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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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ungefähr 60 Sm von der Syrischen Küste entfernt, und ist in der Richtung 
ONO—WSW ungefähr 124 Sm lang; an ihrer breitesten Stelle, zwischen den 
Kaps Gata (Gatto), im Süden, und Kormakiti, im Norden, ist sie 60 Sm 
breit; ihr nordöstliches Ende wird durch eine 38 Sm lange und 3 bis 8 Sm 
breite, spitz zulaufende gebirgige Halbinsel gebildet. Ihr Flächeninhalt beträgt 
5342 Okm. 
{n geographischem Sinne besteht die Insel Cypern aus drei von einander 
getrennten Regionen, nämlich einer Gebirgskette im Norden, einer bergigen 
Zone im Süden und einer Ebene zwischen diesen beiden Berggegenden, welche 
deshalb Mesorea d. h. „Zwischen den Bergen“ (nicht Messaria wie in der B. A. 
K. No. 2074 angegeben ist) heisst. 
Der nördliche Gebirgszug (Kerynia-Gebirge genannt) erstreckt sich längs 
der ganzen Nordküste vom Kap Kormakiti bis zum Kap St. Andreas, 103 Sm lang; 
zwischen ihm und der Küste ist ein schmaler Streifen meist flachen Landes, 
welcher aber an manchen Stellen steile Abhänge bildet und unzugänglich ist. 
Die Seeküste ist bebaut, besonders bei der Stadt Kerynia, und das Klima ist 
hier weniger heiss, als in anderen Theilen der Insel. Der Gebirgszug wird aus 
Jura-Kalkstein gebildet und ist durch plutonische Gesteine (Grünstein) an ver- 
schiedenen Stellen durchbrochen; diese bilden die höchsten Gipfel des Gebirges 
von 457 bis 1018m Höhe. Der höchste Berg ist der St. Elias - Berg, 1018m 
hoch; auf der Karte von Kapt. Graves, B. A, K. No. 2074 (Tit. V, No. 192), 
ist dieser Berg nicht benannt, dagegen der dicht dabei liegende, 856m hohe 
Berg als Mt. Elias bezeichnet. 
Die südliche bergige Zone ist bei weitem ausgedehnter, als die nördliche 
und hat auch höhere Gipfel aufzuweisen, Der höchste Berg ist der Troödos oder 
Troados (der Chinodes der Alten), 1940m hoch; in der Karte von Kapt. Graves 
ist er als Olymp der Alten und zu 2010m Höhe angegeben.!) An seinen Ab- 
hängen befanden sich die berühmten alten Kupferbergwerke der Insel Cypern, 
Von ihm aus gehen strahlenförmig nach verschiedenen Richtungen hin Bergzüge 
aus; der westliche derselben endet in dem westlichsten Vorgebirge der Insel, 
dem Kap Epifani oder Arnauti (Acamas Promont. der Alten). Kin östlicher 
Bergzug verbindet den Troödos mit dem Doppelgipfel der „Adelphi“ (1633m 
hoch), östlich von denen der Makhaeras (Aoos) sich bis 1321m Höhe erhebt; 
noch weiter östlich werden die Berge immer niedriger und verlaufen schliess- 
lich in einem Flachlande, welches bei Kap Greco (Grego) das Meer erreicht, 
Nur 12 Sm von Larnaka ist der vereinzelte Berg Stavro Vuni oder 
Berg vom Heiligen Kreuz (Olymp der Alten), 670m hoch; in seiner Nähe sind 
viele Eisenerz-Lager vorhanden. 
Die „Mesorea“ erstreckt sich zwischen diesen beiden Bergzügen von der 
Pandaia-Bai von Westen bis Famagosta (Famagousta) von Osten. 
Leukosia oder Nikosia, die Hauptstadt der Insel, liegt in der Mitte dieser 
fruchtbaren, aber baumlosen Ebene, ca 120m über dem Meeresspiegel; früher 
hatte diese Stadt eine grosse Bevölkerung, jetzt zählt sie ca 13000 Einwohner. 
Die ganze Insel hat keinen schiffbaren Fluss; die meisten Flüsse erreichen 
nicht einmal das Meer, indem ihr Wasser zu Zwecken der Bewässerung ver- 
wendet, oder in Sümpfen (swamps) nahe der Seeküste gesammelt wird. 
Fast die ganze Nordküste ist felsig und steil abfallend, und auch im 
Süden, wo der Strand meist sandig ist, ist die Tiefe des Wassers, in einer 
Entfernung von nur 2 Sm vom Lande, über 183m (100 Faden). Die Küste hat 
mehrere Buchten, Rheden, Ankerplätze, aber keinen eigentlichen geschützten 
Hafen (s. unten pag. 476). 
Die Berge sind im Allgemeinen dicht bewaldet, hauptsächlich von Fichten 
and Cypressen bewachsen. Aus diesen Wäldern wird gegenwärtig viel Brennholz 
nach Alexandrien verschifft. In früheren Jahren haben grosse Waldungen einen 
zrossen Theil im Süden der Insel bedeckt; in Folge ihrer Ausrodung und der Aus- 
breitung der Salzwasser-Lagunen und Sümpfe längs der Küste und landeinwärts, 
1) Die Höhen der Insel Cypern sind von Kapt. Graves, von I. Br. M.S, „Volage“ (1849), 
von Mas Latrie (1863), Gaudry (1852), Kotschy und Unger (1865) bestimmt und weichen zum 
Fheil sehr von einander ab, In den obigen Höhenangaben sind meist die Durchschnittszahlen der 
verschiedenen Messungen gegeben. 
Ann. d. Hyrdr.. 1878. Heft X (Oktober)
	        
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