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Winden bis 52° W-Lg in ungefähr 39° N-Br gekommen war, wurde die Bark
gezwungen, drei Tage hindurch gegen eine steife Östliche Brise und eine lange
hohe östliche Dünung anzukreuzen, wobei 50° W-Lg in 40,2° N-Br am 17. Mai
geschnitten wurde. Im Verlauf der Reise wechselten die Winde fast regel-
mässig und wehten mehrere Tage entweder von SW, oder SE. Dabei hatte das
Wetter seinen gewöhnlichen Frühlings-Charakter, indem leichte Regenschauer
und trübe Witterung bei den SW-Winden, dagegen schönes klares Wetter bei
den östlichen Winden vorherrschte. Die Reise ging selbstverständlich nicht
sehr rasch von statten, und erst am 7. Juni, nach einer Reise von 32 Tagen,
lief der „Henry“ in den Kanal ein. Die Schnittpunkte in dem östlichen Theil
des Atlantischen Oceans waren 40° W-Lg in 44,6° N-Br am 27. Mai, 30° W-Lg
am 31. Mai in 47,2° N-Br und 10° W-Lg am 3. Juni in 49,6° N-Br.
4, Reise der Bremer Bark „Iris“, Kapt. W. Pfeiffer.
Die Bremer Bark „Iris“, Kapt. W. Pfeiffer, verliess, nach New- York
bestimmt, Bremerhaven am 15. März 1878. Der Wind wehte frisch von NE,
begleitet von zeitweiligen Schneeschauern. Im Kanal traf das Schiff leichte
nördliche Winde bei fortwährend trüber und nebeliger Luft, Am 21. März
{2b Mittags stand die Bark in 49° 28‘ N-Br und 5° 18‘ W-Lg, also eben
ausserhalb Lizard. Der Kapitän hatte sich entschlossen, die Passatroute einzu-
schlagen, und somit konnte das Schiff, von frischen nördlichen Winden getrieben,
in den ersten drei Tagen rasch nach SW segeln. Nach Verlauf dieser Zeit
fand während zweier Tage durch leichte südliche Winde und Windstillen ein
Aufenthalt statt, worauf dann mit einem von West nach Nord sich drehenden
Winde die frühere Fahrt, wenn auch mit etwas weniger Geschwindigkeit, wieder
aufgenommen werden konnte; 40° N-Br wurde am 28, März in 15,8° W-Lg go-
schnitten. Allmählich drehte der Wind weiter durch Ost und Süd bis West
mit einer mässigen Stärke, so dass es dem Schiffe möglich war, noch immer in
zufriedenstellender Weise, erst über St. B., dann über B.B. liegend, voranzu-
kommen. Auf 30° N-Br stand man am 2. April in 27,7° W-Lg. Westliche
Winde behielten bis 22,7° N-Br und 28° W-Lg die Oberhand, woselbst sie
durch Nord in einen leichten Passat übergingen, der indess von keiner Dauer
war, da er bald südlich holte und sogar leichten westlichen Winden noch ein
Mal weichen musste, Die Grenze des Passats lässt sich aus dem Journal nicht
sicher feststellen. In 21° N-Br und 40° W-Lg hatte die „Iris“ eine frische
ESE-Brise, mit welcher ein WzS-Kurs gesteuert und am 15. April 50° W-Lgx
in 20° N-Br gekreuzt wurde. Hier machte der Wind eine Drehung durch Süd
bis Nord, um sich dann einige Tage in NE festzusetzen und die Bark am
24. April nach 60° W-Lg in 21,4° N-Br zu führen. Zur Zeit, als der Wind
cine westliche Richtung hatte, war er von starken Regen und Gewittern be-
gleitet. Es wurde nunmehr wieder ein nordwestlicher Kurs gesteuert, auf
welchem man bei veränderlichen, doch vorherrschend südlichen Winden am
2, Mai nach 30° N-Br in 70° W-Lg kam, woselbst die beobachtete Strömung
Süd 14 Sın betrug. Am 26. April in 24° 15‘ N-Br und 64° W-Lg fand man
die Strömung N 87° W 19 Sm und am 29. April in 27° 10‘ N-Br und 67° 50‘ W-Lg
eine solche von S65° W 14 Sm, wodurch frühere Behauptungen Bestätigung
finden. Von dem letzten Schnittpunkte wurde New- York in der verhältniss-
mässig kurzen Zeit von sechs Tagen erreicht. Die ganze Reisedauer betrug
18 Tage, und ist diese Passatreise als eine recht gute zu bezeichnen.
Die „Iris“ trat ihre Rückreise nach Bremen am 5. Juni an und passirte
Sandy Hook am Vormittag dieses Tages mit einem frischen NW-Winde. Eine
kurze Zeit anhaltende Mallung, wobei südliche und östliche Winde zwischen
69° und 65° W-Lg wehten, wurde durch mässige südwestliche Winde, die von
Nebel und Regen begleitet waren, verdrängt. Mit diesen Winden wurde 60° W-Lg
am 11, Juni in 40,3° N-Br geschnitten. Jetzt entwickelte sich ein lebhafter
NW-Wind, der indess schon am zweiten Tage einem harten Ostwinde Platz
machen musste; in Folge dessen wurde 50° O-Lg erst am 16. Juni in 41,8° N-Br
mit einem inzwischen wieder nach SSW umgegangenen Winde gekreuzt. Der
Wind führte in den folgenden Tagen zwei Drehungen mit der Sonne aus, wobei
er indess zu keiner bedeutenden Stärke gelangte, sondern vielmehr stets mässig