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11 Anhang
Obwohl Scheele zeitlich früher als Priestley den Sauerstoff entdeckte, kamen seine
Ergebnisse später an die Öffentlichkeit.
Der Sauerstoff war entdeckt, doch seine Bedeutung bei der Verbrennung noch nicht
verstanden. Seine Mitwirkung bei Oxidationen und bei Atmungsvorgängen wurde von
dem französischen Chemiker Antoine Lavoisier 47 erst im Jahr 1775 genau erklärt. Von
ihm stammt auch der französische Name Oxygène (von griech. oxÿs = „sauer“), da er
irrtümlich angenommen hatte, dass Sauerstoff Bestandteil aller Säuren ist.
Vorkommen
Die atmosphärische Luft besteht aus einer Mischung von Gasen. Die Hauptgase sind
Stickstoff und Sauerstoff, wobei etwa vier Teile Stickstoff auf einen Teil Sauerstoff
kommen. Der Rest, knapp über 1 % der Gasmenge, besteht aus Kohlendioxid und
seltenen Gasen, wie Argon, Helium und Neon, die man auch Edelgase nennt. Tabelle
11.2 auf Seite 153 gibt die Zusammensetzung der trockenen, wasserdampffreien Luft in
Bodennähe wieder. In der Luft hält sich der reaktionsfreudige Sauerstoff auf Dauer nur
wegen der Tatsache, dass es auf der Erde Lebewesen gibt, die Sauerstoff produzieren -
andernfalls würde er nur in Verbindungen Vorkommen. Häufig kommt er in
Verbindungen mit anderen Elementen als Oxid oder in Lorm von Salzen der Sauerstoff-
Säuren vor. So liegt der Sauerstoff in gebundener Lorm im Wasser und in der festen
Erdkruste vor. Eine kleine Menge des Gases ist in Gewässern gelöst.
Biologische Bedeutung
Sauerstoff wird von Cyanobakterien 48 , Algen und Pflanzen bei der oxygenen
Photosynthese aus Wasser freigesetzt. Alle anderen Lebewesen, außer den anaeroben 49 ,
- also auch der Mensch - benötigen heute diesen Sauerstoff in Lorm von O2 für ihren
Stoffwechsel.
47 Antoine Laurent de Lavoisier (*1743 Paris, + 1794 ebenda) war einer der Begründer der neuzeitlichen
Chemie.
48 Cyanobakterien (auch Blaualgen genannt) sind Bakterien, die die Fähigkeit zur oxygenen Photosynthe
se besitzen.
49 Anaerobier sind die Lebewesen, die für ihren Stoffwechsel nicht auf Sauerstoff angewiesen sind.