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Aus den Reiseberichten S. M. S. „Medusa‘“, Korv.-Kapt. Hollmann.
1. Reise von Norfolk bis Halifax. Segeln im Golfstrom.?)
5. M.S. „Medusa“ verliess nach einem fast fünfwöchentlichen Aufenthalte
(vom 31. Mai bis 3, Juli) zu Norfolk diesen Platz und segelte zunächst nach
Halıfaz, wo sie am 11. Juli eintraf, Kapt. Hollmann berichtet Folgendes über
die von ihm während dieser Reise über den Golfstrom gemachten Erfahrungen:
„In ungefähr 37° N-Br und 72° W-Lg trat „Medusa“ am 6. Juli in den
warmen Rand des Golfstromes ein. Während vorher bis zum 5. Juli zwischen
75°—74° W-Lg im Küstenstrom, welcher 1 Sm die Stunde nach SW setzte, die
Temperatur der Luft sowohl, wie des Wassers, zwischen 24° und 25° war,
betrug die Wassertemperatur an der obigen Stelle, des Nachmittags zwischen
2 und 3 Uhr, zwischen 25,2° und 28°. Die vom 4. bis 6. Juli stündlich ge-
messenen Oberflächen-Temperaturen des Wassers liessen von dem „kalten Wall“,
in welchem die Temperatur bis auf 18° heruntergehen soll, keine Spur erkennen,
Diese abnorme Erscheinung spricht entschieden für die Wandelbarkeit der
Eigenschaften des Golfstromes.
Die „Medusa“ blieb bis 46° N-Br und 65° W-Lg innerhalb des Stromes
und fand bei dem Austritt aus demselben die entsprechenden "Temperaturen in
den warmen und kalten Rändern zu bezw. 20° und 17°. Am Nachmittage des
9, Juli trat „Medusa“ in den Polarstrom über; die Oberflächen-Temperatur ging
von 19° auf 13° herunter und hielt sich von da bis Halifax zwischen 13° und 15°.“
2. Reise von Halifax bis Plymouth (1. bis 26. August). Sturm im Atlantischen
Ocean vom 18. bis 19. August.
„Für die Route nach England war beabsichtigt, bis zu 42° N-Br einen
südlichen Kurs zu steuern und von da ab der in Findlay’s „North Atlantic
Memoir“, pag. 511, aufgeführten Route für August zu folgen, Die Reise liess
sich anfänglich über alles Erwarten schlecht an; abgesehen vom 3. und 4. August,
wo ganz leichte Winde aus nordwestlicher bis südwestlicher Richtung vor-
herrschten, hielt sich der Wind bei regnerischem Wetter und häufigen Nebeln
zwischen Süd bis Ost, Stärke 0—3; Dünung setzte aus gleicher Richtung, so dass
bei öfterem Wechsel des Buges ganz geringe Eitmale gemacht wurden.
In den durch die Strömung verursachten Versetzungen war eine, dauernd
ausgesprochene Richtung und Stärke nicht bemerkbar; hauptsächlich war die
erstere nach WSW—WNW gerichtet, und die Stärke schwankte zwischen 5 bis
20 Sm in 24 Stunden. Die Temperatur des Wassers stieg bis zum 7. August
allmählich von 16° auf 23°.
Am 7. August befand sich das Schiff erst auf 42° N-Br und 60° W-Lg;
hier trat ein Wechsel der Windrichtung ein. Nach kurzer Stille sprang ein
rasch auffrischender Wind aus SW auf, dem auch bald eine sehr hohe Dünung
folgte, in welcher das Schiff zeitweise über 30° nach beiden Seiten schlengerte.
Wind und See gingen jedoch bald wieder herunter, ersterer, bei schönem Wetter
mit einer Neigung, südlicher zu drehen.
Das Barometer, welches während der vorherrschenden östlichen Winde
seinen höchsten Stand auf 765mm gehabt hatte, war während dieser Zeit sehr
unentschieden, steigend und fallend zwischen 756 und 764mm. Die Wasser-
temperatur, welche sich bis zum Mittag des 10. August auf 42° N-Br innerhalb
61°-—52° W-Lg auf 21°—23° C. hielt, liess auf den Golfstrom schliessen,
Die Stromversetzungen jedoch, welche so unregelmässig und gering waren, dass
sie nur auf irrthümliche Loggerechnung zurückgeführt werden dürfen, entsprachen
dieser Voraussetzung nicht.
Interessant und erwähnenswerth sind die Oberflächentemperaturen, welche
zwischen 42°—43° N-Br und 52°—47° W-Lg, südlich der New-Fundland-Bänke,
bei südsüdwestlichem Winde beobachtet wurden. Auf 53° W-Lg war die Tempe-
ratur der Oberfläche wieder bis auf 20° C. heruntergegangen; sie hielt sich
wechselnd zwischen 17°—20° C, bis 51° W-Lg, dann änderte sie halbstünd-
lich, bei einer Fahrt von ca 6 Sm die Stunde, folgendermaassen: 18,5°, 15,1°
A S. „Ann, d. Hydr, ete.“, 1877, pag, 608, 612; 1878, pag. 12, 13, 95, 203, 288, 405.
?) Vgl. a, a. O pag. 288,