Zur Kartographie der Brasilianischen Provinz Santa Catharina.
Von Dr, Henry Lange.
(Mit einer Karte und einer Skizze.)
Seit Hauptmann Woldemar Schultz mit seiner Karte „Die kaiserlich
Brasilianische Provinz Santa Catharina mit den angrenzenden Theilen der Pro-
vinzen Parana und Rio Grande do Sul, Dresden, 1865“ hervortrat, ist auf dem
Gebiet topographischer Forschung von deutschen und brasilianischen Ingenieuren
manche schätzenswerthe Arbeit geliefert worden, AKEine kritische Sichtung des
uns vorliegenden Materials führt zu der Ueberzeugung, dass die zu seiner Zeit
mit grossem Fleiss und mit eigenen Geldopfern hergestellte Karte des Haupt-
manns Schultz nicht mehr brauchbar ist. Aber wir müssen auch eingestehen,
dass trotz des unten angeführten reichen Materials, das uns zur Verfügung
stehende, noch nicht genügt, um eine ganz korrekte Karte zu konstruiren. Es
fehlt namentlich an zuverlässigen Längenbeobachtungen an der Küste.
Die besten Karten von der Küste der Provinz Santa Catharina sind un-
streitig die von dem Fregatten-Kapitän Mouchez!) aus den Jahren 1867 und
1868. Die bedeutenden deutschen Niederlassungen Blumenauw und S. Francisco
veranlassten die brasilianische Regierung, durch deutsche und brasilianische
Feldmesser und Ingenieure vielfache Vermessungen einzelner Theile der Provinz
vornehmen zu lassen. Im Flussgebiet des Ztajahj, des grössten von den Flüssen
der Provinz, welche sich in den Atlantischen Ocean ergiessen, hat Herr
Odebrecht seit vielen Jahren mit gutem Erfolg gearbeitet, und danken wir
ihm manche schätzenswerthe Aufnahme. Der Ztajahıf erhält durch seine Karten
eine ganz veränderte Gestalt, als die auf der Karte von Schultz und auf anderen
uns bekannten Karten. Schreitet man aber zu dem Versuch, das vorhandene
Kartenmaterial zu verarbeiten, so tritt als schwer auszugleichender Fehler: ein
Längenunterschied von ca 4 Sm hervor.
Da das Küstengebiet dor Provinz Santa Catharina durch den sich mehr
und mehr ausbreitenden Handel, der durch die hier anwachsenden ‚deutschen
Ansiedelungen getragen wird, ein erhöhtes Interesse beanspruchen darf, schien
os uns der Mühe werth, die Seefahrer durch die diesen Notizen beigegebene
Karte auf die grosse Unsicherheit der Küstenlinie aufmerksam zu machen und
somit die Anregung zu einer berichtigenden Küstenaufnahme oder Längen-
korrektion der Karte zu geben.
Das folgende Kartenmaterial lag uns für unsere Karte vor:
a. Publieirte Karten:
i. Die oben genannte Karte von Schultz. Maassstab 1:1 000 000.
Diese Karte stützt sich auf Material, welches Schultz während seines
Aufenthaltes in Brasilien gesammelt hat, und auf seine eigenen Aufnahmen.
2. „Provinz de S. Catharina“. Blatt XIX. im „Atlas do Imperio do
Brazil“ von Candido Mendes de Almeida. Rio de Janeiro 1868,
Diese Karte fusst augenscheinlich auf ganz altes Material und ist zu einer
Bearbeitung einer neuen Karte nicht verwendbar.
3) Jetzt Admiral und Direktor der Pariser Sternwarte.
Ann. d. Hydr., 1878, Heft XI (November).