Lohr, A.: Zerstörende Wirkung einer Gewitterböe bei Hamburg am 21. August 1932, 179
der Straße, die ihrerseits an dieser Stelle parallel zur Sturmrichtung verläuft,
weithin in Streifen fortgeweht, und dazwischen befanden sich Walzen des zu-
sammengeschobenen Klees, als seien sie vor dem einbrechenden Winde hergerollt
worden. Auch hier war wieder der deutliche Beweis gegeben, daß keine Wirbelung
stattgefunden hatte, sondern daß ein einfaches Fortreißen und Zusammenschieben
in Richtung des dahinbrausenden Sturmwindes erfolgt war.
Das letzte Verwüstungsgebiet erstreckte sich auf dem westlichen Vorgelände
des Sachsenwaldes in einer Länge von 8 km und einer Breite von etwa 800 m
von Havighorst bis Wohltorf. Auch in diesem Gebiete konnte die gleiche Art
der Verwüstung beobachtet werden wie bei KEddelsen. Es hat den Anschein,
als ob ein Windstrahl von oben hereinbrechend bei einigen Bäumen nur die
oberen Zweige, also Reiser, wegriß, um beim nächsten Baume die ganze Krone
zu knicken und im weiteren Verlaufe dann die ganzen Bäume über der Erde
abzubrechen oder mit dem ganzen Wurzelballen umzuwerfen. Im allgemeinen
kann gesagt werden, daß auch hier schwächere Stämme mit kleinen Kronen
meist geworfen, stärkere gebrochen sind. Der Windbruch trat hauptsächlich
in der Nähe von Wohltorf im Billetal, wo schon dichter Waldbestand vorhanden
ist, auf, während der Windwurf am Anfang des Verwüstungsstreifens bei den
Orten Lohbrügge und Harwighorst festzustellen ist, wo loserer Baumbestand
zwischen Feldern vorherrschend ist. Über 300 cbm Holzmasse sind nach Angabe
der Oberförsterei Trittau in dem ganzen Gebiete verwüstet worden, im Sachsen-
walde selbst hingegen soll der Schaden nicht groß gewesen sein.
2. Die Wetterlage.
Eine ungewöhnliche Hitzeperiode, während der über Deutschland die Luft-
wärme an verschiedenen Stellen bis 35° anstieg, hatte durch den am 21. VIIL
arfolgten Wetterumschlag ihr Ende gefunden. Mitbedingend für die abnorm
hohen Temperaturen im Bereiche der subtropischen Warmluft über Mitteleuropa
war absteigende Luftströmung, verbunden mit großer Lufttrockenheit bis zum
Boden herab. Im Laufe des 20, VIII. war ein Tiefdruckwirbel von den Lofoten
nordostwärts nach dem Barentsmeere abgewandert. Wie aus der Wetterkarte
vom 21. VIII, 8 Uhr (Fig. 2) zu ersehen ist, erreichte die Rückseitenkaltluft am
Morgen des 21. VIII. ganz Skandinavien bis zum Skagerrak herab und die
mittlere und südliche Nordsee bis Südengland. Das europäische Festland war
von einem Ausläufer eines südosteuropäischen Hochs bedeckt. Ein flacher Wirbel
am westlichen Kanaleingang gewann im Laufe des 21. VIII. mit seinen Ausläufern
an Raum bis zur südlichen Ostsee, Maritime subpolare Luftmassen drangen auf
seiner Südseite in den Frühstunden von Frankreich her nach Westdeutschland
vor und brachten morgens schon Gewitter auf der Linie vom Niederrhein bis
zur südlichen Nordsee. Mit dem Vordringen dieser kühleren Luftmassen auf
den überhitzten Festlandblock ging ein Gewitterzug einher, der um 14.25 Uhr
das Unterelbegebiet erreichte. Im Bereiche der kleinen Teilwirbel des ostwärts
wandernden Tiefs, die durch lokale Einflüsse zum Teil erheblich verstärkt wurden,
sind am 21. VIII. neben dem erwähnten Hauptgewitterzug noch überall im
deutschen Küstengebiet bis zum andern Tage anhaltende Gewitterstörungen auf-
getreten,
Um 10 Uhr zeigen sich in Hamburg die ersten Anzeichen der vordringenden
kühleren Luftmassen. Nach den Aufzeichnungen des Thermographen (Fig. 3)
hört jetzt der Temperaturanstieg auf, Die Hamburger Höhenwindmessung zeigt
schon um 8 Uhr bis 4000 m SW- und WSW-Strömung, die in 1500 m 10 m/sec
erreicht und darüber gleichmäßig bis 17 m/see zunimmt. Um 11 Uhr drehte
in Hamburg der Bodenwind langsam über N nach NE, und damit gelangt langsam
die frische Kaltluft, die über der Nordsee lag und schon auf der Morgenkarte
bis zur Deutschen Bucht erkennbar war, auf das Festland. Es handelt sich
dabei aber nur um ein flaches Auskeilen der Kaltluft, da der Pilot von Kopen-
hagen von 14.25 Uhr nur bis 600 m hinauf die N-Strömung aufweist, über der
rasche Drehung nach W erfolgte. Dabei war Kopenhagen in den Morgenstunden
mit Nord Beaufort 3 schon im Bereiche der maritim-arktischen Kaltluft des