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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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mit Hülfe des östlich setzenden Stromes 76° W-Lg zu gewinnen und dann 
mit dem Passat die Breite abzusegeln. Diese Route wurde auch für die Reise 
S. M. S. „Medusa“ gewählt, in der sicheren Erwartung, östlich der Spitze von 
Manzanilla einen steifen Passat anzutreffen. Leichte, zwischen NE und SE um- 
springende, von Windstillen und Regen unterbrochene Winde, hauptsächlich 
aber ein nach ENE setzender Strom, dessen Geschwindigkeit vom 26. bis 
27, April auf 25 Sm ermittelt wurde, hatten das Schiff bis zum 27. April Mittags 
20 Sın nördlich von der Spitze Manzanilla gebracht. Die erwartete Wetter- 
änderung trat jedoch nicht ein, es blieb bei den ganz schwachen östlichen 
Winden, Die Küste, zuletzt das Kap San Blas, blieb bis zum 29. April in 
Sicht. An diesem Tage war jedoch auch die letzte Spur vom Passat geschwunden, 
und von dem, was wir erwartet hatten, blieb nur der östliche Strom, welcher 
am 28, April die Westlänge um 11 Sm, am 29. April um 12 Sm verminderte, 
zurück. Es traten nun sehr veränderliche Winde, Regenböen, Gewitter und 
Stillen auf, welche die Navigation sehr erschwerten. Die bis dahin nordöstliche 
Dünung verlor sich auch, und Alles deutete darauf hin, dass wir in eine Periode 
der Regenzeit eingetreten waren, In der Nacht wurde starkes Wetterleuchten 
beobachtet. Besonders gewitterreiche Tage waren der 1. und 2. Mai. Am 
1. Mai schien es zeitweise, als ob der Wind, der nach einem Gewitter am 
Mittag von NW nach NE herumgegangen war, einen passatartigen Charakter 
annehmen wollte, jedoch stellte sich bei Eintritt der Dunkelheit wieder hoftiges 
Wetterleuchten am ganzen Horizont ein, während der Himmel zunächst nur mit 
einzelnen cumuli bedeckt war. Gegen 8: p. m. erschien eine dunkle Wolken- 
bank mit auffallend starken Blitzen. Diese Bank, anfänglich in kaum merklicher 
Fortbewegung, zog plötzlich dem Zenith zu, indem sie sich in auffallend kurzer 
Zeit fast über den ganzen Himmel verbreitet hatte. Bald theilte sich das starke 
Blitzen dem ganzen Himmel mit; es begann heftig zu donnern, und um 10* p. m. 
setzte eine heftige Gewitterbö aus NW mit Stärke 8 ein, die sich in einen 
wolkenbruchartig herabstürzenden Regen auflöste. Es folgten nun ununter- 
brochen Gewitter auf Gewitter, mit unaufhörlichen, äusserst intensiven, elektrischen 
Entladungen und heftigen Donnern. Der Wind sprang dabei mit Stärke 2 bis 3 
hin und her, fast durch sämmtliche Striche der Windrose, und schied gegen 
8h a. m, gänzlich aus, während der Regen ununterbrochen bis zum Nachmittag 
desselben Tages anhielt. Auf das Barometer hatten diese ausserordentlichen 
Wetter-Erscheinungen auch nicht den geringsten Einfluss. Am Nachmittag des 
2. Mai kam zuerst wieder nordöstliche Dünung durch, am Abend auch leichter 
nordöstlicher Wind, aus welchem sich am 3. Mai auf 11° N-Br und 76!2° W-Lg 
durch Umgehen seiner Richtung bis ENE und allmähliche Steigung der Wind- 
stärke bis 7, nach einigen heftigen Böen, der Passat entwickelte. Anfänglich 
blieb freilich die Himmelsansicht eine sehr trübe, auch hielt der Regen noch 
einen Tag an; die übrigen Anzeichen waren aber doch so untrüglich, dass ich 
den Kurs auf Nord setzte. Bis dahin hatten wir binnen 8 Tagen in direkter 
Distanz von Colon nur 210 Sm zurückgelegt, wobei der Strom noch mit 15 bis 
20 Sm pro KEtmal mithelfen musste. Leider war der Strom nur bis zum 1. Mai 
zu ermitteln gewesen, da die folgenden trüben Tage keine Observationen ge- 
statteten. Am 4, Mai ergab sich als Resultat von 72 Stunden ein Strom nach 
N46° W 25 Sm, an welcher Richtung schon der Acquatorialstrom seinen An- 
theil hatte. 
Die Fortsetzung der Reise bis zum Kap Antonio war sehr günstig, sie 
nahm nur 5 Tage in Anspruch. Der Wind, welcher sich zwischen ENE bis E 
hielt und erst nördlich von 17° N-Br eine nordöstliche Richtung annahın, 
hatte in den ersten vier Tagen die Stärke 6 bis 7 und war von allen Passat- 
erscheinungen begleitet. Der Strom war nur vom 4, bis 5. Mai zwischen 14'/2° 
und 16’2° N-Br bedeutend, nämlich West 48 Sm, nachher beschränkte er sich 
auf einige Seemeilen in 24 Stunden. Der Kurs führte etwa 30 Sm östlich der 
Bank Baxo nuevo und dann südlich der Bank Pedro direkt auf Kap Antonio, 
welches am 8, Mai früh Morgens in Sicht kam. Oberhalb Kap Antonio flaute 
der Passat ab, behielt aber bis vor Havana seine östliche Richtung mit Stärke 
2 bis 3 gleichmässig bei, begleitet von schönem Wetter, bei einer Durchschnitts- 
temperatur von 26,4° C. Mit dem erwähnten leichten Passat kreuzte S. M. 8. 
„Medusa“ zwischen 23° und 24° N-Br langsam nach Osten auf. Westlich von
	        
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