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Im Norden der Mole ist die 5,5m-Linie 2 Kblg entfernt, und wo die Küste
südlich umbiegt, nimmt dieser Abstand zu, bis er östlich der Mole 1 Sm und
weniger erreicht.
Ankerplatz. Ein grosses Schiff kann auf 6,4 bis 7m Wasser ankern, wenn
die Mole auf 3 Kblg Abstand SW peilt, und ein kleines Schiff kann auf 3,7 bis
4,9m Wasser. ankern, wenn die Mole auf 1! 2 Kblg Abstand SWzW peilt.
Oceanographische Beobachtungen, angestellt in den Jahren 1876-1878
an Bord S.M.S. „Elisabeth‘“, Kapt. z. See von Wickede.
T
Wie bereits im vorigen Hefte der Annalen kurz erwähnt, sind an Bord
S. M. S. „Elisabeth“ mit den diesem Schiffe hierfür überwiesenen Instrumenten
und gemäss der ertheilten Instruktion zu oceanographischen Zwecken fortlaufende
Beobachtungen angestellt worden; dieselben umfassen die Temperatur der Luft
und der Oberfläche des Meeres, das specifische Gewicht und den Salzgehalt
des Oberflächenwassers, die Verdunstung und Regenmenge, und endlich die
Stromversetzung. *)
Wie bekannt, sind die Ursachen der Meeresströmungen in ihrer Gesammt-
heit zur Zeit noch durchaus nicht in einer die Wissenschaft befriedigenden
Weise festgestellt. Fast jede der vielen, dieses Thema behandelnden Schriften,
welche in neuerer Zeit, angeregt durch die physikalisch-oceanischen Beobachtungen
des „Challenger“, der „Gazelle“ etc., erschienen sind, stellt eine neue Hypothese
darüber auf und verwirft mehr oder weniger die Ansichten der Vorgänger.
Schon dies scheint zu beweisen, dass das Beobachtungsmaterial noch nicht an-
nähernd ausreicht für die Aufstellung von Gesetzen für die Wassercirkulation.
Die bisherigen Beobachtungen auf diesem Gebiete sind in Anbetracht der Aus-
dehnung desselben auch in der That nicht bloss äusserst spärliche zu nennen,
sondern sie sind zum grössten Theile auch nur recht einseitig angestellt. Es
handelt sich dabei um zweierlei: einmal ist das physikalische Verhalten des Meeres
an den verschiedenen Orten, und an jedem Orte an der Oberfläche und in ver-
achiedenen Tiefen und wiederum in den verschiedensten Jahreszeiten, festzu-
stellen, sodann müssen aber die Ursachen ergründet werden, welche den Anlass
zu diesem verschiedenen physikalischen Verhalten des Meerwassers geben. In
ersterer Beziehung ist — abgesehen von der hierfür mehr nebensächlichen
chemischen Beschaffenheit — die Temperatur und der Salzgehalt des Seewassers
festzustellen, welches Beides das für alle Strömungserklärungen so sehr wesent-
liche specifische Gewicht desselben bedingt; in letzterer Beziehung handelt es
sich aber um diejenigen Faktoren, welche die Temperatur und den Grad des
Salzgehaltes verursachen, und dies ist: erstens die Lufttemperatur, zweitens die
Menge der Niederschläge, drittens der Grad der Verdunstung resp. in den
Polarmeeren die Eisbildung. Die Menge der Niederschläge und der Grad der
Verdunstung haben nebenbei noch insofern einen ganz direkten Bezug auf die
Strömungsursachen, als sie, neben den Süsswasserzuflüssen, die lokale Höhe des
Niveaus des Meeresspiegels bedingen.
Während nun in ersterer Beziehung in den letzten Jahren durch die Be-
obachtungen einiger wissenschaftlichen Schiffsexpeditionen (neben den Englischen,
Amerikanischen und Deutschen, namentlich die Norwegisch-Schwedischen Ex-
peditionen in das Polarmeer) Manches geschehen ist, ist die Beobachtung der
Niederschlagsmenge und des Verdunstungsgrades auf hoher See so gut wie ver-
nachlässigt worden. Der Bestimmung des specifischen Gewichtes und der Wasser-
bewegung in der Tiefe ist übrigens auch nicht ganz die ihr gebührende Auf-
merksamkeit geschenkt worden. ?)
1) Ein kleiner "Theil dieser Beobachtungen (Temperatur- und Stromverhältnisse im Kuro-stwo
und bei Jepan) sind in diesen Annalen bereits veröffentlicht worden (s. Jahrg. V, 1877, pag. 464,
und Jahrg. VI, pag. 138).
?*) Von S. M, S. „Gazelle“ sind sowohl Beobachtungen über die Niederschlagsmengen und
den Grad der Verdunstung, wie über das speeifische Gewicht und die Strömung in verschiedenen
Tiefen während ihrer ganzen Weltumsegelung angestellt. aher noch nicht veröffentlicht worden.