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die Isothermen und Isobaren für die vier wichtigsten Monate des Jahres ein-
yetragen. Es sind hierbei die Angaben Dove’s über die Verbreitung der
Wärme auf der Oberfläche der Erde und die Angaben Buchan’s über die Ver-
theilung des Luftdruckes benutzt worden. Die Monate Januar und Juli repräsen-
tiren die Zeit der grössten Ausbildung, die Monate April und Oktober die Zeit
des Wechsels der Monsune.
Im Januar, wenn die Sonne ihre grösste südliche Deklination erreicht
hat, findet die grösste Erwärmung im Süden des Aecquators, zwischen diesem
und 20° S-Br und auf dem Australischen Kontinente statt, während nach Norden
zu die Temperatur allmählich abnimmt. In derselben Weise nimmt der Luft-
druck da, wo die Luft durch die Erwärmung dünner und somit leichter wird,
ab, — mit der Abnahme der Temperatur und Zunahme der Dichtigkeit der Luft
nach Norden aber zu, so dass wir im Januar in Australien und im Süden der
Linie das Wärme-Maximum und den niedrigsten Luftdruck in dem betreffenden
Felde finden, während in Central-Asien das Kälte-Maximum und der höchste
Luftdruck herrschen.
Nach den allgemeinen Windgesetzen: dass der Wind vom höheren Luft-
drucke nach dem niederen strömt und dabei durch die Erdrotation auf der
nördlichen Hemisphäre nach rechts, auf der südlichen nach links abgelenkt wird,
muss daher unter obigen Verhältnissen ein allgemeiner nördlicher Lmftstrom
nach Süden wehen, und zwar in den Meeren nördlich des Aequators, — als da
sind: das Arabische Meer, dor Meerbusen von Bengalen, das Chinesische und
das Stille Meer, — an der Meeresoberfläche als NE-Wind auftreten, während er
südlich von der Linie, wo die Lufttheilchen, von Norden kommend, von Breiten
mit grösserer Rotationsgeschwindigkeit nach Breiten mit geringerer Geschwindig-
keit wandern, zugleich auch durch das grosse Auflockerungsgebiet über dem
Australischen Kontinent angezogen werden, als NW-Wind erscheinen muss.
Dies ist in der That auch der Fall, denn es weht im Januar über den Meeren
nördlich von der Linie der NE-Monsun, südlich von derselben, im östlichen
Theil bis zur Nordküste Australiens, im westlichen bis zu einer gewissen Breite
wenigstens, der NW-Monsun (vgl. "Tafel zu Heft V).
Im Juli haben wir die entgogengesetzten Erscheinungen vor uns. Die
Sonne hat jetzt ihren nördlichsten Stand erreicht und das feste Land Asiens,
vorzugsweise die beiden Indien, Persien und Arabien, in hohem Grade erwärmt,
auch umfasst das grosse Wärmegebiet die Chinesische See bis östlich von den
Philippinen. Im Süden der Linie und auf dem Australischen Kontinent ist die
Luft Jetzt abgekühlt und das Barometer gestiegen. In Vorder-Indien und
Central-Asien, wo die Luft durch die übermässige Erwärmung im hohen Grade
aufgelockert ist, erreicht der Luftdruck jetzt sein Minimum, und zwar beträgt
der Unterschied gegen Januar in 30° N-Br zwischen 70°—80° O-Lg ca 15mm.
Wir haben also im südlichen Theil unseres Gebietes hohen Druck ‚und grösste
Abkühlung, während nördlich der Linie in 25°—30° N-Br das Wärme-Maximum
und das barometrische Minimum vorgefunden wird.') Die Folge hiervon muss
sein, dass die allgemeine Luftströmung von Süden nach Norden zieht und auf
der südlichen Halbkugel als SE-Passat resp. Monsun, auf der nördlichen als
SW-Monsun auftritt, wie es in Wirklichkeit auch der Fall ist.
Die Uebergangsmonate April und Oktober, in welchen der Wechsel des
Winter-Monsuns in den Sommer-Monsun und umgekehrt vor sich geht, haben in Be-
zug auf Temperatur- und Luftdruck-Vertheilung grosse Achnlichkeit mit einander,
und zwar in der Weise, dass das Feld der grössten Erwärmung und des niedrig-
sten Barometerstandes den mittleren Theil des Gesammtgebietes in der Richtung
von Osten nach Westen einnimmt und sowohl im Norden, als im Süden von
Gebieten mit höherem Luftdruck und geringerer Temperatur eingeschlossen wird.
Die Isobaren sowohl, wie die Isothermen erscheinen in diesen Monaten, nament-
lich auf der nördlichen Hemisphäre, als stark gekrümmte unregelmässige Kurven,
während in den Monaten Januar und Juli dieselben lang gestreckt in der Richtung
von Osten nach Westen verlaufen.
‘) „Of the reduction of the atmospheric pressure between January and July on the plains of
Lower Bengal, six sevenths are due to the increased temperature of the atmosphere, and Only
one seventh to the displacement of dry air aqueous vapounr.“ (Blanford: On the winds of Northern
India, Philosoph. Transact., 1874, Vol. 164, pag. 611.)