Der Betrieb eines Dauermeßnetzes im Meer
ist eine schwierige meßtechnische Aufgabe, die
zwar als Herausforderung dem Meßnetzpersonal
die nötige Motivation gibt, in ihrem fachlichen Tä
tigkeitsfeld die Probleme zu lösen, aber dennoch
nicht befriedigend gelöst werden kann, wenn die
logistischen Voraussetzungen nicht konsequent
geschaffen werden.
Allgemein gelten für Meßnetze die gleichen
Anforderungen wie bei anderen ozeanographi-
schen Meßsystemen hinsichtlich Druck- und Kor
rosionsbeständigkeit, Unempfindlichkeit gegen
marinen Bewuchs und mechanische Belastung
unterschiedlichster Art. Die Einwirkungen werden
jedoch potenziert durch die Umstände, daß
Dauereinsatz der Komponenten erforderlich ist,
Wartungseinsätze aus logistischen Gründen im
Falle des BSH-Meßnetzes bestenfalls zweimo
natlich möglich sind und auch extreme Wettersi
tuationen überstanden werden müssen. Die letzt
genannte Bedingung ist dadurch besonders
gravierend, daß die Meßkomponenten an die
Oberfläche gekoppelt sind, weil on-line-Daten
übertragung erforderlich ist und aus wirtschaftli
chen Gründen vorhandene schwimmende Platt
formen verwendet werden müssen.
Diese meßtechnischen Voraussetzungen
sind im BSH mit dem vorgehaltenen Meßnetzper
sonal in zufriedenstellender Weise beherrschbar,
wobei die Leistungsfähigkeit der wenigen Firmen,
die überhaupt für die Fertigung von Meßnetzkom
ponenten geeignet sind, hinsichtlich Qualität und
Liefermöglichkeit der limitierende Faktor sind.
Noch nicht ausreichend gelöst sind die logi
stischen Probleme in Hinblick auf Vorhalten der
erforderlichen Schiffskapazität für Meßnetzarbei
Meßnetz
ten. Es wird an Lösungen gearbeitet, die die
Schiffe der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung
einbeziehen müssen, um die BSH-Flotte zu ent
lasten.
Das existierende Meßnetz konnte nur unter
starker Eigeninitiative des BSH technisch-logi-
stisch realisiert werden. Internationale (z. B.
COST 43) oder nationale (VEMNO) Entwick
lungsprojekte haben kaum praktische Auswirkun
gen erzielt. Während COST 43 überwiegend an
den nationalen Interessen der EG-Länder schei
terte, war VEMNO zu anspruchsvoll angelegt zur
Abdeckung aller denkbaren Anwendungen und
damit zu kostspielig. Immerhin hat VEMNO dem
BSH einen hervorragenden Meßgeräteträger ein
gebracht, die Nordseeboje II (Abb. 29), die fest
in das BSH-Netz intergriert ist.
Eine Reihe von EUROMAR-Projekten be
faßt sich zur Zeit wiederum mit dem Meßnetz
thema. Insbesondere MERMAID deckt sich in sei
ner Zielsetzung und im technischen Inhalt
weitgehend mit den Anforderungen des BSH, das
sich allerdings auch seit Beginn des Projekts in
tensiv bemüht hat, seine Erfahrungen bei der Ge
staltung und Abwicklung des Projektes geltend
zu machen und fachlich mitzuarbeiten.
Als besonderer Fortschritt gegenüber dem
jetzigen Stand des Meßnetzes soll MERMAID die
automatische Analyse auf Nährstoffe und die au
tomatische Probennahme für Schwermetalle und
organische Beimengungen erbringen. Eine wei
tere neue Möglichkeit ist die ereignis- oder fern
gesteuerte Messung bzw. Probennahme. Die
Fernsteuerung impliziert einen weiteren Daten
weg vom Nutzer über Satellit (in diesem Fall
INMARSAT) zur Meßstation, der evtl, auch zur
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