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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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Um 8'/2h a. m. kam Kap Pillar in Sicht, und erst nachdem wir dasselbe 
etwa 20 Sm passirt hatten, wurde die See soweit ruhig, dass wir die Geschütz- 
pforten öffnen und daran denken konnten, die scit Wochen nassen inneren 
Räume des Schiffes zu trocknen. 
Für die Nacht wählte ich den Hafen Churruca, Oldfield- Ankerplatz.. Ich 
kann denselben, der grossen Wassertiefe und geringen Räumlichkeit wegen, nicht 
empfehlen. Im dicken Schneegestöber blieb mir keine andere Wahl, da Niemand 
an Bord in der Strasse bekannt war, und die anderen Ankerplätze sich nur schwer 
erkennen liessen. Churruca bot den Vortheil, dass, nachdem wir die Westspitze 
von der Insel Tamar erkannt hatten, uns ein genauer Südkurs zur Hafeneinfahrt 
von Churruca führen musste. 
Diese Hafeneinfahrt bietet den imposantesten Anblick in der ganzen Strasse, 
Einzelne Stellen sind kaum °%/4 Kblg breit und durch ca 500m hohe, steil, oft 
nahezu senkrecht abfallende Felsenwände begrenzt, welche bis zur Wasserlinie 
mit Schnee bedeckt waren. Das Fahrwasser ist überall tief und, bei genügender 
Beobachtung der für die Schifffahrt in so engen Strassen nothwendigen allge- 
meinen Grundsätze, durchaus ungefährlich. Die „Weilliwaws“ kamen ziemlich 
heftig zwischen den Bergeinschnitten herunter und wurden beim Windwechsel 
in Folge des engen Ankerplatzes bedenklich. Ich sah mich genöthigt, die 
Maschine die ganze Nacht bereit zu halten, eine Vorsichtsmaassregel, welche 
stets selbst von den in der Strasse sehr gut bekannten chilenischen Kriegsschiffen 
beobachtet wird. 
Am 14, Juli um 7 a. m., noch im Halbdunkel, da das Sonnenlicht erst 
spät in das tiefe Thal dringen kann, verliessen wir diesen imposant schönen, 
aber wenig zur Ruhe einladenden Ankerplatz und verfolgten mit frischer NW- 
Brise, bei schönem Wetter, unsern Kurs in der, bereits von verschiedenen Seiten 
beschriebenen, einzig schönen Magellan - Strasse. Bei einiger Aufmerksamkeit 
fiel es mir durchaus nicht schwer, alle in den Segelanweisungen aufgezeichneten 
Hafeneinfahrten zu erkennen. Nachmittags, als wir noch ca 10 Sm westlich 
vom Kap Quod standen, schied der NW-Wind, welcher bis dahin mitunter in 
starken Böen von den Bergeinschnitten geweht hatte, plötzlich aus und kam uns 
beim Kap Quod gerade von vorne. Kin Segelschiff würde in der engen Strasse 
kurz vor Sonnenuntergang, ehe es noch den Nachthafen erreicht hat, hierdurch 
in Verlegenheit gekommen sein, und da unbeständige Winde uns später in der 
Strasse noch öfter vorkamen, so erlaube ich mir dies unter Hinweis auf die in 
den „Ann. d. Hydr. etc.“, 1876, pag. 135 und 193, besprochenen Chancen, welche 
ein von West nach Ost durch die Strasse segelndes Schiff hat, an dieser Stelle 
hervorzuheben, Gerade in diesem Theil der Strasse im Long Reach und Crocked 
Reach sind nur wenige für Segelschiffe benutzbare Häfen, während vom Kap 
Quod ostwärts an denselben kein Mangel ist. 
Im Uebrigen stimme ich mit den vom Kapt, z. See Frhr. von Schleinitz 
geäusserten Ansichten und gemachten Erfahrungen!) vollständig überein, wenn- 
gleich dieselben von mir unter ungleich ungünstigeren Verhältnissen gewonnen 
wurden, und uns nur 8 Stunden Tageslicht zu Gebote standen, während S. M. S. 
„Gazelle“ im Hochsommer kaum nennenswerthe Nächte durchzumachen hatte. 
Um 3'/%* p. m. gingen wir im Hafen von Borja vor Anker. Die Einfahrt 
ist sehr bequem, der Ankergrund vorzüglich, und wenn man die Vorsicht ge- 
braucht, nicht zu weit westlich hinein zu gehen, so sind die „ Willwaws“ wohl 
stark, aber durchaus nicht gefährlich, wie wir zur Genüge Gelegenheit hatten, 
zu bemerken. Der Ankerplatz verdient vollkommen das Lob, welches die Segel- 
anweisungen ihm spenden. Ein gutes Merkzeichen für den Ankerplatz sind die 
an den Bäumen befestigten Namenbretter verschiedener Schiffe, denen von 
S. M. S. „Elisabeth“ auch eines hinzugefügt wurde. 
Wenn man die Spitze der Insel Big Borja in SzO peilt und etwa 1 Kblg 
Abstand vom Lande bleibt, wird man 24m, festen Schlammgrund, finden. Die 
Marke auf der höchsten Spitze von Big Borja existirt nicht mehr. 
Am 15. Juli Morgens verliessen wir Borja bei veränderlichem Wetter und 
leichtem Südwinde mit Dampf und Segeln. Mittags wurde der sehnliche Wunsch 
der Offiziere und Kadetten erfüllt, indem ein Boot mit Eingeborenen in Sicht 
Vgl. zAnn, d, Hydr. etc,“, 1876, pag. 192 ff.
	        
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