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Full text : Sauerstoffdynamik der Nordsee (BSH-Berichte, Nr. 43)

in  der  Tiefe  durch  den  Konsumenten 7  und  Destruenten 8  abgebaut  wird.  Da  die  tieferen
Schichten  im  Sommer  einerseits  aufgrund  der  Diffusionsbarriere  keinen  Kontakt  mit
den  darüberliegenden  Schichten  haben  und  andererseits  durch  anhaltenden  Sauerstoffverbrauch ­
  charakterisiert  sind,  verarmen  sie  zunehmend  an  Sauerstoff.  Erst  die
Durchmischung  der  Wassersäule  kann  die  erforderliche  Sauerstoffkonzentration  wieder
hersteilen.
Seit  mehr  als  20  Jahren  wird  mit  Besorgnis  über  die  Eutrophierung 9  in  der  Nordsee
diskutiert,  ein  gravierendes  Problem  vor  allem  in  der  südlichen  Nordsee.  Eine  mögliche
Folge  ist  Sauerstoffmangel  am  Boden:  mehr  Nährstoffe,  welche  über  die  Flüsse  und  die
Atmosphäre  in  die  Nordsee  gelangen,  verursachen  verstärktes  Algenwachstum.  Dann
sinken  mehr  biogene  Partikel  zum  Meeresboden.  Das  bedeutet  mehr  Nahrung  für  das
Zooplankton  und  für  die  Bakterien,  die  in  Bodennähe  leben.  Bei  erhöhter
Nahrungsaufnahme  verbrauchen  diese  Organismen  mehr  Sauerstoff.  Insbesondere  dort,
wo  Schichtung  und  hohe  Nährstoffzufuhr  zusammen  kommen,  besteht  eine  erhöhte
Wahrscheinlichkeit  dafür,  dass  bei  entsprechenden  Wetterlagen  Sauerstoffmangel  am
Boden  entsteht.  Unter  extrem  ungünstigen  Umständen  kann  sich  dieser  Sauerstoffmangel ­
  so  verstärken,  dass  „tote  Zonen“  entstehen,  wie  sie  etwa  im  Kattegat,  im
Schwarzen  Meer  und  im  nördlichen  Adriatischen  Meer  beobachtet  wurden.
Die  im  Rahmen  dieser  Arbeit  vorgestellten  und  diskutierten  Ergebnisse  sollen  zum
besseren  Verständnis  der  komplexen  Sauerstoffdynamik  in  relativ  flachen  Schelfgebieten ­
  führen.
Im  folgenden  Kapitel  2  wird  zunächst  die  Theorie  der  Löslichkeit 10  von  Sauerstoff  im
Wasser  beschrieben.  Hier  werden  auch  der  Austauschprozess  von  Sauerstoff  mit  der
Atmosphäre  sowie  die  im  Modell  verwendeten  Parametrisierungen  zu  seiner
Realisierung  ausführlich  behandelt.
Im  Kapitel  3  wird  das  verwendete  ökologische  Modell  ECOHAM2  vorgestellt.
Weiterhin  wird  das  Untersuchungsgebiet  hinsichtlich  seiner  für  die  vorliegende  Studie
relevanten  Eigenschaften  charakterisiert.  Für  die  Simulation  wurden  realistische
Antriebsdaten  der  Jahre  1995,  2000  und  2006  benutzt,  um  den  Einfluss  von

7  Konsumenten  (Tiere,  Pilze,  viele  Bakterien)  verwenden  die  von  Produzenten  aufgebauten  organischen,
energiehaltigen  Stoffe  zu  ihrer  Ernährung  verwenden.  K.l.  Ordnung  sind  Pflanzenfresser,  K.  2.,  3.  und
höherer  Ordnung  sind  Fleischfresser.
8  Destruenten  sind  die  Zersetzer,  die  innerhalb  eines  Nahrungsnetzes  die  abgestorbenen,  organischen
Rückstände  der  Produzenten  und  Konsumenten  zu  anorganischen  Stoffen  abbauen  und  sie  wieder  den
Stoffkreisläufen  zuführen.
9  Eutrophierung  -  eutroph,  nährstoffreich  kommt  aus  dem  Griechischen  und  bedeutet  „gut  ernährt“.
Damit  wird  die  Zunahme  an  Nährstoffen,  besonders  von  Phosphor-  und  Stickstoffverbindungen,  in
einem  Gewässer  und  dadurch  bedingtes  übermäßiges  Wachstum  von  Wasserpflanzen  beschrieben.
10  Löslichkeit  ist  diejenige  Stoffmenge,  die  unter  zu  definierenden  Bedingungen  im  Lösungsmittel  löslich
ist.  Die  Löslichkeit  gasförmiger  Stoffe  in  Flüssigkeiten  nimmt  mit  zunehmender  Temperatur  stets  ab.
            
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