120 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1912.
küste trat auch noch die südwestliche, wenn auch geringer, hervor. Dabei zeigte
sich der Grad der Bewölkung überall etwas höher, als es den normalen Ver-
hältnissen entspricht. Heiteres Wetter wurde in größerer Ausdehnung nicht be-
obachtet. Nebel war viel häufiger; er stellte sich fast an der ganzen Küste und
an den meisten Tagen des Monats ein. Meldungen über Gewittererscheinungen
fehlten ganz. Stürmische Winde traten in größerer Verbreitung überhaupt
nicht auf; vereinzelt wurden steife und stürmische Winde nur am 11, und 21.
beobachtet.
Bis zum 20. Dezember war die Wetterlage nur mit Ausnahme des 13. und
14. charakteristisch durch hohen Luftdruck über Osteuropa und Depressionen
über Westeuropa. Bis zum 7. blieb an der Nordseeküste die Witterung ziemlich
mild, wogegen an der östlichen Ostseeküste und teilweise auch an der westlichen
leichter Frost herrschte, Die Winde blieben schwach und wehten fast unaus-
gesetzt aus südöstlichen Richtungen. Am 8. brachte ein Depressionsausläufer
den westlichen Gebietsteilen etwas Erwärmung, die jedoch schon am nächsten
Tage wieder nachließ. Am 10. trat auch in Osten Tauwetter ein, da unter dem
Einfluß eines über dem südlichen Kontinent gelegenen Hochdruckgebiets und
einer von der Biscayasee bis Nord-Skandinavien reichenden Depression die Winde
nach Süd bis Südwest herumgingen, Der 11. gewann dadurch größere Bedeutung
für das Küstengebiet, daß ein tiefes Minimum über Schottland erschien und teil-
weise ein starkes Auffrischen der Winde aus Südost zur Folge hatte; nur die
östliche Ostseeküste blieb ruhig. Das Minimum zog jedoch nordwärts ab, ent-
sandte aber am 12. einen Ausläufer nach dem südlichen Osten, unter dessen
Einfluß bei Winden meist aus südlichen Richtungen überall mildes Wetter
herrschte. Er wanderte ostwärts und lag am 13. über der östlichen und nörd-
lichen Ostsee, wogegen ein Keil hohen Drucks an seine Stelle vom Tage zuvor ge-
treten war. Der Ausläufer entwickelte sich zu einer Teildepression, die unter
Vertiefung nordostwärts abzog. Nunmehr bildete sich wieder die alte Wetterlage
aus, wo einem Hochdruckgebiet über Osteuropa Depressionen im Westen gegen-
über lagen, was bei ziemlich ruhigem und mildem Wetter bis zum 20. währte.
Am 21. trat ein durchgreifender Umschlag in der Wetterlage ein: das Hoch-
druckgebiet über Osteuropa war zurückgewichen, und tiefer Luftdruck bedeckte
fast ganz Europa, mit Ausläufern über dem Osten und Großbritannien. Die
Winde drehten unter starkem Auffrischen nach westlichen Richtungen und
brachten bei dem Vordringen der Ausläufer in östlicher Richtung auch dem
Osten erhebliche Erwärmung, so daß das Deutsche Küstengebiet in den Tagen
vom 20. bis 23. mit 5 bis 9 Grad die höchste Monatstemperatur aufwies. Bis
zum Monatsschluß zogen nun fortgesetzt Tiefdruckgebiete, getrennt durch keil-
förmige Gebiete hohen Druckes, über das Küstengebiet hin, ohne daß wesentliche
Änderungen in der milden und niederschlagsreichen Witterung eingetreten wären,
Am letzten Monatstage stellte sich an der Ostseeküste unter dem Einfluß eines
Hochdruckgebiets über Zentraleuropa wieder mäßiger Frost ein. Das mittlere
Ostseegebiet hatte an diesem Tage mit 2 bis 3 Grad unter Null die tiefste
Monatstemperatur, während sich im äußersten Osten die größte Kälte mit noch
tieferen Temperaturen zu Anfang des Monats eingestellt hatte.
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