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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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Nach dieser ganz allgemeinen Erklärung des Auftretens der Monsune im 
Indischen Ocean wird es zweckmässig sein, auf die einzelnen Windsysteme 
näher einzugehen und deren Lage sowie Eigenthümlichkeiten ausführlicher zu 
besprechen. 
Um von Süden her zu beginnen, finden wir zunächst zwischen der West- 
küste Australiens und der Ostküste Madagaskars den SE-Passat, welcher das 
ganze Jahr hindurch in diesem verhältnissmässig offenen Theile des Oceans 
ziemlich regelmässig und frisch weht. Das Gebiet desselben verändert, ebenso 
wie das aller anderen Windsysteme, seine Lage mit dem Stande der Sonne, 
indem dasselbe im nördlichen Sommer am weitesten nach Norden, im nördlichen 
Winter am weitesten nach Süden rückt. Seine polaren Grenzen schwanken 
daher zwischen 26°—28° S-Br im Juli und August, und 30°—33° S-Br in den 
Wintermonaten. Die äquatorialen Grenzen des SE-Passats im Indischen Ocean 
sind für die einzelnen Monate sehr schwierig festzustellen, jedoch kann 10° S-Br 
als die mittlere Grenze in den Wintermonaten November bis April angenommen 
werden, während der SE-Wind in den Sommermonaten als SE-Monsun den 
Aequator erreicht und oftmals überschreitet. 
Die Richtung des SE-Passats ist ebenfalls je nach der Jahreszeit eine 
verschiedene. In den Wintermonaten Oktober bis März ist die allgemeine 
Windrichtung zwischen SE—SSE, während in der entgegengesetzten Jahreszeit 
der Wind aus einer mehr östlichen Richtung, zwischen E und ESE, zwischen 
den Sunda-Inseln und der NW-Küste Australiens sogar aus ENE häufig weht. 
Dieser Umstand ist bei den Reisen nach /xdien, und besonders bei denen, 
welche die Sundastrasse oder eine der östlich gelegenen Strassen zum Ziele haben, 
besonders in Betracht zu ziehen, weil hiernach schon der südliche Eintritt in 
das SE-Passat-Gebiet eingerichtet werden muss, indem die erforderliche Ost- 
länge in der Jahreszeit, in welcher der SE-Passat eine sehr östliche Richtung 
hat, schon im Gebiet der westlichen Winde in höheren Breiten abgelaufen 
werden muss. 
Im Norden des Gebietes des SE-Passats liegt nun die Region der ver- 
schiedenen Monsune, welche sich von der Küste Afrikas, über die China- und 
Java-See hinaus, noch bis zu einer bedeutenden Entfernung in den Stillen Ocean 
hinein erstrecken, aber im nördlichen Theil des Chinesischen Meeres und östlich 
von den verschiedenen Inselgruppen nicht mehr so regelmässig sind, als im 
Indischen Ocean. 
Südlich vom Aequator, zwischen diesem und dem Gebiet des SE-Passats, 
sowohl im Indischen Ocean, als auch in den von den Inseln eingeschlossenen 
Meeren, weht in denjenigen Monaten, in welchen die Sonne sich in der nördlichen 
Hemisphäre befindet, mithin das asiatische Festland vorzugsweise erhitzt ist, der 
SE-Monsun. Die Zeit seines Eintritts fällt in die Mitte des April; sein Ende erreicht 
er im Indischen Ocean in der letzten Hälfte des September, während er zwischen 
den Inseln noch bis Mitte Oktober weht. Derselbe kann zu dieser Zeit als 
eine Fortsetzung des SE-Passates angesehen werden, welcher dann bis an den 
Aequator heranweht. Die Zeit des SE-Monsuns ist für die betreffende Gegend 
die trockene Jahreszeit, während welcher man fast immer schönes und klaros 
Wetter antrifflt. Besonders frisch und regelmässig weht derselbe zwischen den 
Inselgruppen in der Java-, Flores- und Arafura-See, sein Gebiet erstreckt sich 
aber auf die ganze Zone zwischen dem Aequator und 8°—10° S-Br, von dem 
Meridian von Madagaskar bis weit in den Stillen Ocean hinein. Westlich vom 
Meridian von Madagaskar, zwischen diesem und der Küste Afrikas, weht der 
Wind aus südlicher und südwestlicher Richtung, auf diese Weise die beiden 
SW-Monsune des Kanal von Mozambique und der Arabischen See verbindend. 
Eine genaue östliche Grenze isi nicht recht anzugeben. 
Ebenso wie die Richtung des SE-Passates südlich von 10° S-Br zu dieser 
Jahreszeit eine sehr östliche ist, weht auch der SE-Monsun meistens zwischen 
E und ESE; südlich von Java und den östlich liegenden Inseln nimmt er sogar 
häufig eine ostnordöstliche Richtung an. 
Im Oktober vollzieht sich in dem bezeichneten Felde der Uebergang in 
den entgegengesetzten NW-Monsun. Derselbe geht allmählich vor sich und ist 
von böigem und unruhigem Wetter begleitet, jedoch werden die Winde niemals 
übermässig stark.
	        
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