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Der NW-Monsun weht weder in seiner Stärke so gleichmässig, noch in
zeiner Richtung so bestimmt, als der SE-Monsun. Seine Richtung schwankt
zwischen NW und SW, und zwar ist er am frischesten, wenn er von nordwest-
licher Richtung weht, wobei auch die moisten Böen und viel Regen angetroffen
wird. Ueberhaupt ist die Zeit des NW-Monsuns in diesen Gegenden die nasse
Jahreszeit und die Zeit des schlechten: Wetters, Das Gebiet des NW-Monsuns
ist nahezu dasselbe, wie dasjenige, in welchem in den Sommermonaten der
SE-Monsun weht. Im Westen reicht dieser Wind jedoch in der Regel nicht
weiter als 60°-—70° O-Lg, während westlich von diesen Meridianen der Wind
aus nördlicher und nordöstlicher Richtung weht und so die Verbindung des
NE-Monsuns des Kanals von Mozambique mit dem NE-Monsun in der Arabischen
See herstellt. Zwischen 60° O-Lg und der Westküste Sumatras nimmt der
NW-Monsun ein keilförmiges Feld ein, dessen Spitze im Westen liegt, Dieses
Feld gewinnt mit dem Zurückweichen des SE-Passates nach Süden und der
vollen Entwickelung des NW-Monsuns allmählich an Ausdehnung und erreicht
zein Maximum im December und Januar, in welchen Monaten es sich von
2°—3° N-Br bis nach 8°—10° S-Br erstreckt, Im Norden und Süden dieses
Theiles des Monsungebietes findet man in der Regel schmale Gürtel der Wind-
stillen und veränderliche Winde.
Im Osten erstreckt sich dieser Monsun über den ganzen indischen
Archipel, durch die Java-, Flores- und Arafura-See. Ebenso weht er in der
Torres-Strasse und östlich von Neu-Guinea im Stillen Ocean bis etwa 160° O-Lg.
Seine nördliche Gronze erstreckt sich in diesem Theil seines Gebietes ebenfalls
bis zu 2°—3° N-Br.
In denjenigen Meerestheilen, welche in unserem Felde nördlich vom
Acquator liegen, haben wir es wiederum mit zwei entgegengesetzten Monsunen
zu thun, deren Richtung jedoch nahezu rechtwinklig auf die Richtung der Mon-
zune der südlichen Hemisphäre ist, da sie, der eine aus dem nordöstlichen, der
andere aus dem südwestlichen Quadranten wehen. KErsterer ist der Winter-,
letzterer der Sommer-Monsun, und trifft bei ihnen dieselbe Erscheinung in Bezug
auf das sie begleitende Wetter zu, wio bei den Monsunen der südlichen Breiten,
indem hier ebenfalls der resp. Sommer - Monsun die nasse, der resp. Winter-
Monsun die trockene Jahreszeit repräsentirt,
Die Kenntniss dieser grossartigen Veränderungen in der Richtung der
Winde im Winter und Sommer in Süd- und Ost-Asien, sowie in dem Charakter
des sio begleitenden Wetters ist schon sehr alt, über die Ursachen ihrer Ent-
stehung ist aber erst in neuerer und neuester Zeit einiges Licht verbreitet,
wobei allerdings die von den verschiedenen Gelehrten, welche sich die Ergrün-
dung derselben zur Aufgabe machten, aufgestellten Ansichten noch weit aus-
einander gehen. Namentlich in Bezug auf den Ursprung der Monsune in den
indischen Meeren, d. h. in der Bucht von Bengalen und der Arabischen See, sind
neuerdings Behauptungen aufgestellt. welche allen früheren Erklärungen ent-
gegen stehen.
Die Untersuchungen des „Meteorological Reporter to the Government of
Bengal“ Mr. H. F. Blanford lassen denselben nämlich zu nachstehenden Schlüssen
kommen, welche in dem Schlussresume einer Abhandlung über „The winds of
Northern India“ (Philosophical Transactions of the Royal Society, 1874) ent-
halten sind und in deutscher Uebersetzung etwa folgendermaassen lauten:
„Der NE-Monsun der Indischen Meere wird durch die Abkühlung und
Kondensation einer verhältnissmässig ruhigen Atmosphäre über der Laudober-
fläche Indiens hervorgebracht. Er hat seinen Ursprung in den Ebenen des
Punjab, von Ober- und Central-Indien und Assam, wahrscheinlich ebenfalls an den
südlichen Abhängen des Himalaya, wo die Luft, abgekühlt durch Ausstrahlung
und Berührung mit der Oberfläche der Berge, durch die grossen Thäler nieder-
fliesst, um sich mit der ähnlich abgekühlten Luft der Ebenen zu vermischen.
Diese Luftströme werden durch einen oberen Luftstrom genährt, welchen ich
den Anti-Monsun genannt habe. Derselbe wird auf und über der südlichen
Seite des Himalaya als cin südlicher Wind gefühlt und steigt in die Ebene
von Ober- und Central-Indien hinab, indem er die Wintorregen mit sich bringt.
Es scheint, als ob zwei Haupizweige dieser Luftströmung vorhanden sind, deren
Verlauf in jedem Falle durch höhere Temperatur und niederen Druck an der