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Am 16. Mai wurde die Bark in 39,0° N-Br und 55° W-Lgy von einem orkan-
artigen Sturm heimgesucht. Der mit Stärke 4 aus Ost beginnende Wind drehte
sich im Laufe des Etmals südlich und nahm an Stärke zu, bis er von SE die
Stärke 11 erlangt hatte. Hiermit hatte der Wind seine grösste Heftigkeit er-
reicht. Dabei fiel ein starker Regen, und die See ging sehr hoch. Der Luft-
druck betrug um diese Zeit 749,5mm. Er hatte damit aber keineswegs das
yeringste Maass erreicht, indem vielmehr, bei erst südwestlich laufendem und
dann wieder zurückdrehendem, abnehmendem Winde das Barometer bis auf
747,1mm herunter sank. Bei einem durchschnittlichen Luftdruck von 748mm
war das Wetter in den nächstfolgenden 4 Tagen sehr unbeständig. Der Wind
war dabei vorherrschend südöstlich, aber meistens sehr leicht; und da gloich-
zeitig eine hohe See vorhanden war, in der das Schiff schwer stampftie, so
konnte selbiges nur geringen Fortgang machen. Am Morgen des 19. Mai
wurden an 20 Wasserhosen gesehen, von denen einige nahe am Schiff vorbei
kamen. Unter diesen Witterungsverhältnissen war das Schiff mit dem inzwischen
bis NE gelaufenen Winde nach 50° W-Lg in 40,8° N-Br am 22. Mai gelangt.
Am vorhergehenden Tage hatte der Golfstrom 29 Sm nach S84° E gesetzt,
Von jetzt an wurde die Gelegenheit eine günstigere, indem mit vorherrschend
lebhaften SE-Winden die Reise auf der Route nördlich um Schottland gefördert
werden konnte, bis man nach 32° W-Lg in 52° N-Br gekommen war. Hier lief
der Wind östlich und wehte für die Dauer eines Etmals als Sturm (10) von
ENE, wobei das Barometer mit 738,2mm seinen tiefsten Stand einnahm, Aus
dem abnehmenden Sturm entwickelte sich ein steifer NE-Wind, der unausgesetzt
2 volle Wochen die Herrschaft behielt und somit die Reise der Bark sehr in
die Länge zog. 20° W-Lg wurde am 11, Juni in 56° N-Br geschnitten. Am 15. Juni
endlich setzten die ersehnten westlichen Winde ein, mit denen Fair-Island am
Abend des 19. Juni passirt wurde. Beim Eintritt in die Nordsee stellten sich
schon wieder SE-Winde ein, gegen welche natürlich gekreuzt werden musste.
Am Mittag des 21, Juni stand die „Anna Thormann“ in 58° 38‘ N-Br und 0° 21“
O-Lg. Der weitere Verlauf der Reise ist nicht angegeben, indem an diesem
Tage das Wetterbuch seinen Abschluss findet. Swinemünde wurde am 2, Juli
erreicht naeh einer Reise von 56 Tagen.
10. Reise der Hamburger Brigg „Helios‘“, Kapt. J. F. Keller,
Die Hamburger Brigg „Helios“, Kapt. Keller stand auf ihrer Reise von
Hamburg nach Cabenda (Westküste von Afrika) am 8. September 1877 in 48,1° N-Br
und 9,4° W-Lg. Bei lebhaftem, östlichem Winde war das Wetter trübe und
regnerisch. Bis zum 15. September konnte die Reise wegen der bald eintretenden
SW-Winde nicht besonders gefördert werden. An diesem Tage kam indess
leichter Ostwind durch, der nach und nach von NE auffrischte und das Schiff
am 19. September nach 40° N-Br in 16,0° W-Lg führte. Nachdem darauf noch-
mals während 4 Tagen mässiger NW-Wind geweht hatte, kam wieder NE-Brise
durch, die man als den Passat betrachten kann, dessen Grenze in 32° N-Br zu
legen sein dürfte. Auf der östlich der Kap Verde’schen Inseln weiter ausgeführten
Reise war der Passatwind nur mässig., In etwa 11° N-Br trat völlige Wind-
stille ein, auf welche ein SW-Wind folgte, mit welchem 10° N-Br am 6. Oktober
in 19,5° W-Lg gekreuzt wurde. Als noch einmal in ungefähr 8° N-Br ein
schwacher Nordwind sich Geltung verschafft hatte, kam am nächsten Tage in
7,5° N-Br und 17,8° W-Lg ein schwacher SW-Monsun durch, der dann auch
schliesslich die Brigg an ihr Reiseziel führte. In 0,6° W-Lg passirte das Schiff am
23. Oktober den Aequator. Die Guineaströmung wurde von keiner Bedeutung
gefunden, indem dieselbe nur einmal, am 17. Oktober in 3,5° N-Br und 9,8° W-Lg,
12 Sm stark beobachtet wurde. An den andern Tagen war wenig oder gar
keine Strömung bemerkt. In 3° S-Br und 7,6° O-Lg gewahrte man stellenweise
starke Stromkabbelung, und die gefundene Strömung betrug an diesem Tage 14Sm
nach SE. Als man sich der Küste mehr näherte, sah man in 5,5° S-Br und
11,3° O-Lg grosse Flächen Seetang und viele Baumstämme treiben, während das
Wasser eine dunkelgelbe Farbe angenommen hatte. Am Mittage des 7, Novem-
ber sichtete man die Küste, welche ca 12 Sm entfernt war. Die Farbe dos
Meeres war braungelb. Um 7* p.m. ankerte der ‚„, Helios“ in der Cabenda-Bucht
nach einer Reise von 74 Taven seit Hambura