140
Aus den Reiseberichten S. M. S. „Elisabeth“, Kapt. zur See
von Wickede.
Reise von Guayaquil über Callao und Valparaiso durch die Magellan-Strasse
nach Montevideo nebst Bemerkungen über Callao und Valparaiso.
Am 11. Mai d. J. verliess S. M.S. „Elisabeth“ die Mündung des Gwuayaquil-
Flusses (s, pag. 338) und traf am 17. Mai in Callao ein. Die Fahrt längs der
Küste entsprach ganz den in den Segelanweisungen gemachten Angaben. Wind-
stillen, leichte Gegenwinde, Gegenströmungen von 10—28 Sm den Tag und hohe
Dünung machen es für ein Segelschiff kaum möglich, vorwärts zu kommen. Da-
gegen wurde das in den Segelanweisungen erwähnte Wechseln des Windes um
mehrere Striche bei der Land- und Seebrise auf dieser Reise der „Elisabeth“
nicht bemerkt, Im Gegentheil wehte die leichte Brise fast stets in der Richtuug
der Küste der Art, dass nördlich von Kap Blanco SSW-Winde, und südlich von
ihm bis Callao SSE—SE-Winde (1—3), unterbrochen von Windstillen von 8 bis
12 Stunden Dauer, stattfanden. Auffallend war der plötzliche Temperaturwechsel
der Luft und des Wassers nach dem Passiren des Kap Blanco; bis zu diesem
hielt sich die Temperatur zwischen 25° und 30°, fiel aber alsdann mit jedem
Tage; in Callao selbst betrug die Temperatur der Luft 18,2°, des Wassers 17,9°.
Am 27. Mai setzte das Schiff seine Heimreise längs der Küste mit leichten
südlichen Winden fort und traf am 10. Juni in Valparaiso ein.
Kapt. z. See von Wickede hat über Callao und die Rhede von Valparaiso
nachstehende Notizen eingesendet:
1. Callao. „Als Hauptaufenthalt während der centralamerikanischen
Regenzeit empfiehlt sich entschieden der sichere Hafen und das gesunde Klima
von Callao. Alle Artikel aber, die nicht direkt aus Peru stammen — und
auch diese sind nur schwer zu erhalten —, sind ausserordentlich theuer. Der
grosse Schiffsverkehr hat in Callao hinreichende Anstalten für Schiffsreparaturen
jeder Art ins Leben gerufen. Alle sonstigen Häfen auf der 6000 Sm langen
Küstenstrecke zwischen Valparaiso und San Francisco bieten einem reparatur-
bedürftigen Schiffe so gut wie gar keine Hülfsquellen und eignen sich höchstens
nur zur mangelhaften Ergänzung des frischen Proviants und einzelner Material-
Artikel und zum vorübergehenden Aufenthalt in der passenden Jahreszeit.“
2. „Die Rhede von Valparaiso ist im Winter, d. h. zur Zeit, wo die
regelmässigen frischen Südwinde ausbleiben, zuweilen harten Nord- und NW-
Stürmen ausgesetzt, welche zuweilen sehr schwere Unglücksfälle mit sich bringen,
wie z. B. am 31. Mai 1878, wo bei einem solchen Norder 12—14 Schiffe ans
Land geworfen wurden und 40 Menschenleben verloren gingen. Von Seiten
der Behörden hat man bisher ausser den. Warnungssignalen an der Börse nur
wenig gethan, um den Folgen derselben vorzubeugen. Ks existiren nicht einmal
Rettungsapparate, und die Schiffbrüchigen ertrinken, so zu sagen, am Kai,
Angesichts Tausender von Menschen, welche keine Hülfe bringen können. Die
meisten Unglücksfälle entstehen durch Kollision der vor Anker treibenden
zahlreichen Kauffahrteischiffe, welche unter gewöhnlichen Verhältnissen durch
Hafenlootsen in Reihen verankert werden. Kriegsschiffe thun daher gut, sich
soweit wie möglich an die Westseite der Rhede, neben, oder wenn möglich,
an die Bojen der chilenischen Kriegsschiffe, zu legen und ausserdem noch einen
Anker mit 140 bis 165m Kette nach Norden auszuheben. Regel ist, dass die
Schiffe sich vorne und achtern vertäuen, um stets klare Anker zu behalten.
„ Auf der Rhede sind schon sehr.viele Anker verloren gegangen, und dies,
verbunden mit den verschiedenen vor Anker gesunkenen Schiffen, lässt es nicht
gleichgültig erscheinen, auf welcher Stelle man ankert. Für die Verankerung
der Kauffahrer existiren besondere Lootsen; den ankommenden Kriegsschiffen
wird von keiner Seite irgend welche Hülfe in dieser Richtung zu Theil.“
Am 24, Juni ging „Elisabeth“ von Valparaiso aus wieder in See, zunächst
in der Absicht, um das Kap Horn nach Montevideo zu segeln.
1) S. „Ann. d. Hydr. ete.“, 1877, pag. 344, 463; 1878, pag. 79, 102, 135, 200, 246, 335.
Ann, d. Hyd r., 1878, Heft X (Oktober).