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wehte. Dio Witterung war dem entsprechend veränderlich, bald schön, bald
trübe. Beim Schneiden des 40. Längengrades am 19. Juni in 42,9° N-Br wehte
ein frischer NE-Wind, während von hier bis 30° W-Lg und 44,5° N-Br am
23. Juni die Reise durch frische SW- Winde beschleunigt werden konnte. Mit
vorherrschenden frischen, von Regenböen begleiteten nordwestlichen Winden
yelangte das Schiff am 29. Juni nach 10° W-Lg in 48,8° N-Br, worauf der Wind,
allmählich durch SW und Süd gehend, eine östliche Richtung annahm und ein
langsameres Weiterkommen des Schiffes bedingte. Am Abend des 2, Juli wurde
sach einer Reise von 27 Tagen die Länge von Lizard passirt.
5. Reise der Memeler Brigg „Dorothea“, Kapt. M. Zessin,
Die Brigg „Dorothea“, Kapt. M. Zessin, passirte Helgoland am 5. Okto-
ber 1877, von Hamburg nach Mayaguez (Porto Rıco) bestimmt. Sie befand sich
am 11. Oktober unter Lizard bei einem mässigen NW-Winde und schönem
Wetter. Den 14. Oktober in 48,8° N-Br und 9,6° W-Lg nahm das Wetter
einen drohenden Charakter an. Der Wind wehte stürmisch aus SW, und die
See lief wild durcheinander. Um 8 p. m. war der Luftdruck 737,4mm, nach-
dem eine halbe Stunde vorher der Wind von SW auf NW gesprungen war und
mit Stärke 11 wüthete. Derselbe behielt diese Stärke bei bis 4* a, m., zu
welcher Zeit er nach und nach mässiger wurde, Das Barometer war dagegen
schon seit 8° p. m. im stetigen schnellen Steigen begriffen. Es zeigte bereits
um 12% p. m. 750,6mm und um 4* a. m. 755,9mm. Nachdem der Sturm all-
mählich nördlich abgeflaut war, kamen am anderen Tage mässige SE-Winde
durch. Bei weiterer Drehung des Windes nach West wurde das Wetter trübe
und regnerisch. Der Wind war allerdings nur schwach, doch liess eine bedeutende
WNW-Dünung auf stärkeren Wind schliessen, der sich dann auch bald einstellte.
40° N-Br kreuzte die Brigg am 238. Oktober in 14,5° W-Lg. Am 27. Oktober
zichtete man in SWzS Madeira. Der zur Windstille herabgesunkene Wind kam
in der nächsten Nacht von Ost wieder durch. Bei schönem Wetter lief der
Wind unter mässiger Stärke in den folgenden vier Tagen allmählich nach Süd
und wurde dann veränderlich, bis ein mässiger Nordwind die Oberhand gewann,
mit dem 30° N-Br reichlich westlich am 2. November in 26,9° W-Lg geschnitten
wurde. Nun stellte sich bald ein beständiger Passatwind ein, dessen nördliche
Grenze in diesem Falle etwa in 28,9° N-Br zu legen sein dürfte. Mit dem
mässigen Passatwinde wurde die Reise fortgesetzt und fast in gerader Linie
auf das Ziel derselben zugesteuert, bis am 20. November Nachts 12 Uhr die
Westspitze von Porto Rico sich in SWzS 4 Sm entfernt befand. Schon während
der letzten vier Tage, welche man nördlich der Insel zubrachte, war der Wind
Jau und unbeständig. KEr behielt auch diese Eigenschaften bei, nachdem die
Westspitze von Porto Rico erreicht war, in Folge dessen die „Dorothea“ erst
am 22. November in dem Hafen von Mayaguez Anker werfen konnte, nach
einer Reise von 47 Tagen seit dem Abgange von Hamburg.
Von Mayaguez versegelte die „Dorothea“ nach Wilmington am 6. December,
Mit einem lebhaften Passatwind gewann man bei nordnordwestlichem Kurse
bald einen ziemlichen Abstand vom Lande, und um 4* p. m. war die Insel
Desecheo in 8?/40 36 Sm entfernt. Der anfangs recht frische Passat nahm mit
Zunahme der geographischen Breite allmählich ab, bis die Brigg am 13. Decem-
ver die Region desselben verliess und in das Gebiet der vorherrschenden West-
winde übertrat. Dieses geschah in 28,5° N-Br und 77,2° W-Lg; doch konnten
die Westwinde nicht recht durchkommen; sie wehten nur mässig und wurden
durch NE- und Süd-Winde mehrmals verdrängt. In das Bereich des Golfstromes
trat das Schiff in ungefähr 77° W-Lg und 32° N-Br, von wo derselbe auf
den Fortgang der Reise fördernd mit einwirken konnte. Am 19. December
ankerte das Schiff bei Smithville und hatte somit die 1100 Sm von Mayaguez
in 12 Tagen zurückgelegt.
Den 19. Januar 1878 verliess die „Dorothea“ mit leichtem NE-Wind
Smithville-Rhede und passirte Fryingpan Shoal-Feuerschiff um 11/2" a. m. Ihr
Bestimmungshafen war Liverpool. Der leichte östliche Wind drehte langsam
südlich, und schon am zweiten Tage der Reise erhob sich ein lebhafter SW-
Wind. der, unterstützt vom Golfstrom, das Schiff rasch seinem Ziele näher