die letzt 
genannte Bedingung ist dadurch besonders 
gravierend, daß die Meßkomponenten an die 
Oberfläche gekoppelt sind, weil on-line-Daten 
übertragung erforderlich ist und aus wirtschaftli 
chen Gründen vorhandene schwimmende Platt 
formen verwendet werden müssen. 
Diese meßtechnischen Voraussetzungen 
sind im BSH mit dem vorgehaltenen Meßnetzper 
sonal in zufriedenstellender Weise beherrschbar, 
wobei die Leistungsfähigkeit der wenigen Firmen, 
die überhaupt für die Fertigung von Meßnetzkom 
ponenten geeignet sind, hinsichtlich Qualität und 
Liefermöglichkeit der limitierende Faktor sind. 
Noch nicht ausreichend gelöst sind die logi 
stischen Probleme in Hinblick auf Vorhalten der 
erforderlichen Schiffskapazität für Meßnetzarbei 
Meßnetz 
ten. Es wird an Lösungen gearbeitet, die die 
Schiffe der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung 
einbeziehen müssen, um die BSH-Flotte zu ent 
lasten. 
Das existierende Meßnetz konnte nur unter 
starker Eigeninitiative des BSH technisch-logi- 
stisch realisiert werden. Internationale (z. B. 
COST 43) oder nationale (VEMNO) Entwick 
lungsprojekte haben kaum praktische Auswirkun 
gen erzielt. Während COST 43 überwiegend an 
den nationalen Interessen der EG-Länder schei 
terte, war VEMNO zu anspruchsvoll angelegt zur 
Abdeckung aller denkbaren Anwendungen und 
damit zu kostspielig. Immerhin hat VEMNO dem 
BSH einen hervorragenden Meßgeräteträger ein 
gebracht, die Nordseeboje II (Abb. 29), die fest 
in das BSH-Netz intergriert ist. 
Eine Reihe von EUROMAR-Projekten be 
faßt sich zur Zeit wiederum mit dem Meßnetz 
thema. Insbesondere MERMAID deckt sich in sei 
ner Zielsetzung und im technischen Inhalt 
weitgehend mit den Anforderungen des BSH, das 
sich allerdings auch seit Beginn des Projekts in 
tensiv bemüht hat, seine Erfahrungen bei der Ge 
staltung und Abwicklung des Projektes geltend 
zu machen und fachlich mitzuarbeiten. 
Als besonderer Fortschritt gegenüber dem 
jetzigen Stand des Meßnetzes soll MERMAID die 
automatische Analyse auf Nährstoffe und die au 
tomatische Probennahme für Schwermetalle und 
organische Beimengungen erbringen. Eine wei 
tere neue Möglichkeit ist die ereignis- oder fern 
gesteuerte Messung bzw. Probennahme. Die 
Fernsteuerung impliziert einen weiteren Daten 
weg vom Nutzer über Satellit (in diesem Fall 
INMARSAT) zur Meßstation, der evtl, auch zur 
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