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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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der Lagune des Riffes, für die Besatzungen der auf dem Riffe scheiternden Schifle, 
ein Rettungsboot verankert. Als Lieut. Richards das Riff besuchte, lag dieses 
Boot in einem kleinen, von Korallen gebildeten, geschützten Bassin, auf 9m 
Wasser, verankert. Das Boot ist mit den nothwendigsten Gegenständen, wie 
Proviant, Mediein, Karten, Kompass etc., ausgerüstet, um damit eine Reisc 
nach der Küste von Australien unternehmen zu können. Als Ballast dienen 
sechs Fässer frisches Wasser, von je 15 Gallons Inhalt, welches gleichzeitig 
als Trinkwasser zu benutzen ist. 
Für den Besuch event. die Benutzung des Bootes wird ersucht, die nach- 
stehende Instruktion zu befolgen: 
Die Schiffbrüchigen haben einen genauen Bericht über das Verunglücken 
ihres Schiffes, mit den Namen der Geretteten und der verunglückten Personen, 
niederzuschreiben, und den Ort, nach welchem sie zu segeln beabsichtigen, an- 
zugeben. Dieses Schriftstück ist in der Spitztonne zu verwahren, welche dann 
an der Ankerkette des Bootes, an dessen Stelle, zu lassen ist. 
Die Schiffbrüchigen müssen beim Verlassen des Riffes, wenn der Wind 
östlich ist, nach dem nordwestlichen Theil des Riffes steuern und nicht die 
nordöstliche Durchfahrt benutzen, weil durch diese bei östlichen Winden eine 
sehr hohe Dünung einsetzt und die Durchfahrt selbst schwierig und gefährlich 
ist. Zwischen dem Boot und der Einfahrt ist eine Korallenuntiefe, auf welcher 
in ihrer ganzen Ausdchnung stets Brandung steht. 
Die Schiffsführer, welche das Boot besuchen, werden ersucht, einen Be- 
richt über ihren Besuch daselbst zu hinterlassen. Steuert ein solches Schiff 
nach seinem Besuche des Rettungsbootes einen benachbarten Hafen an, so wird 
ersucht, die etwa in der Tonne befindlichen Schriftstücke mitzunehmen. 
(Die Peilungen sind missweisend; die Missweisung beträgt 10° 40‘ Ost 
im Jahre 1878.) 
Vergleichende Uebersicht der Witterung des Monats Mai 1878 
in Nordamerika und Centraleuropa. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) 
Nach der „Monthly Weather Review“ des „Signal Office“ in Washington 
und der von der Deutschen Seewarte herausgegebenen Uebersicht der Witterung, 
stellen wir im Folgenden die Hauptzüge im Witterungscharakter des Monats 
Mai 1878 in Nordamerika und Centraleuropa einander gegenüber. 
Mai 1878. 
Nordamerika. 
1. Ziemlich normale Luftdruck- 
Verhältnisse. Der höchste mittlere 
Barometerstand (763mm) findet sich 
im Südosten, der tiefste (758mm) in 
Jowa. Die barometrischen Maxima 
waren mässig ausgebildet, die ziemlich 
zahlreichen Minima nicht besonders 
kief, scheinen aber von intensiven 
sekundären Bildungen begleitet gewe- 
3en zu sein. 
Centraleuropa. 
1. Ziemlich normale Luftdruck- 
Verhältnisse, mit einer mässigen Zahl 
barometrischer Minima auf dem euro- 
päischen Kontinent und häufigen und 
lange anhaltenden, jedoch wenig inten- 
siven barometrischen Maxima. Das 
Monatsmittel des Luftdrucks war in 
Centraleuropa sehr gleichförmig, am 
höchsten (760mm) im Alpengebiet, am 
tiefsten (756mm) in Jütland. 
2. Die Rückkehr zu normalen 
Temperaturen nach dem, ein halbes 
Jahr andauernden, ausserordentlichen 
Wärmeüberschuss im Gebiete östlich 
des Felsengebirges; am Oberlauf des 
Mississippi und des Missouri war So- 
zar die Mitteltemperatur erheblich 
anter der normalen: starke Fröste 
2, Die starke, während der Tage 
vom 6. bis 10. von Ost nach West 
fortschreitende Temperatur- Erniedri- 
gung, und die darauf folgende bedeu- 
tende Erwärmung vom 11. bis 19. 
Vom 8, bis 10. fanden im Nordosten 
des Gebietes vielfach starke Nacht- 
fröste, und Reifbildungen selbst bis
	        
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