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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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die Isothermen und Isobaren für die vier wichtigsten Monate des Jahres ein- 
yetragen. Es sind hierbei die Angaben Dove’s über die Verbreitung der 
Wärme auf der Oberfläche der Erde und die Angaben Buchan’s über die Ver- 
theilung des Luftdruckes benutzt worden. Die Monate Januar und Juli repräsen- 
tiren die Zeit der grössten Ausbildung, die Monate April und Oktober die Zeit 
des Wechsels der Monsune. 
Im Januar, wenn die Sonne ihre grösste südliche Deklination erreicht 
hat, findet die grösste Erwärmung im Süden des Aecquators, zwischen diesem 
und 20° S-Br und auf dem Australischen Kontinente statt, während nach Norden 
zu die Temperatur allmählich abnimmt. In derselben Weise nimmt der Luft- 
druck da, wo die Luft durch die Erwärmung dünner und somit leichter wird, 
ab, — mit der Abnahme der Temperatur und Zunahme der Dichtigkeit der Luft 
nach Norden aber zu, so dass wir im Januar in Australien und im Süden der 
Linie das Wärme-Maximum und den niedrigsten Luftdruck in dem betreffenden 
Felde finden, während in Central-Asien das Kälte-Maximum und der höchste 
Luftdruck herrschen. 
Nach den allgemeinen Windgesetzen: dass der Wind vom höheren Luft- 
drucke nach dem niederen strömt und dabei durch die Erdrotation auf der 
nördlichen Hemisphäre nach rechts, auf der südlichen nach links abgelenkt wird, 
muss daher unter obigen Verhältnissen ein allgemeiner nördlicher Lmftstrom 
nach Süden wehen, und zwar in den Meeren nördlich des Aequators, — als da 
sind: das Arabische Meer, dor Meerbusen von Bengalen, das Chinesische und 
das Stille Meer, — an der Meeresoberfläche als NE-Wind auftreten, während er 
südlich von der Linie, wo die Lufttheilchen, von Norden kommend, von Breiten 
mit grösserer Rotationsgeschwindigkeit nach Breiten mit geringerer Geschwindig- 
keit wandern, zugleich auch durch das grosse Auflockerungsgebiet über dem 
Australischen Kontinent angezogen werden, als NW-Wind erscheinen muss. 
Dies ist in der That auch der Fall, denn es weht im Januar über den Meeren 
nördlich von der Linie der NE-Monsun, südlich von derselben, im östlichen 
Theil bis zur Nordküste Australiens, im westlichen bis zu einer gewissen Breite 
wenigstens, der NW-Monsun (vgl. "Tafel zu Heft V). 
Im Juli haben wir die entgogengesetzten Erscheinungen vor uns. Die 
Sonne hat jetzt ihren nördlichsten Stand erreicht und das feste Land Asiens, 
vorzugsweise die beiden Indien, Persien und Arabien, in hohem Grade erwärmt, 
auch umfasst das grosse Wärmegebiet die Chinesische See bis östlich von den 
Philippinen. Im Süden der Linie und auf dem Australischen Kontinent ist die 
Luft Jetzt abgekühlt und das Barometer gestiegen. In Vorder-Indien und 
Central-Asien, wo die Luft durch die übermässige Erwärmung im hohen Grade 
aufgelockert ist, erreicht der Luftdruck jetzt sein Minimum, und zwar beträgt 
der Unterschied gegen Januar in 30° N-Br zwischen 70°—80° O-Lg ca 15mm. 
Wir haben also im südlichen Theil unseres Gebietes hohen Druck ‚und grösste 
Abkühlung, während nördlich der Linie in 25°—30° N-Br das Wärme-Maximum 
und das barometrische Minimum vorgefunden wird.') Die Folge hiervon muss 
sein, dass die allgemeine Luftströmung von Süden nach Norden zieht und auf 
der südlichen Halbkugel als SE-Passat resp. Monsun, auf der nördlichen als 
SW-Monsun auftritt, wie es in Wirklichkeit auch der Fall ist. 
Die Uebergangsmonate April und Oktober, in welchen der Wechsel des 
Winter-Monsuns in den Sommer-Monsun und umgekehrt vor sich geht, haben in Be- 
zug auf Temperatur- und Luftdruck-Vertheilung grosse Achnlichkeit mit einander, 
und zwar in der Weise, dass das Feld der grössten Erwärmung und des niedrig- 
sten Barometerstandes den mittleren Theil des Gesammtgebietes in der Richtung 
von Osten nach Westen einnimmt und sowohl im Norden, als im Süden von 
Gebieten mit höherem Luftdruck und geringerer Temperatur eingeschlossen wird. 
Die Isobaren sowohl, wie die Isothermen erscheinen in diesen Monaten, nament- 
lich auf der nördlichen Hemisphäre, als stark gekrümmte unregelmässige Kurven, 
während in den Monaten Januar und Juli dieselben lang gestreckt in der Richtung 
von Osten nach Westen verlaufen. 
‘) „Of the reduction of the atmospheric pressure between January and July on the plains of 
Lower Bengal, six sevenths are due to the increased temperature of the atmosphere, and Only 
one seventh to the displacement of dry air aqueous vapounr.“ (Blanford: On the winds of Northern 
India, Philosoph. Transact., 1874, Vol. 164, pag. 611.)
	        
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