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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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von Montevideo aus auf die günstige Route zu gelangen, als gute Reise be- 
trachteten. Auf 3° N-Br ging der Wind über Süd nach SW, und schon auf 
9° N-Br verloren wir am 30. August den südlichen Wind, 
In der Hoffnung, nördlich vom Aequator zwischen 20° und 25° W-Lg 
südliche Winde zu finden, hatte ich denselben erst auf ca 25° W-Lg geschnitten, 
wie in den für August und September in den „Ann. d. Hydr.“, 1877, Heft VII, 
pag. 368 und 371, veröffentlichten Karten des „Meteorological Office“ zu 
London empfohlen wird. Auf ca 8° N-Br wurde der Wind wider alles Erwarten 
westlich und drängte uns gegen die Kap Verde’schen Inseln, ganz im Gegensatz 
zu den oben angeführten Karten. Meine Spekulation, auf 8° N-Br nordwest- 
lichen Kurs zu nehmen, um den frischen Passat zwischen 25°—30° W-Lg zu 
erreichen, wurde dadurch vereitelt. 
Von 9° N-Br ab traten Windstille und alle Anzeichen ein, dass wir uns 
in den Doldrums befänden. Ich liess deshalb Dampf in zwei Kesseln aufmachen 
und langsam NNW-Kurs steuern. In den Doldrums fanden wir nur sehr 
schwache Gewitter, sehr wenig Regen und gar keinen Wind. Auf 14° N-Br 
trafen wir leichte veränderliche nördliche Winde, worauf die Maschine abgestellt 
und weiter gesegelt wurde; erst nachdem wir 16° N-Br auf ca 29° W-Lg ge- 
schnitten hatten, wehte eine äusserst schwache Passat-Brise. 
Ein Vergleich zwischen den am angeführten Orte in Aussicht gestellten 
und von uns wirklich gefundenen Wind-, Strom- und Temperatur- Verhältnissen 
zeigt, dass wir ganz ausserordentlich ungünstige Windverhältnisse im NE-Passat 
gefunden haben. Wir begegneten vielen Schiffen und überholten mehrere Mit- 
segler, welche Signale mit uns wechselten; alle meldeten dieselben ungünstigen 
Windverhältnisse. Wir hatten im NE-Passat nur ein einziges Etmal von mehr 
als 120 Sm aufzuweisen, während die meisten unter 100 Sm blieben. 
Der Passat war sehr unbeständig; am Tage ging er häufig bis zur Stärke 1—2 
herunter und frischte dann gewöhnlich bis zur Stärke 3 in den ersten Nacht- 
stunden auf, um gegen Morgen wieder still zu werden. Am 11. September auf 
26° N-Br und 34° W-Lg wurde es wieder ganz windstill, und, da wir nahezu 
an der Sommergrenze des NE-Passats angelangt waren, liess ich, um keine Zei 
zu verlieren, wiederum Dampf in zwei Kesseln aufmachen, um die Region der 
Windstillen und des Wendekreises schneller zu passiren, da ich, auf den flauen 
Passat schliessend, eine sehr breite Kalmenzone erwarten konnte. Dies erwies 
sich auch als richtig. Erst nachdem wir ca 350 Sm langsam in drei Tagen 
gedampft und verschiedene Male vergeblich versucht hatten, ob wir mit den 
Segeln irgend etwas ausrichten könnten, kam am 14. September leichter SE 
durch, worauf die Maschine sofort abgestellt und die Schraube wieder gelichtet 
wurde; Abends frischte der Wind bald bis zur Stärke 5 auf und am 17. Sep- 
tember passirten wir mit demselben zwischen den Inseln Fayal und Flores. 
Trotzdem wir ca 60 Sm von den Azoren entfernt blieben, fanden wir 
auf der Nordseite derselben nur sehr leichte Winde und am 18. September 
Windstille. Als am 19. September Abends das Schiff noch immer steuerlos 
in einer hohen nördlichen Dünung herumgeworfen wurde, entschloss ich mich 
noch einmal Dampf aufmachen zu lassen und langsam nördlich zu dampfen. 
Am 20. September, nachdem wir 18 Stunden gedampft hatten, kam endlich 
etwas leichte SW-Brise durch, worauf die Maschine sofort wieder abgestellt 
and die Schraube gelichtet wurde. Bemerkenswerth war der für diese Jahreszeit 
und Breite ungemein hohe Barometerstand zwischen 773 und 775mm. 
Der südwestliche Wind drehte aber schon am 21. September auf NW 
bis NNW, Stärke 5—6, und brachte uns mit einer täglichen Durchschnittsfahrt 
von 200 Sm in vier Tagen vor den englischen Kanal; während dieser Tage 
wurde täglich eine südliche Stromversetzung von 23 bis 29 Sm beobachtet, und 
sogar noch auf der Lothungsbank vor dem Kanal hatten wir am 25, September 
eine südliche Stromversetzung von 30 Sm, wie Nachmittags durch Beobachtungen 
nach der Sumner’schen Methode festgestellt wurde. Mittags - Beobachtungen 
konnten des dicken Nebels wegen nicht gemacht werden. 
Da der Wind immer mehr nach Norden drängte und das Wetter sehr 
dick und drohend aussah, das Barometer anhaltend fiel und astronomische 
Observationen nicht zu erhalten waren, sO liess ich, um nicht Tage lang ohne 
genaues Besteck bei unbekannten Stromverhältnissen und schlechtem Wetter 
Ann, d. Hydr., 1878, Heft XI (November).
	        
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