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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Thorade, H.: Die Geschwindigkeit von Triftströmungen und die Ekmansche Theorie. 379 
Die Geschwindigkeit von Triftströmungen und die Ekmansche Theorie). 
Von Dr. HM, Thorade, 
a. Zur bisherigen Kritik der Ekmanschen Theorie. 
Die Ekmansche Theorie der Triftströmungen?) führt unter anderem 
namentlich zu drei Ergebnissen, die einer Prüfung durch die Beobachtung zu- 
gänglich sind. Beschränken wir uns auf reine Triftströmungen und. schließen 
alle anderen stromerzeugenden Ursachen, auch vom Winde hervorgerufene Druck- 
unterschiede, aus, so daß nur die unmittelbare Windwirkung übrig bleibt, so ist 
1. Der reine Triftstrom an der Meeresoberfläche in jeder geographi- 
schen Breite außer in der unmittelbaren Nähe des Äquators durch die Erdrota- 
tion um 45° vom Winde abgelenkt, auf der nördlichen Halbkugel nach rechts, 
auf der südlichen nach links. 
2. Ein reiner Triftstrom reicht, sich weiter rechts drehend und schwächer 
werdend, nur in beschränkte Tiefen. Wir bezeichnen mit x einen »virtuellen«, 
besser »ozeanischen« Reibungskoöffizienten‘) des Wassers, der die Wirkung der 
zahlreichen unregelmäßigen Wirbel bei der Übertragung der Bewegung in sich 
begreift, ferner mit q die Dichte des Wassers, mit w@ die Winkelgeschwindigkeit 
der Erde und mit @ die geographische Breite, so ist die Tiefe, bis zu welcher 
der Triftstrom reicht, die »Reibungstiefe« 
A Vuır . Row. 
D == V qesing 
3. Nennen wir ferner den in der Meeresoberfläche wirksamen tangentialen 
Druck des Windes T, so ist die. Geschwindigkeit des reinen Triftstroms an der 
Wasseroberfläche 
SS — 
T 
2 Al) 
V2uq @ Sin . 
Die Kritik hat sich hauptsächlich dem auffälligsten, ersten Ergebnis zu- 
gewandt, dem 
1. in jeder Breite gleichen Ablenkungswinkel von 45°, Doch liegt 
diese Gleichheit — worauf auch Ekman schon hinwies — im 2. und 3. Er- 
gebnis begründet. Bezeichnet m die in Bewegung gesetzte Masse, so ist 
die ablenkende Kraft der Erdrotation = 2mswsing%. Nun ist nach (II) 
s proportional zu = m ist provortional zuD und daher nach (I.) auch zu Far 
also ms zu 5 so daß aus der obigen Formel die Breite herausfällt — immer 
abgesehen von sehr niedrigen Breiten, 
. Die theoretische Kritik, welche Schiötz an Ekmans Ausführungen geübt 
hat°), bezieht sich nicht so sehr auf reine Triftströmungen. Später hat Exner®) 
das Problem unter anderen Voraussetzungen behandelt, doch kommen die von 
ihm berechneten Ablenkungswinkel den Ekmanschen fast gleich und ändern sich 
nicht nennenswert mit der Breite: von 42° in 10° Br. bis 401° in 90° Br. 
Mit hinlänglicher Gewißheit geht aber die Richtigkeit des Ablenkungs- 
winkels in der Erfahrung aus einer großen Anzahl Untersuchungen von Dink- 
1) Bericht über eine Arbeit d, Verf., erschienen als wiss. Beilage zum Jahresbericht der Real- 
schule in Eilbeck. Hamburg 1913 und 1914, 
2) V. W. Ekman, Ön the influence of the earths rotation on ocean currents, Ark. f. Mat., 
Astr. och Fys. K. Sv. Vet Ak., Stockholm 1905—06, Bd, 2, Nr. 11. 
06. © S. auch V, W. Ekman. Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen, »Ann. d. Hydr, usw.« 
1906, 8, 423 ff. . 
3) Vgl. auch Krümmel, Handbuch d. Ozeanographie, Bd. II., 2. Aufl. Stuttg. 1911, S. 461. 
4 H. Wagner, Lehrbuch der Geographie. Bd. I, 8. Aufl., S. 152f, 
5) »Ann, d. Hydr. usw.« 1908, S, 429; 8. 550; 1909, S. 254, 
) Exner, Zur Kenntn. d. unt. Winde usw, »Ann. d. Hydr. usw.« 1912, S. 226 ff.
	        
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