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kam und sich auch nicht lange nöthigen liess, heranzukommen. Das Kanoe war
aus Baumrinde und Leder konstruirt, schien sehr zerbrechlich und trug zwei
Männer, zwei Weiber und einen Säugling. Das Thermometer zeigte + 2° C.,
und diese niedrige Temperatur schien auf die fast nackten Feuerländer gar keinen
besonderen Eindruck zu machen. Durch nichts waren diese Menschen zu be-
wegen, auf Deck zu kommen, nahmen aber mit einer wahren Gier alles und jedes,
was ihnen zum Geschenk oder Tausch gegen ihre Armseligkeiten angeboten
wurde. Die Felle, die einzige deckende Hülle, wurden gegen Messer mit Freuden
hergegeben.
Um 5*p. m. wurde unter Dampf und Segel Kap Froward passirt und in
der Nacht um 1* a. m. vor Punta Arenas geankert. Das rothe Hafenfeuer von
Punta Arenas brannte ebensowenig, als das 9 Sm sichtbar sein sollende weisse
Positionsfeuer. Der Ankerplatz war mithin in der Nacht sehr schwer zu ent-
decken. Besondere Landmarken, die auch in der Nacht zu benutzen wären,
existiren kaum für die Lootsen. Da mir bekannt war, dass die chilenische
Korvette „Magellanes“ sich häufig dort aufhält, und dass das Leuchtfeuer nur
dann angezündet wird, wenn die Postdampfer erwartet werden, so liess ich das
für Postdampfer übliche Signal, einen Schuss und eine Rakete, abfeuern. Das
zweite Signal fand Erwiderung von der wirklich dort vor Anker befindlichen
Korvette „Magellanes“, so dass nunmehr der Ankerplatz ohne Mühe gefunden
werden konnte. Es stellte sich später heraus, dass der hölzerne Positions-
Leuchtthurm bei der letzten Meuterei der Sträfßlinge mit den meisten Häusern
verbrannt worden ist, und die Errichtung eines neuen Gerüstes für das Positions-
feuer etwa in einem Monat beendet sein wird. !)
In Punta Arenas wurde ein gezwungener Ruhetag gehalten, da das Wetter
so dick war, dass die Ausfahrt aus der Strasse nicht rathsam schien.
Am 18. Juli verliessen wir, bei etwas nebeligem Wetter und Windstille,
bei einsetzender Ebbe Punta Arenas. Nachmittags gegen 4 wurde der Nebel
so dick, dass ich meine Absicht, den Ankerplatz von Gregory für die Nacht zu
erreichen, aufgab und in der zweiten Enge (Second Narrows) an einer passenden
Stelle unter Land, unweit der Untiefe Half-way-shoal, für die Nacht vor Anker
ging. Am 19. Juli gingen wir mit Tagesanbruch Anker auf, wurden aber sehr
bald wieder von dickem Nebel befallen. Nachdem die erste Enge (First Narrows)
passirt war, hatte ich noch gerade so viel Zeit, die Lage des Schiffes genau
festzustellen, als der Nebel so undurchdringlich wurde, dass man kaum eine
Schiffslänge voraus sehen konnte. Bei der starken Strömung befand sich das
Schiff in einer kritischen Lage. Im Vertrauen auf die in der Karte durch die
Richtung der Pfeile angegebene Strömung hielt ich das Schiff etwas mehr auf
der Nordseite der Strasse und musste bei auslaufender Strömung, welche ESE
in der Strasse und südlich am Ausgang der Strasse setzen soll, nach meiner
Berechnung 4—5 Sm südlich von der Spitze Dungeness passiren. Unsere Ueber-
vraschung war daher gross, als wir durch das fleissig angewandte Loth ent-
deckten, dass wir von der Strömung dicht unter die Spitze Dungeness gesetzt
waren, Die Strömung hatte uns deshalb nicht ESE. sondern genau nach Osten
versetzt.
Von der Magellan-Strasse bis zu 42° S-Br fanden wir äusserst unbeständiges
Wetter und für eine schnelle Fahrt nach Norden recht ungünstige Windverhält-
nisse, Der Wind bewegte sich meistens im 4. Quadranten, blieb aber mehr nörd-
lich, als westlich und drehte zuweilen bis NNE, selten länger, wie 8 bis 10 Stunden
aus einer Richtung wehend. Nebel traten wiederholt schnell auf und verzogen
sich nach 8 bis 10 Stunden. Nördlich von 42° S-Br raumte der Wind am
27. Juli und blieb frisch aus SW stehen, so dass wir Kurs nach Montevideo
liegen konnten.
Am 29. Juli um 62" p. m. kam das Feuer von Kap Maldonado (East Point)
in Sicht. Die Leuchtfeuer von Flores und dem Feuerschiff „English Bank“, auf
welche nach der Notiz auf der englischen Admiralitäts-Karte No. 493 (Tit. VIII,
No. 79a) kein Verlass sein soll, kamen zur richtigen Zeit und an der richtigen
Stelle in Sicht, und am 30. Juli um 4'/2* a. m. wurde auf der Aussenrhede von
Montevideo auf ca 8m Wasser geankert.“
Y Vgl. No. 92 und 566 d, „Nachr. f£, Seef.“ 1878.