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Objekt : Tsunami - Untersuchungen für die deutsche Nordseeküste

Die  Küste,  72  (2007),  65-103
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den  Entstehungsprozess  festgelegter  Periode  ist  in  Küstennähe  nicht  mehr  gültig,  da  Reibungseinflüsse ­
  die  Periode  eher  zu  einer  Funktion  des  Ortes  machen  (Sabatier,  1986).
Auch  in  anderer  Hinsicht  ist  die  Betrachtung  von  Tsunami  als  einfache  Welle  ein  grobes
Bild.  Trotz  eines  relativ  schmalen  Spektrums  ist  ein  Tsunami  eine  Überlagerung  einfacher
Wellen  verschiedener  Perioden.  Als  solcher  wurde  er  als  Soliton  beschrieben.  Diese  bewahren ­
  ihre  Gesamtform  trotz  bedeutender  Nichtlinearitäten,  indem  deren  Einfluss  durch  Dispersion ­
  (Formänderung  des  zusammengesetzten  Signals  durch  die  unterschiedliche  Ausbreitungsgeschwindigkeit ­
  einzelner  Wellen)  kompensiert  wird.  Ein  Soliton  wird  daher  gut  durch
Boussinesq-Gleichungen  beschrieben.  In  tatsächlichen  Tsunami  ist  ein  solches  Gleichgewicht ­
  jedoch  selten  gegeben.  Ein  Soliton  ist  auch  deshalb  kein  gutes  Modell  für  einen  Tsunami, ­
  weil  er  ein  positives  Signal  ist  und  so  das  an  der  Küste  oft  beobachtete  anfängliche
Zurückweichen  (Wellental)  des  Wassers  nicht  reproduziert.
Die  Entstehungsregion  von  durch  Erdbeben  erzeugten  Tsunami  liegt  oft  in  tiefem  Wasser, ­
  und  die  Anfangsauslenkung  der  Wasseroberfläche  ist  oft  impulsartig.  Eine  Anfangsoberflächenauslenkung
  in  Form  einer  Deltafunktion  entwickelt  in  inkompressiblen,  reibungsfreien ­
  Medien  eine  Gestalt,  die  durch  eine  Airy-Funktion  beschrieben  werden  kann.
Die  erste  Auslenkung  dieser  Funktion  ist  wie  gewünscht  negativ  (Gill,  1982).  Eine  andere
Möglichkeit,  ein  führendes  Wellental  zu  erzeugen,  bietet  die  Berücksichtigung  der  Zähigkeit
des  Wassers.  In  einer  zähen  Flüssigkeit  wird  die  Dissipation  und  nichtlineare  Ausbreitung
eines  schockartigen  Signals  im  einfachsten  eindimensionalen  Fall  durch  eine  nichtlineare  Diffusionsgleichung ­
  (Burgers-Gleichung,  BURGERS,  1974)  für  das  skalare  Geschwindigkeitspotential ­
  beschrieben  (Whitham,  1999).  Bei  geeigneter  Anfangsverteilung  produziert  ihre
Lösung  mit  der  Zeit  eine  nach  ihrer  Form  N-Welle  genannte  Oberflächenauslenkung,  die
ebenfalls  ein  führendes  Wellental  aufweist.
Doch  auch  dies  ist  nicht  immer  eine  richtige  Beschreibung  von  Tsunami.  Bei  Hangrutschungen ­
  ist  die  Zeit  der  Bodenbewegung  relativ  lang,  und  eine  hydrostatische  Theorie
beschreibt  die  Anfangsphase  des  Tsunami  angemessen.  Modellrechnungen  haben  gezeigt,
dass  sich  in  diesem  Fall  zu  Beginn  ein  Wellenberg  gefolgt  von  einem  Wellental  seewärts
bewegt  (Ward,  2002).  Im  näheren  Fernfeld  können  sich  dann  solitäre  Wellen  bilden  (Rubino
et  ah,  1998).
Zusammenfassend  ist  ein  Tsunami  allenfalls  in  begrenzten  Entwicklungsphasen  als  einzelne ­
  Welle  oder  als  Wellenzug  analytisch  beschreibbar.  In  den  Modellsimulationen  der
Abschnitte  4  und  5  wurde  mit  einem  Wellenzug  aus  drei  positiven  Einzelsignalen  der  Form
u  =  H  \Jgh/h  sin 2  (2  772nt)  für  die  Geschwindigkeit  und  17  =  uh/  \j  gh  für  die  Oberflächenauslenkung ­
  des  einlaufenden  Signals  eine  möglichst  einfache  und  in  ihrer  Modifikation  leicht
nachvollziehbare  Darstellung  gewählt.

3.  M  o  d  e  11  k  o  n  z  e  p  t  e
Für  den  Pazifik  und  das  Mittelmeer  gibt  es  bereits  seit  langem  Modelle  zur  Tsunamivorhersage. ­
  Aber  auch  für  den  Nordatlantik  und  die  Norwegische  See  wurden  Modelle  entwickelt ­
  und  Untersuchungen  durchgeführt.  Naturgemäß  sind  die  Arbeiten  auf  diesem  Gebiet
nach  dem  Dezember  2004  intensiviert  worden  (Geist  et  ah,  2006;  Buch  et  ah,  2005;  Ker-RIDGE,
  2005;  Smallman,  2006).  Selbst  für  die  deutsche  Küste  wurde  die  Frage  gestellt:  Was
können  vorhandene  Modelle,  insbesondere  die  der  Wasserstandsvorhersage  am  BSH,  leisten,
und  wie  könnte  ein  Konzept  für  eine  optimale  Modellierung  des  Wasserstands,  inklusive
hypothetischer  Tsunami,  an  der  deutschen  Nordseeküste  aussehen  (Bork  et  ah,  2007)?
            
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