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Die Beschreibung Colons, welche Kapt. Stenzel in den „Hydr. Mitth.“,
1873, pag. 65 und 67, gegeben hat, passt auch noch für jetzt; die ungünstigen
Zeitverhältnisse haben jedoch ihren hemmenden Einfluss auf die Entwickelung
dieses Ortes ausgeübt, ‚welche von den Geschicken der Panama-Eisenbahn-
Gesellschaft ganz und gar abhängig ist. Die Maschinenwerkstätten und Werft-
anlagen dieser Gesellschaft wurden in gutem Zustande angetroffen. Augen-
blicklich existiren 15 zungenförmige in das Meer hinausgebaute Brücken, an
welchen die Schiffe mit Trossen festmachen und gegen Secegang gesichert liegen.
Die Wassertiefen an diesen Brücken schwanken zwischen 6,3 und 8m. Bei
Nordern sind die Schiffe, der aufkommenden Dünung wegen, meist gezwungen,
abzulegen und in See beizuliegen. Die Brücken bieten für die hier regelmässig
verkehrenden Dampfer Raum genug; andere Schiffe können dagegen nicht sicher
auf einen Platz rechnen, wenn die Dampfer der verschiedenen Linien zusammen-
treffen,
Colon ist in Bezug auf den Verkehr von Post-Dampfern wohl der be-
deutendste Ort Westindiens, denn ausser einer deutschen, einer französischen und
drei englischen Linien, welche die Verbindung mit HKuropa unterhalten, existiren
noch zwei amerikanische Dampferlinien für den Verkehr mit den Vereinigten
Staaten; eine derselben, die „Pacific Mail Steamship Company“, vermittelt die
überseeische Verbindung zwischen New- York und San Francisco.
In Colon kann man im Allgemeinen auf das Vorhandensein der gangbaren
Proviantartikel rechnen; jedenfalls wird man gleich nach der Ankunft der
Dampfer aus New-York eine Ausrüstung in kleinerem Maassstabe vornehmen
können, Für grösserc Bezüge muss allerdings Panama und selbst New- York
mit herangezogen werden. Auf telegraphische Ordre kann man innerhalb
14 Tagen von letzterem Orte Proviant erhalten. Frischer Proviant war täglich
zu haben, musste jedoch durch eigene Schiffsboote an Bord geschafft werden,
da die Lieferanten auf einen Verkehr mit der Rhede, die von den Handels-
schiffen nicht benutzt wird, nicht eingerichtet sind.
Der Wasserbedarf für die Stadt wird in Cisternen gesammelt; in der
trockenen Jahreszeit muss jedoch das Trinkwasser aus den im Binnenlande ge-
lcgenen Reservoirs der Eisenbahn-Gesellschaft heruntergeholt werden.
Die meteorologischen Verhältnisse, waren besonders während unseres
ersten Aufenthaltes (im Februar und März), der Jahreszeit entsprechend, sehr
konstant. Der Wind hielt sich beständig zwischen NNW bis NNE, wobei je-
doch die Richtung zwischen Nord bis NNE die vorherrschende war. Diese
Ablenkung des Passates nach Norden hin verlor sich, sobald wir aus der
Bucht herauskamen. Die Windstärken waren wechselnd, im Durchschnitt
hielten sie sich auf 3—4, stiegen zeitweise auf 7, gingen auch noch, aber sehr
selten, bis 1 herunter. Sobald die Windstärke über 4 ging, kam eine sehr un-
angenehme, steife und kurze See, in der das Schiff heftig stampfte. Bei weiter
zunehmendem Winde hörte auch der Bootsverkehr auf. Die Luft war während
der ganzen Zeit des Aufenthaltes der „Medusa“ sehr diesig, dagegen war ihr
Feuchtigkeitsgehalt nicht bedeutend, und Regen eine grosse Ausnahme, nur die
Passatböen führten gewöhnlich kleine Schauer mit sich. Die Temperatur wurde
am Tage oft sehr lästig und drückend; das Thermometer fiel nur an drei Tagen
während des ersten dreiwöchentlichen Aufenthaltes zu Colon auf 28° C.“
2, Reise von Colon nach Havana.
„Am 25, April 1878 um 4* a, m, vorliess S. M. S. „Medusa“ unter Segel
bei leichter flauer Landbrise die Rhede von Colon. Ungefähr 5 bis 6 Sm
nördlich des Leuchtthurms von Colon schied die Brise aus, und das Schiff trieb
bei gänzlicher Windstille mit einem schwachen östlichen Strom langsam der
Küste zu; der Stromanker wurde klar gemacht, kam jedoch nicht zum Gebrauch,
da gegen 1* p. m. eine leichte nordöstliche Brise einsetzte, die, bis zum Abend
anhaltend, ein Aufkreuzen längs der Küste nach Norden gestattete,
Die Segelanweisungen geben den in dieser Jahreszeit von Colon nach
Amerika beziehungsweise Cuba bestimmten Segelschiffen, unter der Voraussetzung,
dass ein steifer NE-Passat weht. den Rath, unter der Küste von Panama kreuzend.,