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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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34° W-Lg und südlich von 23!4A° N-Br wurde der westliche Gegenstrom er- 
mittelt, und zwar zwischen dem 8. und 9. Mai SWzW 17 Sm und zwischen dem 
J. und 10. Mai NW 11 Sm, dann traten wir in den Golfstrom ein mit einer 
östlichen Versetzung von 1,3 Sm die Stunde. Am 12, Mai, 9% p. m., kam das Feuer 
von Morro Castle in Sicht und wurde während der Nacht unter kleinen Segeln in 
Peilung gehalten. Am nächsten Tage (Mai 18) wurde mit Seebrise der Hafen- 
einfahrt zu gelegen, da jedoch ein längsseit kommender Lootse erklärte, das 
Schiff wegen konträren Windes nicht in den Hafen führen zu können, so wurde 
wieder abgelegen und erst am nächsten Tage, dem 14. Mai, um 5* p. m. mit der 
Seebrise der Hafen erreicht, woselbst an der nordwestlichen Tonne festgemacht 
wurde.“ 
3. Bemerkungen über die Ansegelung der Rhede von Greytown !) (Nicaragua) 
und die daselbst vorgefundenen Wind- und Stromverhältnisse. 
Von Lient. z. See Freiherr von Erhardt. 
Alle Segelanweisungen empfehlen den nach Greytown bestimmten Schiffen, 
die Küste von Nicaragua an dieser Stelle von Norden her anzusegeln, und zwar 
in Rücksicht auf einen, an jener Küste konstant nach Süd resp. SSE, mit dor 
varlirenden Stärke von 1—3 Sm die Stunde setzenden Strom. Während des 
Aufenthaltes S. M. S. „Medusa“ auf jener Rhede, vom 16. März bis 17. April 1878, 
haben die angestellten Strombeobachtungen ein, von jenen Angaben abweichendes 
Resultat ergeben; auch stehen jene Angaben nicht im Einklange mit den hierauf 
bezüglichen Aussagen sachverständiger Eingeborener. Bei Nordwinden wurde 
freilich ein nach Süd bis SSE setzender Strom ermittelt, dessen Stärke mit dem 
Zunehmen des Windes wuchs, jedoch nie die in den Anweisungen erwähnte Ge- 
schwindigkeit von 2 bis 3 Sm erreichte, trotzdem die Beobachtungen bei recht 
heftigen Nordwinden gemacht wurden. Seine grösste Geschwindigkeit konnte 
auf höchstens 0,7 Sm die Stunde geschätzt werden. Nach solchen Nordwinden, 
die fast immer mit grosser Regelmässigkeit drei Tage anhalten, folgen dann 
gewöhnlich einige schöne Tage mit zuerst leichten südlichen, dann östlichen und 
nordöstlichen Winden, und während dieser Zeit wurde ein rücklaufender Strom, 
der nach Nord resp. NNE setzte, ermittelt. An der Oberfläche war derselbe 
sehr schwach, nahm aber mit wachsender Tiefe an Stärke zu; er scheint mehr 
ein Unterstrom zu sein. Beobachtet wurde dieser Strom an einem schweren 
Logscheit, welches, langsam sinkend, jene erwähnte Richtung einnahm, und je 
tiefer es sank, desto mehr Leine forderte. Den Eingeborenen war dieser Strom 
auch bekannt. Es mag daher jene Beobachtung zu dem Schlusse führen, dass 
nach anhaltenden heftigen Nordwinden eine Ausgleichung des etwa an jener 
Küste entstandenen Niveau-Unterschiedes der See stattfindet, Bei Ost- und 
nordöstlichen Winden wurde kein Strom bemerkt, und deshalb scheint es im 
Einklange mit den Aussagen der Eingeborenen richtig zu sein, die in den Segel- 
anweisungen angegebenen Stromverhältnisse dahin zu modificiren, dass man 
sagt: „Es richtet sich an jener Küste um Greytown der Strom hauptsächlich 
nach dem Winde“; bei Nordwinden findet man sicher einen südlich laufenden, 
and bei den darauf folgenden leichten südlichen Brisen einen rücklaufenden, 
schwach nach Nord und NNW setzenden Strom. 
Es ist aber jener Rathschlag, die Rhede von Greytown von Norden her 
anzusteuern, auch ohne Berücksichtigung des Stromes immerhin der beste, ein- 
mal der Windverhältnisse wegen, das andere Mal aber, weil man von Norden 
kommend aus dieser Richtung die Landmarken am besten erkennen und aus- 
machen kann. Doch soll man im Allgemeinen nicht darauf rechnen, das hohe 
Hinterland, seiner Erhebung entsprechend, auf grossen Distanzen in Sicht zu 
bekommen, denn nur dann, wenn der östliche Wind tiefer ins Land hineinsteht, 
ist die Luft meist klar und sichtig, und die ganze Küste mit dem dahinter liegen- 
den Gebirgszug deutlich auf 20 Sm zu erkennen, 
Ein nach Greytown bestimmtes Schiff sollte stets 11° N-Br zu erreichen 
suchen und nicht höher als 11° 20‘ N-Br gehen; dann, wenn es diese Breite 
) SS. „The West India Pilot“, Part. I, pag. 235,
	        
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