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Full text: 51, 1932

Lorenz Steiner: Die sozialwirtschaftl. Aufgaben u. Leistungen d. Deutsch. olienti. Wetterdienstes 17 
sehende und kommende Wetter in Verbindung mit seinen eigenen Beobachtungen zu bilden. Die Karte ent 
hält im Wesentlichen das Gebiet der Ostsee und Nordsee und einen Teil des Kanals. Unter dem Kartenbild, 
das auf Grund der 14 h -Meldungen entworfen ist, werden Vorhersagen und Sturmwarnungen veröffentlicht. 
Die Karte ist um 17 h versandfertig, sie ist für die Kleinschiffahrt bestimmt und wird an den meisten Sturm 
warnungsstellen ausgehängt. 
Eine wertvolle Vervollständigung des genannten Nachrichtenmaterials bildet sodann der „Tägliche Wet 
terbericht der Deutschen Seewarte“, der seiner Ausführlichkeit und Vielseitigkeit wegen auch für die Kü 
stenschiffahrt ein unentbehrliches Hilfsmittel zur Beurteilung der Wetterlage darstellt. Der Bericht gelangt 
täglich an clie deutschen Häfen und Küstenorte zum Versand. 
Zusammen schließlich noch mit dem Wetterbericht für die Norddeutsche Rundfunk A.G., der kurze Über 
sichten und ausführlichere Vorhersagen für das Gebiet der Nordsee und der westlichen Ostsee enthält — die 
entsprechenden Berichte für die mittlere und östliche Ostsee werden von den Küstenwetterdienststellen durch 
den Rundfunk bekanntgegeben — und der um 11 15 (außer Sonntags) und 20 M an die Norag zur Bekanntgabe 
abgegeben wird, bietet der Seewetterdienst dem deutschen Küstenfahrer hinreichend Gelegenheit, sich über 
das herrschende und kommende Wetter zu orientieren und diejenigen Dispositionen zu treffen, die im Inte 
resse einer guten Fahrt für Schiff, Mannschaft, Passagier und Fracht geboten erscheinen. 
Die Ausrüstung der modernen Schiffe mit Empfangsgeräten für drahtlose Telegraphie ergab die Mög 
lichkeit, auch den auf hoher See befindlichen Fahrzeugen Wetternachrichten zuzustellen 25 ). 
Die Bedeutung dieser Nachrichten für die Hochseeschiffahrt haben wir bereits gewürdigt. Das Ziel, ein 
mal die Unterrichtung der Schiffe über die Wetterlage an bemerkenswerten Küstenorten, sodann über die ge 
samte Wetterlage und über die Aussichten der kommenden Wettergestaltung auf hoher See, wird durch zwei 
Einrichtungen zu erreichen versucht. 
Zunächst durch die Wetterberichte für den deutschen Hochseerundfunk, die kurze Meldungen einer Reihe 
von wichtigen europäischen Küstenorten, eine Wetterübersicht und Vorhersagen für das Gebiet der Nordsee, 
für Island und zeitweise auch für die Ostsee, den Finnen- und Bottenbusen enthalten. Gegebenenfalls werden 
Sturmwarnungen erlassen. Der Bericht wird täglich 10 05 (Sonntags 9 45 ) und 21 00 dem deutschen Hochseerund 
funk zugesprochen, der ihn funkentelephonisch an seine Abnehmer verbreitet. Die Vorhersagen gelten für 
24 Stunden, und zwar beim Morgenbericht vom Mittag bis Mittag, beim Abendbericht von Mitternacht bis 
Mitternacht. 
Dann durch den Ozeanfunkwetterbericht. Er enthält eine Übersicht über die Druckverteilung und das 
Wetter auf dem Nordatlantischen Ozean, er wird um 15 00 M.E.Z. von der Funkstelle Nordcleick gefunkt und 
bildet die Grundlage für den Entwurf von Wetterkarten an Bord der Schiffe. Hiermit ist der öffentliche Wet 
terdienst dem langgehegten Bedürfnis der transatlantischen Schiffahrt, den Funkevetterdienst auf den atlan 
tischen Ozean auszudehnen, d .h. einen Überblick über die Wetterlage über ganz Europa und den Atlantischen 
Ozean und eine Vorhersage für den letzteren zu erhalten, entgegengekommen. Daß diesen Wünschen vom me 
teorologischen Standpunkt aus heute entsprochen werden kann, ist in der Hauptsache den vom Atlantik ein 
gehenden Dampfer-Wettermeldungen zu verdanken, die es dem Wetterdienst ermöglichen, ein Gesamtbild der 
Wetterlage über dem Ozean zu konstruieren und darauf eine Vorhersage aufzubauen. Ihren Niederschlag fin 
den diese Wettermeldungen in der seit 1. IV. 1930 von der Deutschen Seewarte neu herausgegebenen „Wet 
terkarte des Nordatlantischen Ozeans“. Diese neue Ozeanwetterkarte ist ein Ausschnitt aus der Arbeitskarte 
der Nordhalbkugel. Sie umfaßt den größten Teil des Nordatlantischen Ozeans, Europa von Gibraltar bis zum 
Nordkap und Spitzbergen, Grönland und große Strecken von Amerika von Labrador bis Florida; auch der 
Schiffahrtsweg nach Südamerika und Afrika ist bis in die Höhe von Rio de Oro mitaufgenommen. Unter dem 
Wetterkartenbild, das nach den 2h Meldungen entworfen ist, befindet sich eine Schilderung derWetterlage über 
dem Meere. Schließlich werden die von See eingehenden Höhenwindmessungen in der Karte veröffentlicht. 
Die Bedeutung dieser Ozeanwetterkarte für die transatlantische Schiffahrt wird mit dem Augenblick voll 
zur Geltung kommen, in dem die Versuche der Bildfunkübertragung als gelungen zu bezeichnen sind, der Ent 
wurf einer WeltWetterkarte dadurch ermöglicht wird und so die mit Empfangsgeräten ausgestatteten Schiffe 
auf dem Ozean unmittelbar über die Wetterlage über See aufgeklärt werden können. 
Die mit F. T.-Anlage ausgerüsteten auf See sich befindenden Schiffe sind aber auch in der Lage, die Wet 
termeldungen der Sender anderer Länder z. B. England, Frankreich, Spanien usw. aufzunehmen. Auch diese 
ss ) Statistische Nachweisung über die Entwickelung der Ausr üstung der DeutsdienKauffahrteisdiiffe mit Bord 
funkstellen siehe Anlage 2.
	        
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