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jen Winkel zwischen diesem und ocinem weit davon nach rechts liegenden Gegen-
stande eingestellt, — Auf der Secewarte wird gewöhnlich Buxtehude genommen,
(Winkel Ochsenwärder—Buxtehude = 110° 52°. — Da nun beide Gegen-
stände fast genau in derselben horizontalen Ebene mit dem Beobachtungspunkte
liegen und als völlig senkrecht dazu angeschen werden dürfen, so müssen die
Bilder beider Gegenstände, nahe neben einander gebracht, völlig parallel zu
einander sein; anderenfalls steht das Fernrohr nicht parallel zur Ebene des
Instruments, welchem Uebelstande alsdann in bekannter Weise abgeholfen werden
muss, — Es folgt nun die Untersuchung der Rückschatten- und Verdunkelungs-
läser nach der bekannten, in jedem Lehrbuch der Navigation angegebenen
Methode. Zeigt sich, dass die Rückschattengläser nicht korrekt sind, so wird,
falls das Instrument von seinem Verfertiger ecingeliefert wurde, diesem nach
beendigter Prüfung anheimgegeben, zunächst diesen Fehler abzustellen und als-
dann das Instrument abermals einzuliefern, widrigenfalls der gefundene Fehler
im Certifikat bemerkt wird; gehört das Instrument bereits einem Seemann, so
wird versucht, den Fehler durch Drehen der Gläser innerhalb ihrer Fassung
aufzuheben.
Von einer genauen Prüfung der Planparallelität der Spiegelflächen, wie
solche durch das bekannte Verfahren unter Anwendung gröberer oder feinerer
Drahigitter leicht ausführbar wäre, wird auf der Secewarte abgesehen und nur
unmittelbar vor der Winkelmessung, häulg unter Anwendung eines stärkeren
Wernrohrs, als dem Sextanten beigegeben ist, nochmals sorgfältig nachgesehen,
öb bei Einstellung eines grossen Winkels das reflektirte Bild völlig scharf und
nur einfach erscheint.
Da die vom grossen Spiegel reflektirten Lichtstrahlen stets unter dem-
selben Winkel den kleinen Spiegel treffen, so ist bei allen Winkeln der durch
3ine etwaige prismatische Gestalt des kleinen Spiegels verursachte Fehler von
zleichem Betrage, und hat daher auch bei Null denselben Werth wie bei allen
übrigen Winkeln, d. h. der Fohler wirft sich mit auf den Indexfehler und wird
somit eliminirt. Angenommen ist dabei natürlich, dass die Abweichung von der
Planparallelität eine nicht zu grosse sei, denn mit zu sehr prismatischen Spiegeln
wird man unter keinerlei Umständen genaue Resultate erzielen können, Spiegel
von offenbar in die Augen fallender prismatischen Gestalt müssen ein für alle
Mal verworfen werden,
Was den grossen Spiegel anbelangt, so muss die Seewarte das Princip
vertreten, den Spiegel so lange als gut zu bezeichnen, als er für die Zwecke
les Sextanten ausreicht, und die mit ihm zu erzielende Genauigkeit im richtigen
Verhältniss steht zu der mit Sextanten überhaupt zu erzielenden Genauigkeit.
Aus diesem Grunde wird das Verfahren der Prüfung mit feinen Drahtgittern,
vor welchem wohl nur wenige Sextantenspiegel bestehen würden, nicht an-
gewandt. — Ist der grosse Spiegel eines Sextanten prismatisch, so muss er zwei
Bilder desselben reflektirten Gegenstandes geben, und diese beiden Bilder werden
ım so weiter von einander entfernt sein, je grösser der Winkel ist, auf welchen
der Sextant eingestellt ist, Da nun die Sextanten fast ausnahmslos mit Fern-
vohren, welche 6-, 8-, 10- oder 12fache Vergrösserung gestatten, ausgerüstet
sind, die Winkelgrösse der mit freiem Auge noch sichtbaren Gegenstände aber
als 1‘ angenommen werden kann, so wird man mit Hülfe dieser Fernrohre 5
bis 10“ noch zu erblicken vermögen. Es ist demnach anzunehmen, dass man
las schwächere, von der vorderen Fläche des Spiegels reflektirte Bild noclı
schen wird, wenn dasselbe um 30“ von dem von der hinteren Fläche reflektirten
stärkeren Bilde entfernt liegt, vorausgesetzt, dass die Luft durchsichtig genug
ist und der Gegenstand selbst hell genug erscheint, wie das in der That die
Erfahrung bei einigen auf der Seewarte geprüften Sextanten gezeigt hat. Wir
werden also stets nur mit einem möglicher Weise zu begehenden Fehler von
höchstens 30“ zu thunm haben, welcher durch die prismatische Gestalt des
Spiegels hervorgerufen werden könnte. Durch die nachfolgende Auseinander-
zetzung werden wir jedoch sehen, dass bei dem auf der Seewarte angewandten
Verfahren derartige Fehler bei weitem noch nicht möglich werden.