Die Küste, 72 (2007), 65-103
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Abb. 24: Wasserstandsverteilung (Eingangssignal: 3 positive Einzelsignale, Wellenhöhe 5 m,
aus Westen, „Nordsee 2 km“)
Links: nach 6 Stunden bei realistischer Tiefenverteilung (T 1800 s)
Rechts: nach 9 Stunden bei realistischer Tiefenverteilung (T 1800 s)
5.5 Signal aus Norden mit extremer Sturmflut
(sowie Gezeit und Fernwelle)
Bis jetzt unberücksichtigt blieb, dass in der Nordsee ein Tsunami nicht in ruhendes
Wasser einläuft, sondern auf von Gezeiten und Wind geprägte Strömungen und Wasser
stände trifft. Hauptanteile von Gezeit und Tsunami liegen in den Perioden relativ weit aus
einander, daher ist eine starke Wechselwirkung nicht zu erwarten. Trotzdem können beide
Einflüsse nicht einfach addiert werden. Ähnliches gilt auch für das Zusammentreffen von
Sturmfluten und einlaufendem Tsunami.
Da zum Zeitpunkt der hier vorgestellten Modellrechnungen der meteorologische An
trieb noch nicht an die neue Version (Modell „Nordsee 2 km“) angepasst worden war, wurde
das derzeitige zweidimensionale barotrope Modell der Nordsee und der westlichen Ostsee
mit einer horizontalen Auflösung von etwa 10 km (Nordsee 10 km, JANSSEN, 1996) genutzt,
um einen Eindruck von der Wechselwirkung mittellanger Wellen mit Gezeit und Sturmflut
zu geben.
Zunächst wurden dazu die Simulationen mit realistischer Topographie aus Abschnitt 5.3
mit gleichem Eingangssignal und wie dort ohne Gezeit und ohne meteorologischen Antrieb
wiederholt (Abb. 9 links). Die Ergebnisse unterscheiden sich zwar in Ausbreitungsgeschwin
digkeit und Signalhöhe in Cuxhaven (siehe Abschnitt 5.1), sind aber ähnlich genug, um mit
diesem Modell, Nordsee 10 km, das Zusammenwirken von Sturmflut, Fernwelle, Gezeit und
hypothetischem Tsunami zu demonstrieren.