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und den anliegenden Küsten, und ein schnelleres Fallen erfolgt, wenn die
Cyklone sich gebildet hat und gegen den in Frage stehenden Ort vorrückt.
Wenn aber der Entstehungsort der Cyklone entfernt und das ursprüngliche Feld
niederen Druckes von geringer Ausdehnung ist, so kann es sich ereignen, dass
die erste Andeutung des Sturmes, welche durch das Barometer gegeben wird,
diejenige ist, welche durch den herannahenden Wirbel hervorgebracht wird.
In den Schiffsjournalen derjenigen Schiffe, welche während des Entstehens
einer Cyklone die Bai von Bengalen durchsegelten, sind beständig Angaben
über gewaltige Regengüsse gemacht, und diese Thatsache ist von grosser Be-
deutung in Bezug auf die Theorie ihrer Entstehung. Ihre Annäherung an das
Land ist ebenso durch Regenböen vorher verkündet, ganz besonders längs der
Bahn des Sturmes, und der Regen ist sehr schwer während des Passirens des
Wirbels. In der centralen Windstille indessen scheint schönes Wetter vorzu-
herrschen.
Es ist bemerkenswerth, dass, während die Cyklonen sowohl während ihrer
Entstehung als auch während ihrer darauf folgenden Fortbewegung von sehr
hoftigem Regen begleitet sind, wenig oder gar kein Regen über dem Lande rund
ım die Bai fällt.
Blitzen wird gewöhnlich während der Entstehung der Cyklonen beobachtet,
aber während ihres weiteren Verlaufes über dem Lande ist dies eher die Aus-
nahme als die Regel. Die gewöhnlichste Form der elcktrischen Entladungen
scheint die fortwährende und stille zu sein, wie dies in einer von Regen ge-
sättigten Atmosphäre wohl nicht anders zu erwarten ist.
Die Jahreszeiten, in welchen die Cyklonen ganz besonders vorherrschend
sind, sind die des Wechsels der Monsune. Aber sie sind bei weitem häufiger
am Schluss des Sommer-Monsuns, als bei seinem Anfang, und sie treten gelegent:
lich während seines Bestehens in der Bai von Bengalen auf. Alle diese That-
sachen sind einer einfachen Erklärung fähig.
Mr. Blanford hat die Notizen von 115 Cyklonen in der Bai von Ben-
galen gesammelt, und ergiebt sich demnach folgende Vertheilung derselben auf
die verschiedenen Monate des Jahres:
Januar
Februar
März
April
Mai Zu
Juni 10
Juli
August 4
September 6
Oktober 3
Novombeor 1.
December %3
In dieser Liste ist jeder Fall, in welchem der Sturm in den letzten Tagen
eines Monats entstanden ist und in den Anfang des folgenden Monat hinein
gedauert hat, zu dem Monat gerechnet, in welchem der Sturm entstand. Die
Liste umfasst Stürme bis zum Jahre 1737 zurück und sie zeigt, dass Februar
ler einzige Monat ist, in welchem von keiner Cyklone berichtet worden ist;
dagegen ist es durch Mr. Meldrum’s Untersuchungen wohl bekannt, dass dies
der Monat ihrer grössten Häufigkeit im südlichen Indischen Ocean ist. Die
beiden Januar-Stürme ereigneten sich in der Breite von Ceylon, welches ungefähr
die südlichste Grenze ist, in welcher sich in der nördlichen Hemisphäre Cyklonen
überhaupt bilden. Die beiden März-Stürme berührten die Küste von Madras,
aber beide ereigneten sich in der letzten Woche des Monats. Diejenigen der
letzten Hälfte des November und December und diejenigen des April, mit zwei
Ausnahmen, beschränkten sich auf die südliche Hälfte der Bai. Diese beiden
Ausnahmen fielen in die letzte Woche des Monats, Im Mai und Oktober sowie
in der ersten Hälfte des Novomber sind Stürme ungefähr in allen Theilen der
Bai gleich häufig, aber alle diejenigen, welche von Juni bis September beobachtet
sind, waren, mit einer einzigen Ausnahme im Juni, auf die nördliche Hälfte be-
schränkt. Es scheint daher, als wenn die Zone, in welcher Cyklonen vorherr-
schend sind, mit einer jährlichen Schwankung nach Norden und Süden wandert,
jedoch nicht genau mit der Trennungslinie der Monsune, denn diese wandert
zu beiden Zeiten des Wechsels nach Norden und Süden. Hierin finden wir die
unzweifelhafte Erklärung der Thatsache, dass die Cyklonen am Ende des
Sommer-Monsuns ungefähr doppelt so zahlreich sind, als am Anfang desselben,