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Um 8'/2h a. m. kam Kap Pillar in Sicht, und erst nachdem wir dasselbe
etwa 20 Sm passirt hatten, wurde die See soweit ruhig, dass wir die Geschütz-
pforten öffnen und daran denken konnten, die scit Wochen nassen inneren
Räume des Schiffes zu trocknen.
Für die Nacht wählte ich den Hafen Churruca, Oldfield- Ankerplatz.. Ich
kann denselben, der grossen Wassertiefe und geringen Räumlichkeit wegen, nicht
empfehlen. Im dicken Schneegestöber blieb mir keine andere Wahl, da Niemand
an Bord in der Strasse bekannt war, und die anderen Ankerplätze sich nur schwer
erkennen liessen. Churruca bot den Vortheil, dass, nachdem wir die Westspitze
von der Insel Tamar erkannt hatten, uns ein genauer Südkurs zur Hafeneinfahrt
von Churruca führen musste.
Diese Hafeneinfahrt bietet den imposantesten Anblick in der ganzen Strasse,
Einzelne Stellen sind kaum °%/4 Kblg breit und durch ca 500m hohe, steil, oft
nahezu senkrecht abfallende Felsenwände begrenzt, welche bis zur Wasserlinie
mit Schnee bedeckt waren. Das Fahrwasser ist überall tief und, bei genügender
Beobachtung der für die Schifffahrt in so engen Strassen nothwendigen allge-
meinen Grundsätze, durchaus ungefährlich. Die „Weilliwaws“ kamen ziemlich
heftig zwischen den Bergeinschnitten herunter und wurden beim Windwechsel
in Folge des engen Ankerplatzes bedenklich. Ich sah mich genöthigt, die
Maschine die ganze Nacht bereit zu halten, eine Vorsichtsmaassregel, welche
stets selbst von den in der Strasse sehr gut bekannten chilenischen Kriegsschiffen
beobachtet wird.
Am 14, Juli um 7 a. m., noch im Halbdunkel, da das Sonnenlicht erst
spät in das tiefe Thal dringen kann, verliessen wir diesen imposant schönen,
aber wenig zur Ruhe einladenden Ankerplatz und verfolgten mit frischer NW-
Brise, bei schönem Wetter, unsern Kurs in der, bereits von verschiedenen Seiten
beschriebenen, einzig schönen Magellan - Strasse. Bei einiger Aufmerksamkeit
fiel es mir durchaus nicht schwer, alle in den Segelanweisungen aufgezeichneten
Hafeneinfahrten zu erkennen. Nachmittags, als wir noch ca 10 Sm westlich
vom Kap Quod standen, schied der NW-Wind, welcher bis dahin mitunter in
starken Böen von den Bergeinschnitten geweht hatte, plötzlich aus und kam uns
beim Kap Quod gerade von vorne. Kin Segelschiff würde in der engen Strasse
kurz vor Sonnenuntergang, ehe es noch den Nachthafen erreicht hat, hierdurch
in Verlegenheit gekommen sein, und da unbeständige Winde uns später in der
Strasse noch öfter vorkamen, so erlaube ich mir dies unter Hinweis auf die in
den „Ann. d. Hydr. etc.“, 1876, pag. 135 und 193, besprochenen Chancen, welche
ein von West nach Ost durch die Strasse segelndes Schiff hat, an dieser Stelle
hervorzuheben, Gerade in diesem Theil der Strasse im Long Reach und Crocked
Reach sind nur wenige für Segelschiffe benutzbare Häfen, während vom Kap
Quod ostwärts an denselben kein Mangel ist.
Im Uebrigen stimme ich mit den vom Kapt, z. See Frhr. von Schleinitz
geäusserten Ansichten und gemachten Erfahrungen!) vollständig überein, wenn-
gleich dieselben von mir unter ungleich ungünstigeren Verhältnissen gewonnen
wurden, und uns nur 8 Stunden Tageslicht zu Gebote standen, während S. M. S.
„Gazelle“ im Hochsommer kaum nennenswerthe Nächte durchzumachen hatte.
Um 3'/%* p. m. gingen wir im Hafen von Borja vor Anker. Die Einfahrt
ist sehr bequem, der Ankergrund vorzüglich, und wenn man die Vorsicht ge-
braucht, nicht zu weit westlich hinein zu gehen, so sind die „ Willwaws“ wohl
stark, aber durchaus nicht gefährlich, wie wir zur Genüge Gelegenheit hatten,
zu bemerken. Der Ankerplatz verdient vollkommen das Lob, welches die Segel-
anweisungen ihm spenden. Ein gutes Merkzeichen für den Ankerplatz sind die
an den Bäumen befestigten Namenbretter verschiedener Schiffe, denen von
S. M. S. „Elisabeth“ auch eines hinzugefügt wurde.
Wenn man die Spitze der Insel Big Borja in SzO peilt und etwa 1 Kblg
Abstand vom Lande bleibt, wird man 24m, festen Schlammgrund, finden. Die
Marke auf der höchsten Spitze von Big Borja existirt nicht mehr.
Am 15. Juli Morgens verliessen wir Borja bei veränderlichem Wetter und
leichtem Südwinde mit Dampf und Segeln. Mittags wurde der sehnliche Wunsch
der Offiziere und Kadetten erfüllt, indem ein Boot mit Eingeborenen in Sicht
Vgl. zAnn, d, Hydr. etc,“, 1876, pag. 192 ff.