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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1898,
ein schraffirtes Band entsteht, ist nicht ausschließlich dem Stampfen des Schiffes
zuzuschreiben. Denn ähnliche Schraffuren zeigen auch die Barogramme auf
Landstationen, die dem Winde sehr exponirt sind, bei schwerem Sturm, namentlich
die Bergstationen, wie Sonnblick, Wendelstein etc. Hier sind es kurze Druck-
schwankungen, die diese Oscillationen bewirken, und die zum Theil nur auf die
saugende Wirkung des Sturmes auf den Raum zurückzuführen sind, in dem das
Instrument sich befindet, zum Theil aber auch auf wirkliche Druckschwankungen
in der freien Atmosphäre bei den Windstöfsen. Solche Zeiten machte z. B.
S. M. S. „Deutschland“ am 24. Dezember bei Kap Finisterre durch, ebenso die
„Preufsen“ am 22, bis 25. Juni (in etwa 40° S-Br 54° W-Lg), am 5. bis 16. Juli
bei der Umsegelung Kap Horns und dann namentlich auf dem Heimwege unter
dem südlichen Wendekreise zwischen 75° und 83° W-Lg, also in einer sonst
sehr ruhigen Gegend, wo auch diesmal die tägliche Barometerschwankung trotz
der raschen Oscillationen des Schreibstiftes deutlich erkennbar blieb.
W. Köppen.
Orkan bei Minikoi im Neun-Grad-Kanal (Arabisches Meer).
Nach Beobachtungen des Damypfers „Prinz Heinrich“, Kapt, 0. CÜPPERS, von Colomho nach Aden.
Januar 1898.
Der Dampfer „Prinz Heinrich“ verliefs Colombo am 14. Januar abends
6 Uhr, nach Aden bestimmt, bei mäfsigem südlichen Winde. Am 15. mittags, in
8° N-Br, 76° O-Lg, war der Wind nach Südost gegangen, bis Stärke 8 zunehmend.
Regen war schon seit dem Morgen gefallen, theils als stetiger Regen, theils in
Schauern. Im Laufe des Nachmittags flaute der Wind, östlicher holend, wieder
etwas ab, um erst abends um 8 Uhr zum zweiten Male Stärke 8 zu erreichen,
Das Barometer war in den letzten 24 Stunden um 3,2 mm gefallen, für diese
Breite ein sehr starker Fall, so dafs an Bord Alles für schlechtes Wetter klar
gemacht wurde. Es erreichte kurz nach Mitternacht den tiefsten Stand, 750,7 mm,
und der Wind wehte bald darauf mit Stärke 12 aus Nord, gegen Morgen nach
WSW laufend und schnell abnehmend.
Der 4606 Repg.-Tonnen grofse Dampfer setzte während des ganzen Sturmes
seinen Weg mit 14 Knoten Fahrt bis 12" p, mit 13 Knoten bis 4" a fort (s. Figur).
Bemerkungen zu der Tabelle.
1. 14/1. 8"'p mäfsig bewegte See; 12" p mäfsige durcheinander laufende
Dünung.
3, 15/1. 1 bis 3"a leichter Regen, 4"a Dünung (4) aus SSW. — 12"'a
Dünung aus Süd (5) und SSE (5). — 4'p Dünung aus Süd (5), Seegang mehr
regelmäfsig. — 5*p. Sehr dicke Luft mit anhaltendem, heftigem Regen. — 7 p.
Wind im Allgemeinen flauer (5). Zuweilen kommen heftige Böen (S) mit viel
Regen. Vieles Blitzen in SW. Zuweilen schwaches Donnern. — 8*p. Vieles
Blitzen in SW, SO, NO; zuweilen auch sehwaches Donnern. Sehr heftiger Regen
Jabei, sehr dicke Luft, konnten keine !/4 Meile sehen! Von 7'/ Uhr nahm der
Seegang plötzlich schnell ab, trotz des zunehmenden Windes. — 9'"p. Merk-
würdig ruhige See. Machten an Bord Alles klar für schweres Wetter. — 11" p.
Anhaltend heftige Böen mit Blitzen; Donner wurde jedoch nicht mehr gehört,
Starke Regengüsse, Luft sehr diesig und unsichtig. Merkwürdig ruhige See. —
12" p. unverändert.
3. 16/1. Gleich nach 12*p fiel das Barometer sehr schnell auf 750,7,
und es fing fürchterlich an zu wehen. Die See blieb dabei merkwürdig schlicht,
Vor Regen und Wasserstaub ist nichts zu sehen. Waren gut frei von Minikoi
und steuerten deshalb südlicher. Um 1*25”a wurde die Luft etwas dünner, das
Barometer fing an zu steigen, die Böen liefsen an Heftigkeit nach; es blitzte
nur noch selten. — 3a, Imft wird dünner, Regen bedeutend weniger, später
blitzt es nur noch zuweilen. Wind nimmt allmählich ab. Die See bleibt fort-
während ruhig. Es regnet noch fortwährend mälsig. Die Luft sieht jedoch
bedeutend besser aus. — 4'a. Es kommen nur noch einzelne Böen (7), wobei
der Wind zwischen WNW und WSW springt. — Ga. Die See bleibt ruhig,
keine Dünung vorhanden. — 8a. Leicht bewegte See. — 10a. Bedeckt mit
anhaltendem leichten Regen, — 12"a., Leicht bewegte See.