A792
ungefähr 60 Sm von der Syrischen Küste entfernt, und ist in der Richtung
ONO—WSW ungefähr 124 Sm lang; an ihrer breitesten Stelle, zwischen den
Kaps Gata (Gatto), im Süden, und Kormakiti, im Norden, ist sie 60 Sm
breit; ihr nordöstliches Ende wird durch eine 38 Sm lange und 3 bis 8 Sm
breite, spitz zulaufende gebirgige Halbinsel gebildet. Ihr Flächeninhalt beträgt
5342 Okm.
{n geographischem Sinne besteht die Insel Cypern aus drei von einander
getrennten Regionen, nämlich einer Gebirgskette im Norden, einer bergigen
Zone im Süden und einer Ebene zwischen diesen beiden Berggegenden, welche
deshalb Mesorea d. h. „Zwischen den Bergen“ (nicht Messaria wie in der B. A.
K. No. 2074 angegeben ist) heisst.
Der nördliche Gebirgszug (Kerynia-Gebirge genannt) erstreckt sich längs
der ganzen Nordküste vom Kap Kormakiti bis zum Kap St. Andreas, 103 Sm lang;
zwischen ihm und der Küste ist ein schmaler Streifen meist flachen Landes,
welcher aber an manchen Stellen steile Abhänge bildet und unzugänglich ist.
Die Seeküste ist bebaut, besonders bei der Stadt Kerynia, und das Klima ist
hier weniger heiss, als in anderen Theilen der Insel. Der Gebirgszug wird aus
Jura-Kalkstein gebildet und ist durch plutonische Gesteine (Grünstein) an ver-
schiedenen Stellen durchbrochen; diese bilden die höchsten Gipfel des Gebirges
von 457 bis 1018m Höhe. Der höchste Berg ist der St. Elias - Berg, 1018m
hoch; auf der Karte von Kapt. Graves, B. A, K. No. 2074 (Tit. V, No. 192),
ist dieser Berg nicht benannt, dagegen der dicht dabei liegende, 856m hohe
Berg als Mt. Elias bezeichnet.
Die südliche bergige Zone ist bei weitem ausgedehnter, als die nördliche
und hat auch höhere Gipfel aufzuweisen, Der höchste Berg ist der Troödos oder
Troados (der Chinodes der Alten), 1940m hoch; in der Karte von Kapt. Graves
ist er als Olymp der Alten und zu 2010m Höhe angegeben.!) An seinen Ab-
hängen befanden sich die berühmten alten Kupferbergwerke der Insel Cypern,
Von ihm aus gehen strahlenförmig nach verschiedenen Richtungen hin Bergzüge
aus; der westliche derselben endet in dem westlichsten Vorgebirge der Insel,
dem Kap Epifani oder Arnauti (Acamas Promont. der Alten). Kin östlicher
Bergzug verbindet den Troödos mit dem Doppelgipfel der „Adelphi“ (1633m
hoch), östlich von denen der Makhaeras (Aoos) sich bis 1321m Höhe erhebt;
noch weiter östlich werden die Berge immer niedriger und verlaufen schliess-
lich in einem Flachlande, welches bei Kap Greco (Grego) das Meer erreicht,
Nur 12 Sm von Larnaka ist der vereinzelte Berg Stavro Vuni oder
Berg vom Heiligen Kreuz (Olymp der Alten), 670m hoch; in seiner Nähe sind
viele Eisenerz-Lager vorhanden.
Die „Mesorea“ erstreckt sich zwischen diesen beiden Bergzügen von der
Pandaia-Bai von Westen bis Famagosta (Famagousta) von Osten.
Leukosia oder Nikosia, die Hauptstadt der Insel, liegt in der Mitte dieser
fruchtbaren, aber baumlosen Ebene, ca 120m über dem Meeresspiegel; früher
hatte diese Stadt eine grosse Bevölkerung, jetzt zählt sie ca 13000 Einwohner.
Die ganze Insel hat keinen schiffbaren Fluss; die meisten Flüsse erreichen
nicht einmal das Meer, indem ihr Wasser zu Zwecken der Bewässerung ver-
wendet, oder in Sümpfen (swamps) nahe der Seeküste gesammelt wird.
Fast die ganze Nordküste ist felsig und steil abfallend, und auch im
Süden, wo der Strand meist sandig ist, ist die Tiefe des Wassers, in einer
Entfernung von nur 2 Sm vom Lande, über 183m (100 Faden). Die Küste hat
mehrere Buchten, Rheden, Ankerplätze, aber keinen eigentlichen geschützten
Hafen (s. unten pag. 476).
Die Berge sind im Allgemeinen dicht bewaldet, hauptsächlich von Fichten
and Cypressen bewachsen. Aus diesen Wäldern wird gegenwärtig viel Brennholz
nach Alexandrien verschifft. In früheren Jahren haben grosse Waldungen einen
zrossen Theil im Süden der Insel bedeckt; in Folge ihrer Ausrodung und der Aus-
breitung der Salzwasser-Lagunen und Sümpfe längs der Küste und landeinwärts,
1) Die Höhen der Insel Cypern sind von Kapt. Graves, von I. Br. M.S, „Volage“ (1849),
von Mas Latrie (1863), Gaudry (1852), Kotschy und Unger (1865) bestimmt und weichen zum
Fheil sehr von einander ab, In den obigen Höhenangaben sind meist die Durchschnittszahlen der
verschiedenen Messungen gegeben.
Ann. d. Hyrdr.. 1878. Heft X (Oktober)