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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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Stilles, schwüles Wetter im Mai, Juni und Oktober in der Bai und an 
den Küsten ist stets verdächtig, und ein unstäter Sommermonsun in Bengalen 
ist ebenso mitunter der Vorhersager eines Sturmes. Aber Cyklonen sind sehr 
selten im Juli, August und in der ersten Hälfte des September. 
In der Arabischen See sind Cyklonen überhaupt nur selten, Die wenigen 
Stürme, von welchen Berichte vorliegen, sind entweder in der Nähe der Lacca- 
diven oder zwischen diesen Inseln und der Küste von Indien entstanden, einige 
haben sogar von ihrem Eutstehungsorte in der Bai von Bengalen aus die Halb- 
insel von Vorder-Indien durchkreuzt und sind in die Arabische Sec eingedrungen, 
in welcher sie noch weit nach See zu verfolgt werden konnten. Das vorhandene 
Material in Bezug auf diese Cyklonen ist aber zu spärlich, um zu allgemeinen 
werthvollen Schlüssen über ihre Häufigkeit und die Zeit, in welcher sie vor- 
zugsweise auftreten, sowie über ihre Bahnen, Ausdehnung und Geschwindigkeit 
gelangen zu können, es ist indessen wahrscheinlich, dass auch diese Stürme in 
Bezug auf die meisten dieser Punkte denselben allgemeinen Gesetzen folgen, 
wie diejenigen der Bai von Bengalen. 
Die Cyklonen des südlichen Indischen Oceans, welche auch vielfach unter 
dem Namen „Mauritius-Orkane“ bekannt sind, sind am häufigsten in den Monaten 
December bis Mai, zur Zeit der grössten Erwärmung der südlichen Hemisphäre. 
Auf die einzelnen Monate vertheilen sich dieselben wie folgt: 
In südlichen indischen Meeren fielen von 53 während der Jahre 1809—1848 
beobachteten Orkanen: 
9 in den Januar 1 in den 
13 „ Februar 1 > 
10 „ „ März 4 2 vv 
3 » April 3 
4 A Mai 
Auf der Insel Mauritius fielen von 53 während der Jahre 1820—1844 
beobachteten Orkanen: 
6 in den December 15 in den März 
9 „ » Januar 8 „ » April 
15 „ „ Februar 
Zu dieser Jahreszeit weht, wie in Vorstehendem bereits gesagt ist, nörd- 
lich von 10° S-Br der NW-Monsun, während südlich von dieser Breite der SE- 
Passat anzutreffen ist. Zwischen diesen beiden entgegengesetzten, nahe an 
einander heranwehenden Luftströmungen von ungleicher Temperatur und Feuchtig- 
keit findet sich eine Gegend der Windstillen und veränderlichen Winde, in 
welcher heftige Böen, Gewitter und Regengüsse auftreten, und in welcher auch 
die Orkane dieses Oceans ihren Ursprung zu haben scheinen. 
Die meisten dieser Orkane entstehen zwischen 8° und 12° S-Br. Wie 
weit nach Osten zu ihr Entstehungsfeld sich erstreckt, ist bis jetzt noch nicht 
yenau festzustellen gewesen, jedoch scheint es, als ob etwa der Meridian von 
95° O-Lg seine östlichste Grenze bildet, von welcher ab, in der Richtung von 
Java Head nach den Inseln Rodriguez und Mauritius in einer Breite von 200 
bis 250 Sm die Bahnen der Centren der bisher beobachteten Orkane liegen. Es 
giebt aber noch ein zweites Sturmfeld im südlichen Indischen Ocean, welches 
3ich von der Insel Zimor längs der NW-Küste Australien’s nach SW erstreckt, 
und etwa zwischen 10° S-Br und 130°—140° O-Lg und 26°—30” S-Br und 
30°—90° O-Lg liegt, jedoch sind die Angaben über die dort auftretenden 
Cyklonen noch wenig zahlreich und zuverlässig. 
Die Bahnen der Orkane haben im Indischen Ocean im Allgemeinen einen 
ziemlich regelmässigen Verlauf, indem sie von dem Entstehungsorte aus zu- 
nächst einen Kurs verfolgen, welcher im Durchschnitt in der Richtung ENE nach 
WSW liegt. Diese Richtung behalten sie in der Regel bei, bis sie sich dem 
Parallel von 20° S-Br nähern, von wo an die Richtung südlicher wird. In der 
Nähe des Wendekreises des Steinbocks biegen sie nach Süden, und noch weiter 
südlich nach SSE und SE um, bis sich die Wirbel in 28°--30° $S-Br und 
45°—50° O-Lg auflösen und gänzlich verschwinden. 
Die Geschwindigkeit, mit welcher sich diese Cyklonen in diesen Bahnen 
fortbeweren, wird von Mr. Thom auf 9-—10 Sm in der Stunde bis herab zu
	        
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