5 Sauerstoff in der Nordsee - Ergebnisse des 3D-Okosystem-Modells
Sauerstoff aus der Atmosphäre und durch die Primärproduktion gebildet. Kleine
Änderungen der 02-Konzentration aufgrund der Advektion haben für diese Station im
betrachteten Zeitraum praktisch keine Bedeutung. Negative Bilanzterme, d. h.
sauerstoff-verbrauchende Prozesse, sind Atmung, Abbau und Remineralisierung
organischer Stoffe sowie der Verlust an die Atmosphäre. Außerdem wird Sauerstoff bei
der Nitrifikation verbraucht. Ihr Anteil zum Sauerstoffverbrauch wächst im Laufe des
Jahres relativ und absolut. Wie nachfolgend in Tabelle 5.1 gezeigt wird, sind die
jährlichen Verluste durch die Nitrifikation z.B. für die nördliche Station höher als die
Verluste infolge der Respiration des Zooplanktons und fast genauso hoch wie die
Sauerstoffverluste im Sediment. Daher trägt der stark sauerstoffzehrende Prozess der
Nitrifikation zumindest in den lichtarmen tieferen Zonen der Nordsee deutlich zur
negativen Sauerstoffbilanz bei.
Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass das Maximum des Sauerstoffverbrauches mit
einer zeitlichen Verzögerung gegenüber der Sauerstoffproduktion durch die
Primärproduktion auftritt. Das liegt partiell daran, dass der Hauptteil des abgestorbenen
Materials erst auf dem Boden remineralisiert wird. Aufgrund der relativ großen
Wassertiefe braucht der langsam sinkende Detritus fünf Wochen, um den Boden zu
erreichen. In den ersten Wintermonaten findet daher noch Abbau der im Vorjahr
produzierten organischen Substanz statt, der durch Sauerstoffeintrag aus der
Atmosphäre kompensiert wird. Generell sind die biologisch-chemischen
Umsetzungsraten im Winter gering, die Sauerstoffbilanz ist jedoch infolge des Eintrags
von Sauerstoff aus der Luft positiv. Der April weist aufgrund der überwiegenden
Sauerstoffproduktion eine positive Sauerstoffbilanz auf. Der Zeitraum Mai bis Oktober
dagegen ist durch eine negative Sauerstoffbilanz gekennzeichnet. Einerseits dominieren
in dieser Jahreszeit sauerstoffzehrende Prozesse, anderseits wird infolge der reduzierten
Sauerstofflöslichkeit in der Oberflächenschicht Sauerstoff an die Atmosphäre
abgegeben. Die Summe aller negativen Prozessbeiträge überwiegt deutlich die
Produktionsrate und sorgt somit für die negative Bilanz. Demnach ist die
Sauerstoffbilanz um so „besser“ (d.h. positiver), je intensiver der atmosphärische
Eintrag und die Photosyntheseaktivität der Phytoplankter sind und je geringer die
Stoffwechselleistungen der Mikroorganismen sind.
Abb. 5.8 stellt die Änderungsraten der Sauerstoffkonzentration ohne Berücksichtigung
der biologisch-chemischen Prozesse, ebenfalls für die Position A, dar. Im Gegensatz zur
Abb. 5.7 sind die Variationen des Sauerstoffgehaltes über das ganze Jahr sehr gering.
Ihre Größe hängt von der Intensität der Austauschvorgänge mit der Atmosphäre ab, die
im Wesentlichen durch den Jahresgang der Temperatur bestimmt wird. Entsprechend
dem physikalischen Lösungsverhalten von Sauerstoff im Wasser führt der
Sauerstoffeintrag in den ersten vier Monaten zu einer positiven Sauerstoffbilanz.
Aufgrund der steigenden Wassertemperatur und der dadurch reduzierten
Sauerstoffsättigungskonzentration ändert sich das Vorzeichen und die Sauerstoffbilanz
bleibt bis zum Ende des Jahres, mit Ausnahme von Oktober, immer negativ.