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specifischem Gewicht, besonders da das Abströmen der schweren kalten Luft
Ostsibiriens nach dem Stillen Ocean durch die Gebirgsketten sehr behindert
ist; es ist, als ob ein in seinem oberen Theile mit einer gleichmässigen leichten
Flüssigkeit gefülltes Gefäss in seinem unteren Theile, durch Scheidewand ge-
trennt, auf einer Seite Oel, auf der anderen Wasser onthalte, wobei natürlich
der Druck in gleicher Tiefe in der letzteren Hälfte der bei weitem grössere
sein muss. Faktisch ist aber der Zustand ein solcher, dass der Austausch
zwischen den einzelnen Theilen zwar, unter Behinderung, fortwährend stattfindet,
dabei indessen fortwährend über dem Kontinente das Oel in Wasser und über
dem Ocean das Wasser in Oel verwandelt wird, so dass der Druckunterschied
trotz dem Austausch, durch fortwährende Erkaltung auf der einen und Er-
wärmung auf der anderen Seite, unterhalten wird,
Seit etwa 40 Jahren bereits ist die Thatsache bekannt, dass das Baro-
meter in Südsibirien im Sommer im Durchschnitt 20 und mehr Millimeter tiefer
steht als im Winter. Hieraus ergab sich auch unzweifelhaft, dass der Luftdruck
in diesen Gegenden im Sommer niedriger, im Winter höher sein müsse, als auf
den Meeren; hiermit standen auch die, an der Ostküste Asiens bis hinauf zum
Amurlande einen regelmässigen Wechsel zwischen Sommer und Winter auf-
weisenden, Luftströmungen im Einklang, indem im Sommer daselbst der feuchte
SE-Monsun, im Winter der trockene kalte Landwind aus NW herrscht. Allein
bei dem vollständigen Mangel an solchen Höhenmessungen in Sibirien, die von
dem Luftdruck unabhängig gewesen wären, war eine genaue Feststellung des
Unterschiedes in der Barometerhöhe im Inneren und an der Küste, resp. eine
Feststellung desjenigen Barometerstandes im Inneren, der dem Niveau des See-
spiegels zukommen würde, nicht möglich. Denn sämmtliche Höhen waren eben
nur barometrisch, unter Annahme einer gewissen, mehr oder weniger sorgfältig
ausgewählten, Grösse für den Luftdruck im Meeresspiegel, bestimmt, und die
Reduktion der Barometer-Beobachtungen mit Hülfe dieser Höhenwerthe auf das
Meeresniveau konnte demnach, wenn in beiden Fällen das beste vorhandene
Material benutzt worden war, auch nur wieder zu derselben Ziffer führen,
welche ursprünglich zur Bestimmung der Seehöhe angenommen worden war.
Bei den grossen Entfernungen von der Seeküste, um die es sich hier handelt,
war es aber unmöglich, auch nur mit einiger Sicherheit anzugeben, um wie viel der
auf den Seespiegel reducirte Luftdruck an den betreffenden Orten des Inneren
im Jahresmittel von demjenigen an der Seeküste abweichen müsse.
Seit Kurzem ist dieser Ungewissheit ein Ende gemacht durch die Resul-
tate der Nivellirungs-Expedition, welche auf die Anregung und unter der Lei-
tung der Kaiserlich Russischen Geographischen Gesellschaft ein Nivellement von
Westen her bis zum Baikal-See ausgeführt hat. Von den Resultaten theilt
Herr Dr. Wojeikof in dem VII. Hefte von Petermann’s Geograph. Müittheilungen
einige mit (a. a. 0. pag. 269) und bespricht deren Bedeutung für unsere Kennt-
niss der geographischen Vertheilung des Luftdrucks. Es sind darnach die See-
höhen, in Meter verwandelt:
Angara-Fluss bei Irkutsk . . . 454m
Baikal-Sees . ... .. 469m.
Nach den besten bis dahin vorhandenen Höhenberechnungen dieser Punkte,
jenen von Kropotkin, waren die entsprechenden Werthe zu 382 und 409m
angenommen, also resp. 72 und 60m niedriger.
Dieses Resultat zeigt, dass die bisherigen Annahmen über die Höhe des
Luftdrucks im Winter in Südsibirien noch erheblich hinter der Wirklichkeit
zurückblieben. In der trefflichen populären Abhandlung, welche Herr Wojeikof
unter dem Titel „die atmosphärische Cirkulation“ in dem Ergänzungsheft No. 35
von Petermann’s Mittheilungen, 1874, veröffentlichte, ist der normale Luftdruck
im Januar für die Gegend östlich vom Baikalsee, höher als bis dahin geschah,
zu 774mm angenommen; nach den Resultaten des neuesten Nivellements glaubt
derselbe Korscher mit Bestimmtheit aussprechen zu können, der Luftdruck betrage
in dieser Gegend im Januar 778mm oder sogar darüber, d. h. 8mm mehr als
irgendwo ausserhalb des Asiatischen Kontinentes bekannt, und auch im Jahres-
mittel sei der Luftdruck im Inneren von Ostsibirien trotz des niederen Barometer-
standes im Sommer höher als irgendwo auf der Erde; es kann dieses auch bei
dem Gegensatz, den der asiatische Kontinent zu der Gegend des im ganzen